Bundespolizei: Dienst an der Grenze und am Limit

8. November 2015 at 13:27

Bundespolizei Grenze LimitSeitdem die Flüchtlingswelle rollt und die Grenzkontrollen wieder eingeführt wurden, sind viele Polizisten/innen der Bundespolizei in den Süden Deutschlands beordert worden. Sie verrichten dort ihren Dienst um Flüchtlinge aufzugreifen, abzutransportieren, zu registrieren und Schlepper zu fassen.

Fast täglich sind die News- und Presseportale voll von Meldungen, über die erfolgreiche Ergreifung von Schleppern, aufgegriffene Flüchtlinge, und Massen an Menschen, die nach Deutschland möchten.

Aber seltener wird darüber berichtet, wie es den Kolleginnen und Kollegen bei ihrem Dienst geht. Was sie erleben, wie lange ihre Dienste sind und wie anstrengend. Hin und wieder wird auch über die Menschen in der Uniform berichtet. Dies soll unser Thema sein:

Dass tägliche tausende Flüchtlinge Deutschland erreichen ist mittlerweile bekannt. Aber all diese Menschen müssen einem Asylverfahren zugeführt werden, dessen Regeln festgeschrieben sind. Um dieses Verfahren gewährleisten zu können, braucht es das notwendige Personal. Aber das fehlt; und das nicht erst seit Beginn der Grenzkontrollen.

Besonders deutlich wird das, wenn man sich die aktuellen Zahlen des Bundesinnenministeriums anschaut, die als Antwort auf eine Parlamentsanfrage bereitgestellt wurden.

Vom 13. September bis zum 16. Oktober, also in gut einem Monat, haben die Kollegen/innen der Bundespolizei “Mehrleistungen in Höhe von ca. 500.000 Stunden erbracht“. Hierbei dauert eine Schicht bis zu 13 Stunden und die Wochenarbeitszeit “bis zu 80 Stunden“.

Da muss selbst die grüne Innenexpertin Irene Mihalic, ehemals selbst Polizistin, zugestehen: “Die Personalsituation bei der Bundespolizei ist noch viel angespannter, als die Bundesregierung bisher zugegeben hat. Die Zahl der Überstunden, die aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation anfallen, zeigt, dass die Bundespolizei derzeit personell auf dem Zahnfleisch geht.

Was wir bereits vor Wochen in einem Bericht schon veröffentlicht haben, gesteht nun auch das Bundesinnenministerium ein: 34 der bundesweit 145 Bundespolizeireviere, besonders im Süden Deutschlands, können “nicht durchgehend besetzt werden“.

Mihalic: “Hier können sicherheitsrelevante Aufgaben nicht mehr hinreichend erfüllt werden – und das in einer Zeit, in der insbesondere aus der Hooligan- und Naziszene immer mehr schwere Straftaten verübt werden. Das bereitet mir große Sorgen.”

Diese Maloche der Kollegen/innen, anders kann man das nicht nennen, wirkt sich aber nicht nur auf das Dienstgeschehen und die innere Sicherheit aus. Keiner weiß, wie die Polizisten diese Überstunden jemals abfeiern sollen, vom Auszahlen ist da noch überhaupt keine Rede. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.

Und wie sich das wochenlange Fernbleiben von der Familie auf das Sozialleben auswirkt, und auch auf die Gesundheit, ist noch gar nicht abzusehen.

http://www.br.de/nachrichten/niederbayern/inhalt/ueberstunden-bundespolizei-100.html

Einen sehr menschlichen Einblick in den Dienst an Grenze und Flüchtlingen zeigt die folgende Reportage des ZDF. Das Team begleitete Bundespolizisten und zeigt, welche Gedanken und Sorgen sich die Kollegen machen.

Es sind nicht nur die teils langen und anstrengenden Dienste, die z.B. in den Registrierungsstraßen nahezu Fließbandarbeit darstellen. Es sind auch die Schicksale, mit denen die Polizisten konfrontiert sind.

Sie sollen einerseits für ein geregeltes Asylverfahren sorgen, andererseits aber auch den Menschen die Angst nehmen, die eine ganz andere staatliche Obrigkeit gewohnt sind. Bestimmt, aber freundlich treten die Polizisten dort auf und sind oft auch Sozialarbeiter.

Klar reden die Kollegen/innen über das Erlebte und die Gedanken. Sie reden miteinander, denn das ist einfacher. Jeder kann durch seine eigene Erfahrung die Gefühle der anderen nachvollziehen, man braucht auf keinen Datenschutz zu achten. Reden hilft. Manches kann auch mit dem Partner, so er denn in der Nähe wohnt, besprechen.

Aber vieles von dem, was die Polizisten/innen sehen, hören und erleben, nehmen sie mit nach Hause oder in die Unterkunft und müssen damit irgendwie alleine klar kommen. Bei all den Überstunden und teils fern der Heimat fehlt die Zeit und die Möglichkeit, das alles einfach mal sacken und die Seele baumeln zu lassen.

800 Polizisten fehlen an der Grenze, auch diese Zahl wird genannt. Sie fehlen, weil schon vor Jahren am Personal gespart wurde. Da helfen auch keine Mehreinstellungen weiter, wie sie z.B. Bayern und der Bund angekündigt haben, denn die angehenden Kollegen/innen sind erst in drei Jahren fertig, aber noch lange nicht bereit für das, was sie da an der Grenze erwartet.

Die folgende Reportage dauert 30 Minuten, die einen kleinen Einblick in den Dienstalltag, aber auch in das Seelenleben der Bundespolizisten gibt:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2472952/Polizei-an-der-Grenze#/beitrag/video/2472952/Polizei-an-der-Grenze