Gerüchte über Flüchtlinge sind oft unwahr und überlasten zunehmend die Polizei

24. September 2015 at 23:20

Geruechte_FluechtlingeDer Vorteil der sozialen Medien liegt unter anderem darin, dass man Informationen nahezu grenzenlos zugänglich machen kann und sich diese in Sekundenschnelle verbreiten können, frei von Zensur oder Kontrolle. Aber eben dies ist auch ein Nachteil, wenn es um Falschinformationen oder Gerüchte geht.

Genau das ist zunehmend das Problem der Polizei, wenn es dieser Tage um das Thema Flüchtlinge geht. Ein Beispiel: Vergangene Woche machte das Gerücht die Runde, dass ein Einkaufsmarkt in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft in Leipzig von diesen geplündert worden sei. Der Filialleiter bestätigt gegenüber dem MDR: “Alles an den Haaren herbeigezogen.”

Polizeisprecher Andreas Loepki erklärt, dass es keine Anhaltspunkte darüber gebe, dass die Kriminalität rund um die Asylbewerberunterkunft bei der Messe Leipzig angestiegen sei. Loepki erklärt was sich allerdings geändert hat:

“Dass soziale Netzwerke von solchen Meldungen betroffen sind, sie davon regelrecht strotzen. Alles angeblich. Es reicht, dass ein Depp – ich sag es mal so, denn es sind solche – irgendeine Halbwahrheit oder einen erfunden Sachverhalt postet. Wenn zwei oder drei andere das wiederum teilen, wird es wieder welche geben, die es auch teilen. So vermehrt sich das. Am Ende glauben die Leute, weil es 1.000 oder 2.000 andere irgendwo verlinken, dass das Gerücht wahr sein muss, weil so viele es schreiben. Nein, ist es eben nicht.“

An dieser Schilderung ist bereits zu spüren, dass der Polizeisprecher genervt bei diesem Thema reagiert, und das aus gutem Grund. Denn diese Gerüchte halten sich hartnäckig, neue kommen täglich hinzu. Und immer wieder muss die Polizei diese Gerüchte überprüfen, ob sie Tatsachen entspringen und dementsprechend Ermittlungen aufnehmen muss. Und meist steckt nichts weiter dahinter, als ein Gerücht. Mehrarbeit völlig umsonst.

Polizeisprecher Loepki: “Mit Sicherheit macht die Asylproblematik auch für die Polizei einen erheblichen Mehraufwand. Wir müssen Unterkünfte mehr bestreifen, weil irgendjemand meint, dort Straftaten begehen zu müssen. Wir haben dort auch Probleme aufgrund der engen räumlichen Unterbringung. Das heißt: Innerhalb dieser dort untergebrachten Gruppen brechen Konflikte auf. Es liegt in der Natur der Sache, dass dort die Polizei verstärkt zum Einsatz kommen muss. Und wenn dann noch Dritte hinzukommen, die Arbeit an den Haaren herbeiziehen und uns auf den Tisch legen, dann schwillt mir einfach der Kamm. Da bin ich auch nicht der Einzige. Das nervt.“

Wenn diese Gerüchte dann eine gewisse Dimension erreichen und Bürgeranfragen bei der Polizei landen, muss diese die Sachlage überprüfen. “Wir müssen das dann prüfen, bis wir sagen können: Alles erstunken und erlogen. Das bindet Arbeitskraft und Arbeitszeit. Das macht es für uns nicht leichter“, gibt Loepki zu bedenken. Wenn diese angeblichen Zeugen dann vorgeladen werden um ihre Aussage zu bestätigen, werde es ziemlich schnell ruhig.

Und noch ein Punkt kommt in diesem Zusammenhang hinzu, der der Polizei ebenfalls zu schaffen macht: der Vorwurf, sie würde nichts tun oder etwas vertuschen wollen. Auch das stimmt nicht. Die Polizei wird immer dann tätig, wenn ihr ein Sachverhalt bekannt wird und behandelt all diese Fälle gleich.

Auch wenn die Polizei dann offiziell dementiert, hat sie dann nicht weniger Arbeit:
“Wer allerdings nur glaubt, was er glauben will und den Behörden nicht traut, den wird auch das nicht überzeugen”, muss dann auch der MDR zugeben.

http://www.mdr.de/mdr-info/falschmeldungen-ueber-straftaten-um-asylbewerber100.html

http://www.mimikama.at/allgemein/das-problem-mit-den-flchtlingen-oder-wie-gerchte-auf-facebook-die-polizei-berlasten/

Es reicht doch schon, wenn die Polizei neben den alltäglichen Dingen, Demos und Fußball auch noch Flüchtlinge bewachen, registrieren und aufgreifen muss. Diese Aufgaben sind mit dem vorhandenen Personal kaum noch zu bewältigen und dann kommen diese Gerüchte auch noch hinzu, die ebenfalls abgearbeitet werden müssen.

Hier kann man nur sagen, was so manchem Kollegen im Rahmen einer Verkehrskontrolle allzu oft vorgeworfen wird: “Habt ihr nichts besseres zu tun?” Doch, haben wir!