Bundespolizei geht mit “Speed dating” auf Bewerbersuche und senkt Einstellungsvoraussetzungen

10. November 2015 at 0:18

Bundespolizei SpeeddatingWie wir bereits berichteten, leidet die Bundespolizei unter akutem Personalmangel. Ein Umstand, der nicht neu ist, durch die Flüchtlingsarbeit aber zunehmend zu prekären Zuständen führt.

Bundesinnenministers Thomas de Maizière als oberster Dienstherr der Bundespolizei hat kürzlich 3.000 neue Stellen versprochen, von denen bereits nächstes Jahr 2.000 besetzt werden sollen. Das bringt zwar in der aktuellen Situation überhaupt nichts, da die Bewerber erst die dreijährige Ausbildung durchlaufen und auch bestehen müssen, aber immerhin ist es mal ein Anfang.

Allerdings hat die Bundespolizei ein Bewerberproblem. Auf eine Stelle gibt es drei Bewerber, sprich, auf die 2.000 neuen Stellen haben sich 6.000 Bewerber gemeldet. Und nicht jeder Bewerber kann genommen werden oder besteht überhaupt den Einstellungstest.

Deswegen geht die Bundespolizei nun in die Offensive und versucht mit einem sogenannten “Speed dating” mehr Menschen für den Polizeiberuf zu interessieren. Hierbei handelt es sich um eine einstündige Infoveranstaltung, bei der mit Powerpointpräsentationen potentiell Interessierte vorgeführt bekommen, was sie benötigen, um Bundespolizist/in werden zu können.

Bei einer Veranstaltung in Berlin, zu der 70 Interessierte erschienen waren, haben sich immerhin zwei beworben. Mit diesem “Speed dating” sind Kollegen der Nachwuchswerbung am vergangenen Wochenende durch 20 deutsche Städte getourt.

Aber das ist noch längst nicht alles. Auch die Einstellungsvoraussetzung wurden drastisch gesenkt.

Dass Bewerber oft Probleme mit den Deutschkenntnissen haben, darüber hatten wir bereits berichtet. Zur Einstellung in den mittleren Polizeivollzugsdienst darf ein Bewerber im Diktat nun sogar 24 Fehler machen, um noch gerade so den Test zu bestehen.

Und auch beim Gesundheitscheck wurde nach”gebessert”. Selbst mit einem BMI (Body-Mass-Index) von 35 kann man noch bei der Bundespolizei eingestellt werden. Für die WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist das schon “Adipositas Grad I”, oder anders ausgedrückt, dürfte ein Bewerber mit einer Körpergröße von 1,70 m dann 100 kg wiegen.

Apropos Körpergröße, die Mindestgröße wurde ebenfalls eingestampft. Polizeihauptmeister (PHM) Peer Petersen, einer der Polizisten, die beim “Speed dating” auf Bewerbersuche ging, erklärt dazu: “Das ist dem Umstand geschuldet, dass wir dringend Leute brauchen.”

Soweit möchte z.B. die Berliner Polizei nicht gehen, auch wenn dort dieselben Probleme bestehen. Dort wurde zwar die Bewerbungsfrist im vergangenen Jahr verlängert, weil in der ursprünglich veranschlagten Zeit nicht genügend Bewerber gefunden wurden. Aber weiter möchten man dort nicht gehen.

Bei allen verzweifelten Versuchen geeignete Bewerber zu finden, an einem Kriterium rüttelt die Bundespolizei nicht: am Tattoo-Verbot im sichtbaren Bereich. Als PHM Petersen diesen Fakt beim “Speed dating” in Berlin nannte, standen von den 70 Interessierten ganze zehn auf und verließen die Veranstaltung.

http://www.tagesspiegel.de/berlin/speed-dating-der-polizei-in-berlin-bundespolizei-senkt-anforderungen-an-bewerber/12554982.html

Was meint ihr zu “Speed dating” und Senkung der Einstellungsvoraussetzungen? Notwendig, um Bewerber zu finden oder völlig übertrieben?