Premiere!

6. Oktober 2015 at 14:48

Kleinstadtreviervon einer Kollegin aus Nordrhein-Westfalen
(kleinstadt-revier.de)

Die Mütze sitzt irgendwie komisch. Aber eins muss man sagen: sieht ja schon amtlich aus, erwachsen und cool. Nein. Nein nein: das muss ich revidieren: cool nicht. Auch die Hose – sowas trägt privat keiner freiwillig! Allein diese Farben – braun / grün. Wann auch immer das modern war, war ich noch nicht mal geplant. Naja, ist ja auch Uniform. Soll nicht modisch sein sondern erkennbar. Und mit der Lederjacke wird’s ja dann doch fast ein bisschen cool. Fühlt sich jedenfalls noch ein bisschen nach Verkleidung an.

Meine Gedanken schweifen kilometerweit umher, als ich an diesem Tag vorm Spiegel stehe. Sehe ich überhaupt aus wie eine Polizistin? Naja, mein altes Inneres und mein neues Äußeres müssen sich noch ein wenig aneinander gewöhnen. Aufgeregt und voller Vorfreude nehme ich die Stufen hoch aus der Umkleide zur Wache. Alles ist neu. Die Wache, die Stadt, die Kollegen. Hoffentlich sind sie nett. Und hoffentlich sehen sie mir nach, dass ich vieles noch lernen muss – Genauer gesagt: nahezu alles. Ich schiebe die Schulterklappen auf’s Hemd und schließe mein Waffenfach auf. Für den Bürger dürfte ich jetzt tatsächlich wie eine Polizistin aussehen. Wird dran liegen, dass ich ziemlich genau jetzt und hier anfange, eine zu werden… waaaahhhh… wie aufregend!

Exakt so hat sich das angefühlt, “damals”, als ich stolz wie Oskar zum allerersten Mal in Uniform auf die Straße durfte. Die Uniform war grün, die Streifenwagen auch. Die Waffen waren andere, der Funk war analog. Mein erster Tag im Streifendienst scheint eine kleine Ewigkeit her zu sein. Zum ersten Mal waren da echte Bürger mit echten Anliegen, echte Anzeigen, echte Waffen. Und mittendrin: Ich. Gerade 20 Jahre alt, wohlbehütetes (nein, nicht verzogenes…) Einzelkind. Grün hinter den Ohren und vor allem eins: neugierig. Im Fragealter sozusagen, und sicher manchmal eine mittelgroße Herausforderung für meinen Tutor, bzw. wohl eher für sein Nervenkostüm.

Ungefähr so wie mir damals dürfte es unseren Praktikanten in NRW heute gehen, denn nach reichlich Theorie und einigen Wochen Training sind sie in den Polizeiwachen angekommen und erleben ab heute hautnah, wie stirndruckfrei die Mütze wirklich ist und wie prima man mit dem ganzen Gepöngel am Gürtel beim Aussteigen aus dem Streifenwagen am Gurt hängen bleiben kann. Sie lernen, wie schnell man vom einen Ende der Stadt ans andere kommt, wenn es wirklich um was geht, wie endlos lang tote Nachtdienste sind, wie nass man bei einer Unfallaufnahme im Regen wird und wie muckelig warm es bei 30°C unter der Schutzweste ist. Sehr muckelig übrigens.

Ich hoffe, sie haben Gelegenheit, so ziemlich überall Nasen und Ohren reinzustecken, haben tolle Tutoren und kommen vor allem jeden Tag sicher nach Hause.

Viel Spaß, euch KAinnen und KAs. Passt bitte gut auf euch auf! 🙂

In dieser Geschichte werden sich sicher viele Kollegen/innen wiederfinden. Der erste Tag auf der Wache…oh man…

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