Gedanken einer Bürgerin und Angehörigen eines Polizisten

4. Dezember 2015 at 18:31

Leserbrief Mitarbeiter

„Die Mitarbeiter sind die Säulen des Betriebs, die jedes Erdbeben standhaft zu überstehen haben.“

Bekommen sie allerdings Risse und werden nicht gefestigt, können sie beim nächsten Beben zerbrechen.

Es ist klar, dass andere Berufe ebenfalls betroffen sind und auch das ist schlimm, jedoch geht es auf dieser Seite in erster Linie um die Polizei und dem Menschen hinter der Uniform.

Im Fall der Polizei ist das eine gravierende Entwicklung, die auf Dauer weitreichende Folgen für die Polizisten selbst, deren Familien und auch für die Sicherheit aller zur Folge haben kann.

In den letzten Jahren und Monaten haben sich enorme Veränderungen in den Aufgaben und Einsätzen ergeben, die nun durch wenige aufgefangen werden müssen.
Ob diese Veränderungen abzusehen waren oder auch nicht, lasse ich einmal dahingestellt, jedoch sind gerade personelle Einsparungen in der Sicherheit grundsätzlich fatal.

Was passiert nun?

Die Polizei steht vor einer Masse an Aufgaben, welche sie im Normalbetrieb nicht mehr bewältigen kann. Die Folge sind massive Überstunden für jeden Einzelnen und das nicht zeitlich begrenzt, sondern auf unbestimmte Zeit.
Und Chancen auf Erholung, wie Urlaub, freie Wochenenden mit der Familie oder Abbau der geleisteten Überstunden sind derzeit kaum bis gar nicht möglich.

Die Folge daraus werden u.a. gesundheitliche Probleme, Demotivation und Leistungsabfall sein – und das auf Kosten der Sicherheit aller?

Die Säulen mussten schon die ersten Beben überstehen – einige haben schon Risse bekommen, allerdings denkt keiner daran, diese zu festigen, damit sie beim nächsten Beben nicht einbrechen und somit evtl. das ganze Gebäude zum Einsturz bringen.

Was sollte in Zukunft passieren?

Die Fehler in der Vergangenheit sind geschehen und müssen nun von den wenigen Beamten aufgefangen werden.
Auch das Einstellen von neuen Kollegen bringt vorerst nichts, da diese einige Jahre benötigen, eh sie überhaupt für den Dienst tauglich sind.

Einzige Hoffnung für die Zukunft läge darin, nicht nur hier und da einige Stellen zu schaffen (was im Umkehrschluss durch die anstehenden Pensionswellen oft nur ein Auffüllen der Stellen bedeutet), sondern ein massives Aufstocken der Bundespolizei sowie der Landespolizei.

Es wird Jahre dauern und auch einiges an Geld kosten – jedoch auf lange Sicht der einzige und richtige Weg für die Sicherheit des Landes.

Die Einsatzlagen werden in Zukunft garantiert nicht weniger – im Gegenteil!

Lasst die Säulen nicht einknicken, sondern sorgt dafür, dass diese gefestigt und die Sicherheit des Landes auf lange Sicht gewährleistet wird – mit einer ausreichenden Anzahl an motivierten Polizisten, die diese Aufgaben gerne und vor allem gesund erfüllen können.

Und bis dahin sollte nicht nur die Politik aufwachen, sondern auch die Vorgesetzten, die eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Polizisten haben – manchmal ist auch ein “NEIN – wir können kein Personal stellen, da wir am Limit sind” möglich – denn nur so kommt die Not auch einmal ganz oben an. Mit einem “ok wir stemmen das schon irgendwie”, obwohl es im Grunde nicht geht, ist keinem auf Dauer geholfen.