Dank-allen-Polizisten-Tag – Beitrag 7: Leserbrief: Hallo PolizeiMensch!

20. September 2015 at 17:35

Hallo_PolizeiMenschBild und Text von Ramona

Hallo PolizeiMensch!

Weißt Du, Polizeimensch… ich habe gerade versucht mich dran zu erinnern, wann Du in Deiner Uniform eigentlich zuerst eine Rolle in meinem Leben gespielt hast.

Ich weiß es nicht mehr so genau. Ich weiß nur dass damals, als ich noch klein war, die großen Menschen und beibrachten, dass man immer Respekt haben sollte. Vor allen, aber ganz besonders vor Lehrern, Pfarrern und Polizisten. Und, man brachte uns bei, dass Lügen nicht in Ordnung ist, aber auf jeden Fall darf man niemals einen Arzt oder Polizisten anlügen. Beim Pfarrer ein bisschen flunkern geht schon.

Ich hatte immer Respekt vor unseren fröhlichen Dorfpolizisten 😀 Die waren gutmütig und nie gestresst. Gab ja schließlich auch wenig Ärger, wenn man so handelt, wie wir erzogen wurden.

Später, als ich ein bisschen größer war, gerade so groß um einen Schulranzen zu tragen, da waren sie da… die Polizeimenschen in Grün und haben uns beigebracht, wie wir sicher zur Schule und zurück kommen. Wie man Straßen überquert, worauf man achten muss.

Sie kamen später häufiger in die Schule. Ich weiß noch, einmal zusammen mit einem Kasperle-Theater… da haben sie uns erklärt, dass es ok ist zu sagen “Nein, lass mich in Ruhe, fass mich nicht an, geh weg”… oder später, wenn sie uns erklärt haben, wie wir unser Fahrrad verkehrssicher machen. Und noch später, als wir stolz unsere Fahrradprüfung abgelegt haben.

Dann wird man eben noch ein bisschen größer, dann kommt die wilde Jugend, dann wird man auch einmal von der Polizei eingesammelt und muss auf dem Revier auf die Eltern warten. Ohweh, an den Abend erinnere ich mich genau. So ist das manchmal, junge Menschen gehen auch einmal über die Grenzen. Und wir waren fürchterlich nervös und ängstlich auf dem Polizeirevier. Und ich erinnere mich noch gut an den jungen Beamten in Grün, der uns beruhigt hat, dass es zwar doof war, aber doch auch kein Weltuntergang.

Dann wird man irgendwann noch älter. Begegnet den Polizeimenschen eher seltener. Trifft manchmal nette von denen, und manchmal ganz schön griesgrämige. Dann wird man noch älter und versteht manchmal, warum manche, an manchen Tagen einfach so arschkeksig sind:

Weil man auch selbst lernt, im Älter werden, im Beruf, dass es manchmal ganz schön schwer ist, wenn man eigentlich will, aber nicht kann und überfordert ist oder einfach nicht die Mittel hat so zu können, wie man will…. Oder, weil man vielleicht auch einfach nur Mensch ist, und weiß der Geier warum auch mal einen schlechten Tag hat.

Aber auch weil, das was wir einmal gelernt haben, den Respekt, nicht den ängstlichen, sondern der höfliche Respekt, schlimmer noch, den Respekt einen anderen nicht zu verletzen in seiner Ehre und in seinem körperlichen Wohl – dieser Respekt in unserer Gesellschaft manchmal keine Allgemeinbildung mehr zu sein scheint.

Auch die egozentrische Einstellung meiner Mitbürger: “Du hast mir gefälligst sofort zu helfen, ich zahle ja Steuern dafür”…die finde ich erschreckend. (Kürzlich war ich für eine Zeugenaussage im Revier, der Kollege war alleine, die anderen im Einsatz – und er entschuldigte sich zigmal, weil er zwischendurch immer wieder ans Telefon musste… Hey, das ist sein Job! Ja, ich saß halt mal 45 Minuten, statt geplante 15. Kommt jetzt nicht soooo oft vor.)

Ich wurde noch ein bisschen älter und weiser, war viel mit dem Auto unterwegs… und danke den Polizeimenschen (inzwischen in Blau) für:

Die beruhigenden Worte und die stoische Gelassenheit, wenn man gerade unverschuldet aber Gott sei Dank unverletzt aus einem Auto mit Totalschaden aussteigt und zufällig gerade eine Streife vorbeikommt.

Für das Kümmern um die Ersthelfer am Unfallort, wenn Rettungshubschrauber und Krankenwagen sich auf den Weg machen und eigentlich alles erledigt ist.(Ja, auch Ersthelfer sind dann manchmal ein bisschen blass um die Nase)

Für das Weg erklären, wenn mitten in der Nacht, die einzige Landstraße nach Hause wegen einem schweren Unfall gesperrt ist.

Danke, für all die kleinen Dinge, die immer noch bei vielen Platz haben trotz all den Strapazen im Job. Trotz den fehlenden Mitteln, trotz der wachsenden Respektlosigkeit.

Danke!