Richtiges Verhalten, wenn sich Blaulicht und Martinshorn nähern

7. Juli 2014 at 15:31

Sicher hat jeder von euch in der Fahrschule gelernt, wie man sich bei heran näherndem Blaulicht und Martinshorn zu verhalten hat. Aber immer wieder kommt es zu völligem Fehlverhalten bei Einsatzfahrten, manchmal sogar zu Unfällen, wenn ein Einsatzfahrzeug mit eingeschaltetem Blaulicht oder Martinshorn eine Kreuzung überfahren möchte.

Es gibt hierzu eine eindeutige rechtliche Bestimmung: In § 38 StVO (sogenanntes Wegerecht) heißt es dazu: Blaulicht und Martinshorn ordnen an:

Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen.

 

Aber was genau bedeutet das?

Drei wesentliche Dinge sollten hierbei berücksichtigt werden:

  1. Aufmerksamkeit

    Ist man vom Fahren abgelenkt, bekommt man natürlich nicht mit, was um einen herum passiert. Wie in dem verlinkten Video zu sehen, ist der Fahrer durch ein Handytelefonat abgelenkt. Aber die Ablenkung kann vielfältig sein: ein angeregtes Gespräch mit dem Beifahrer, laute Musik (vielleicht sogar über Kopfhörer), Bedienung des Radios, anzünden einer Zigarette, mit den Gedanken ganz woanders sein…
    All diese Dinge sollten während der Fahrt minimiert oder ganz unterlassen werden. Zur Not kann man auch kurz anhalten, erledigen, was man zu tun hat, und dann weiterfahren. Dieses Verhalten gehört im übrigen generell zur Unfallvermeidung.

  2. Sofortige Ausführung

    Im Gesetzestext heißt es SOFORT freie Bahn zu schaffen! Dies bedeutet, dass man sich nicht aussuchen kann, wo man freie Bahn schafft, es hat sofort zu geschehen. Also in dem Moment, wo man als Verkehrsteilnehmer bemerkt, da nähert sich ein Einsatzfahrzeug mit eingeschaltetem Blaulicht und Martinshorn, selbst wenn das Fahrzeug noch einige hundert Meter entfernt ist, macht man die Fahrbahn frei.
    Hierzu gibt es ein paar Ausnahmen, die man allerdings nur mit kühlem Kopf und abermals mit hoher Aufmerksamkeit nutzen sollte: kommt das Einsatzfahrzeug in einem Engpass näher, macht es keinen Sinn genau in diesem Engpass stehen zu bleiben, da das Einsatzfahrzeug nicht passieren könnte. Hier sollte man den Engpass so schnell wie möglich verlassen und dann erst freie Bahn schaffen.
    Genauso ist es an Kreuzungen mit Ampelregelung. Zeigt die Ampel Rot, das Einsatzfahrzeug nähert sich, kann aber nicht passieren weil die ersten Fahrzeuge an der roten Ampel stehen, darf man unter Umständen sogar bei Rot über die Ampel fahren. Allerdings, und das ist wichtig, nur um freie Bahn zu schaffen! Es soll nicht zum Missachten einer roten Ampel führen oder dem eigenen schnelleren Vorankommen dienen, sondern dem Einsatzfahrzeug ermöglichen, die Kreuzung zu passieren.

  3. Freie Bahn schaffen

    “Freie Bahn schaffen” bedeutet im Wesentlichen eines: rechts ran fahren, damit das Einsatzfahrzeug passieren kann. Diese Pflicht, freie Bahn zu schaffen, gilt für BEIDE Fahrtrichtungen (außer auf Autobahnen). Denn eine Straße in üblicher Breite bietet keinen Platz für drei Fahrzeuge nebeneinander. Also müssen die Fahrzeuge in beiden Fahrtrichtung rechts ran fahren, damit in der Mitte eine Gasse entsteht, durch die die Einsatzfahrzeuge passieren können.
    Wer mag, kann auch den Blinker rechts setzen, damit der Fahrer des Einsatzfahrzeugs erkennt, dieser Fahrer hat mein Wegerecht erkannt und wird entsprechend reagieren. Das ist aber kein Muss.
    Freie Bahn zu schaffen bedeutet auf KEINEN Fall, dass man, erschrocken von dem herannahenden Einsatzfahrzeug, sofort eine Vollbremsung einleitet! Das führt nur zu gefährlichen Fahrmanövern und Ausweichbewegungen des Einsatzfahrzeugs.

 

In dem folgenden Video aus den USA (hergestellt vom Tuscaloosa Fire & Rescue Service) wird das vorgenannte auf lustige Art und Weise verdeutlicht. Man braucht nicht viel englisch zu verstehen, um den Inhalt des Videos zu erkennen:

“Pull to the right for sirens & lights” – Fahre rechts ran bei Blaulicht und Martinshorn!