Personaleinsparung wirkt sich aus: Keine Streife frei um Trickdiebe zu schnappen

21. November 2015 at 16:41

Personaleinsparung wirkt sich ausVergangenen Freitag ist es in Grafing (Bayern) zu einem Trickdiebstahl gekommen. Die Diebe wurden vom Personal des Juweliers erwischt, aber die Polizei hatte keine Streife frei um sich der Sache anzunehmen.

Es war die klassische Vorgehensweise: die beiden Täter betraten das Geschäft des Juweliers Michael Kiau und gingen arbeitsteilig vor. Einer lenkte das Personal ab, der andere ließ unbemerkt Schmuckstücke in der Tasche verschwinden.

Aber ganz so unbemerkt war es dann doch nicht. Das Personal bemerkte den Diebstahl und verständigte den Chef, der krankheitsbedingt zu Hause geblieben war. Dieser riet dazu die Polizei zu rufen. Doch bei der Polizeiinspektion Ebersberg hieß es, es sei keine Streife frei. Das Personal solle möglichst die Diebe selbst dingfest machen und festhalten, bis die Streife kommen kann.

Als Kiau davon erfuhr, begab er sich selbst zu seinem Geschäft. Bei seinem Eintreffen hatten die Diebe gerade die Räumlichkeiten verlassen und stiegen in ein Auto mit britischen Kennzeichen. Ein zufällig anwesender Bekannter Kiaus notierte sich das Nummernschild.

Kiau rief wieder bei der Polizei in Ebersberg an und dort bekam er die Auskunft, dass man mit ausländischen Kennzeichen nichts anfangen könne. “Da bin ich richtig sauer geworden”, so Kiau.

Pressesprecher Hans-Peter Kammerer vom Polizeipräsidium Ingolstadt erklärt gegenüber der SZ, dass in Ebersberg tatsächlich keine Streife frei gewesen sei. Die Einsatzkräfte seien bei einem angedrohten Suizid einer Jugendlichen gebunden gewesen und bis die gefunden war, habe es zwei Stunden gedauert.

Ein einziger längerer Einsatz und schon kann die Polizei nicht mehr handeln? Auch das erklärt der Pressesprecher, und zwar freimütig damit, “dass die Personalsituation insgesamt sehr angespannt ist”. Denn eigentlich sollten in Ebersberg 50 Polizisten im Einsatz sein, aktuell seien es aber ein Dutzend zu wenig. Kammerer: “Soll und Ist klaffen weit auseinander.”

Dass die Polizei bei ausländischen Kennzeichen nicht einfach eine Halterabfrage machen kann, bestätigt Pressesprecher Kammerer ebenfalls. Dennoch könnte das abgelesene Kennzeichen bei den späteren Ermittlungen hilfreich sein.

Juwelier Kiau ist ein Schaden von mehreren Tausend Euro entstanden. Zudem verfügte das Geschäft über eine Videoüberwachung, auf der die Täter zu erkennen sind.

Dennoch sieht er sich von der Polizei alleine gelassen. “Ich hab’ geglaubt, mir haut’s gleich den Schalter raus”, sagte er gegenüber der Ebersberger Zeitung. Er habe sich mit einem Anwalt beraten und behalte sich rechtliche Schritte gegen die Polizei vor; “wegen unterlassener Hilfeleistung.”

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/grafing-polizei-hat-keine-zeit-um-juwelier-diebe-zu-verhaften-1.2741224

http://www.merkur.de/lokales/ebersberg/grafing/polizei-grafing-landkreis-ebersberg-laesst-juwelier-stich-5871717.html

Falls der Juwelier wirklich rechtliche Schritte einleitet, dann hoffentlich gegen diejenigen, die für die Personalsituation verantwortlich sind. Dafür können die Kollegen in Ebersberg am wenigsten!