Leserbrief von Karl

12. November 2015 at 22:25

Leserbrief Karl

Gerade bei den uniformierten Diensten gehört die Verwaltung des Mangels und die Improvisation zum täglichen Wahnsinn.

Wenn ich die drei Diskussionspunkte: Sparzwang bei der Polizei, Flüchlingswelle, Versagen der Politik und die Auswirkungen betrachte muss ich sagen – ganz schön schweres Thema.

Vor allem deshalb, weil ja alles was man zum Thema Flüchtlingswelle sagen kann sofort in irgend eine politische Ecke gerückt werden könnte. Ich fange von daher mit dem Sparzwang bei der Polizei an.

Es gibt eigentlich keinen Sparzwang bei der Polizei oder im öffentlichen Dienst, aber man kann damit beim Wählervolk punkten und das ist der Punkt. Es ist genug Geld im Bundeshaushalt, es wird nur falsch verteilt! Was jetzt kommt ist ausdrücklich NICHT an die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst, egal welcher Dienst auch immer, gerichtet, denn die können dafür nichts.

Heute “jammern” viele dass es zu wenig Stellen bei der Polizei, dem BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) sowie in diversen anderen Bundes- und Landesbehörden gibt. Das ist richtig, es gibt zu wenig Stellen, aber warum ist das so?

Über Jahre hinweg hat sich das “Wählervolk” beschwert und gejammert, dass es zu viele Beamte und zu viel öffentlicher Dienst gibt und was das alles kostet. Insbesondere die Zeitung mit den vier Buchstaben hat sich da oft stark hervorgetan. Jetzt hat das “Wählervolk” weniger Beamte und weniger öffentlichen Dienst und schon funktioniert es nicht mehr.

Wann begreift das “Wählervolk”, dass innere und äußere Sicherheit” wirtschaftlich nicht messbar ist, aber Geld kostet?!

Hört auf bei Wahlveranstaltungen den Politikern nach dem Mund zu reden und fordert ganz klar die personelle Aufstockung des öffentlichen Dienstes und damit auch der Bundes- und Landespolizeien!

Schreibt Briefe und EMails an eure Abgeordnete aus dem Landkreis, schildert eure Befürchtungen und äußert euer Unverständnis bzgl. der jetzigen Situation und der politischen Entscheidungen.

Stellt konkrete Fragen was der Politiker im Hinblick auf die aktuelle Situation im öffentlichen Dienst unternehmen und wie er sich engagieren will. Erklärt dem Politiker dass die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung für euch an erster Stelle steht, ihr diese gefährdet seht und es nicht sein kann und darf, dass aus finanziellen Gründen (schwarze Null, Schuldenbremse) der öffentliche Dienst kaputt gespart wird.

Der Politiker wird immer versuchen seine Arbeit so zu machen, dass der Wähler Gefallen daran findet und dann ein paar Jahre später wieder das Kreuz an der aus Sicht des Politikers richtigen Stelle macht. Macht dem Politiker klar dass ihr das Kreuz evtl. an einer anderen Stelle macht und er arbeitslos wird wenn…………er eure Sorgen, Ängste und Nöte nicht ernst nimmt.

Wenn irgend eine Zeitung schreibt wir haben zuviel öffentlichen Dienst und alle jubeln dann darf man sich nicht wundern wenn die Politik……..

Zum Schluss (aber nicht als letztes) zu den Damen und Herren in Uniform.

Auf dieser Seite ist schon öfter diese Frage gestellt worden und ich möchte sie trotzdem wiederholen. Wo ist eure Gewerkschaft? Seit gut 10 Jahren, also seit dem Regierungswechsel von Rot – Grün zu Schwarz – und was auch immer, hört und sieht man von der GdP nichts mehr.

Vielleicht sollte der ein oder die andere aber auch einmal über seine Einstellung zu seinem Beruf nachdenken. (Für alle die jetzt tief Luft holen, gelassen weiteratmen.)

Gerade bei den uniformierten Diensten gehört die Verwaltung des Mangels und die Improvisation zum täglichen Wahnsinn. Sei es das Auto, die Ausrüstung oder die viel zu dünne Personaldecke – jeder in der “Schlammzone” weiß, dass es eigentlich nicht geht aber irgendwie geht es dann doch und sofort stellt sich dann irgendeiner aus der Führungsebene hin und sagt: “Na seht ihr, es geht ja also, hab ich doch gleich gesagt und morgen machen wir noch zusätzlich…………….”

Vielleicht dieses Improvisieren und “mit aller Gewalt” möglich machen so steuern, dass auch der höhere Vorgesetzte mit ins Boot genommen wird und diesem bewußt wird, dass hier Menschen arbeiten und keine Maschinen.

Sich vielleicht auch einmal nicht mit 38 Grad Fieber zum Dienst schleppen, sondern zum Arzt gehen. Verantwortung ist unteilbar und dem Vorgesetzten klarmachen, dass er die Verantwortung trägt, führt zu persönlicher Betroffenheit des Vorgesetzten und zu der Bereitschaft nicht nur Einladungen anzunehmen und große Worte zu schwingen sondern sich auch einmal für das Wesentliche einzusetzen.

Funktioniert nicht immer – aber manchmal und nur wer es nicht versucht …………………

Diese persönliche Einstellung die viele von euch haben: “Wir wissen zwar, dass es eigentlich nicht geht, aber Chef wir schaffen es trotzdem, denn wir sind eine tolle Dienststelle” ist nicht immer gut und führt bei manchen Vorgesetzten zu einem völlig falschen Bild.

Dieser Leserbrief bezieht sich auf unseren Beitrag von Ende September.

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