Buchrezension zu den Büchern von Cid Jonas Gutenrath – dem Polizisten in der Einsatzzentrale der Berliner Polizei

6. Dezember 2015 at 18:58

Gutenrath Buchrezensionvon Ingrid

Cid Jonas Gutenrath war bereits Thema auf unserer Seite. Der Berliner Polizist hat jahrelang in der Einsatzzentrale der Berliner Polizei gearbeitet und die Notrufe der Menschen entgegen genommen. In den beiden Büchern, die hier vorgestellt und besprochen werden, verarbeitet er einige Erlebnisse aus dieser Zeit.

Ich bin bekennender Bücherwurm – und ein sehr kritischer dazu. Manche Bücher versprechen viel und halten nichts, manche fesseln einen so, dass man auch noch gleich die Nächte dazu nimmt, wenn der Tag nicht ausreicht, um es zu verschlingen.

Und genau so ging es mir mit zwei Büchern von Cid Jonas Gutenrath, dem „Bullen“, der in der Berliner Einsatzzentrale die Notrufe entgegen nimmt. Für das erste Buch „110 – Ein Bulle hört zu“ habe ich einen Nachmittag und eine Nacht gebraucht, bei seinem zweiten „110 – Ein Bulle bleibt dran“ war es genauso.

Der „Bulle“ erzählt aus seinem Alltag aus der Notrufzentrale und man kann nicht anders als mitzubibbern, mitzufiebern, zu lachen und auch zu weinen. Cid Jonas Gutenrath schenkt jedem sein Ohr, der bei ihm über die 110 landet, was nicht jedem seiner Kollegen gefällt. Ich glaube, irgendwann hat er auch aufgehört, die vielen Disziplinarverfahren zu zählen, die ihm im Laufe der vielen Jahre beschert wurden.

Mit Herz und der berühmten Berliner Schnauze nimmt er kein Blatt vor den Mund, was sowohl seine Anrufer zu spüren bekommen als auch seine Kollegen und Vorgesetzten. Er lässt auch keine Geschichten aus, um den Leser zu schonen oder um ihm nur die „netten“ Seiten seines Jobs nahezubringen.

Nein, er lässt den Leser an seinem Alltag teilhaben. An den beleidigenden Anrufen, die nur ein Ziel haben: zu verletzten und ihn und seine Kollegen in den Dreck zu ziehen. An Fällen, in denen es um Minuten und Sekunden geht und die ein Kampf gegen die Zeit sind, den er manchmal gewinnt, aber auch manchmal verliert.

So ruft z.B. eine junge Frau die 110, weil sie sich die Pulsadern aufgeschnitten hat und nicht will, dass sie gefunden wird – was sie will: einmal im Leben hören, dass sie jemand lieb hat. Er sagt es ihr – und die Verbindung bricht ab. Oder ein kleines Mädchen, dass Angst hat, nach Hause zu gehen, weil es kein gutes Zeugnis hat.

Er beschreibt auch sehr eindrücklich, wie schwer das Privatleben mit seinem Job ist. Und wie sehr der Beruf einen als Menschen auch verändern kann.

Kurz und gut: Beide Bücher sollten Pflichtlektüre werden für alle, die meinen, sie müssten Stimmung gegen die Polizei machen oder einen wirklichen Eindruck von der Polizeiarbeit zu bekommen.

Mich persönlich hat es sehr nachdenklich gemacht, weil ich auch überrascht war, aus welchen Gründen Menschen den Notruf wählen. Um ihre Wut loszuwerden, ihre Angst oder weil sie wirklich schnell Hilfe brauchen und wenn es um Sekunden geht.

Ich habe auch vor dem Lesen der beiden Bücher schon absoluten Respekt vor dem gehabt, was die Polizei in unserem Land tagtäglich aushalten und leisten muss.

Aber auch bei mir hat sich noch einmal etwas verändert:

Mir war nicht bewusst, wie knallhart die Realität sein kann. Wie grausam, tragisch und manchmal auch lustig. Mir war nicht bewusst, wie achtsam ein Polizist mit dem sein muss, was er sagt und tut und wie groß die Gefahr ist, ständig von wem auch immer „angepisst“ zu werden und wie wenig Rückendeckung es in dem Job von den eigenen Kollegen oder Vorgesetzten gibt.

Buchtitel: 110: Ein Bulle hört zu
Autor: Cid Jonas Gutenrath
Verlag: Ullstein extra
Seiten: 400
Preis: 14,99 Euro (broschiert) / 8,99 (Ebook)
ISBN-10: 3864930014
ISBN-13: 978-3864930010

Buchtitel: 110: Ein Bulle bleibt dran
Autor: Cid Jonas Gutenrath
Verlag: Ullstein extra
Seiten: 304
Preis: 14,99 Euro (broschiert) / 8,99 (Ebook)
ISBN-10: 3864930073
ISBN-13: 978-3864930072

Kollege Gutenrath ist mittlerweile nicht mehr in der Einsatzzentrale, sondern als Diensthundeführer tätig und hat darüber ebenfalls ein Buch geschrieben, das dieses Jahr erschienen ist: “Teddy oder wie ich lernte, die Menschen zu verstehen: Aus dem Leben eines Polizeihundes”.

Hier unsere Buchverstellung dazu.