Leserbrief einer Polizistin Alkoholkontrolle: Um das Erwischen geht es nicht

6. Dezember 2015 at 19:06

Leserbrief Alkoholkontrolle

An einem Samstag hatte ich mit meiner Dienstabteilung Nachtschicht und es fing als eine relativ ruhige Nacht an. Als mein Kollege und ich ganz normal auf Streife waren, fiel uns ein Fahrzeug auf, das die Verkehrsregeln in keiner Weise beachtete.

Kein Blinken, Schlangenlinien, Geschwindigkeitsschwankungen. Als der Fahrer bei der Kontrolle die Autotür öffnet, können wir den Alkohol schon riechen. Der Fahrer verweigert den freiwilligen Atemalkoholtest, sodass wir ihm erklärten, dass wir ihn zu einer Blutentnahme mit auf die Wache nehmen müssten.

Er stieg aus und nach einer kurzen Diskussion wurde er aggressiv und versuchte meinen Kollegen von sich wegzuschubsen und wieder in sein Auto zu steigen um weiterzufahren. Aufgrund des weiteren Schubsens nach einer Vorwarnung, legten wir ihm Handfesseln an und nahmen ihn mit zu unserem Streifenwagen.

Dort wollte er – wie erwartet – nicht einsteigen und versuchte uns mit seinen Schultern beiseite zu schubsen und fing an zu treten – also mussten wir ihn zu Boden bringen. Mit der Hilfe weiterer Kollegen, die zur Unterstützung gekommen waren, konnten wir ihn in unseren Wagen setzen und zur Dienststelle bringen. Als wir ihn nach der Blutentnahme aus den Maßnahmen entlassen konnten, fingen wir an unseren Bericht zu schreiben…

Eine „normale“ Verkehrskontrolle war in einem Widerstand gegen Polizeibeamte geendet.

Während wir unseren Bericht schrieben, kamen innerhalb von einer Stunde zwei weitere Personen, die wegen einer Trunkenheitsfahrt pusten mussten… Eine der Personen erwähnte, auf seinen Führerschein angewiesen zu sein, da sie Berufskraftfahrer sei und die andere hörte mit dem Weinen nicht mehr auf.

Am nächsten Tag kam der, der den Widerstand geleistet hatte, noch einmal auf die Wache und entschuldigte sich – ihm sei das im Nachhinein alles peinlich.

Da stellt sich mir die Frage: WARUM ?!

Dass man den Führerschein abgeben muss, wenn man betrunken Auto fährt ist, bekannt.
Warum also setzt man sich hinter das Steuer, wenn man ihn braucht?

Warum riskiert man seinen Beruf, nur weil man keine Lust auf ein Taxi oder Spaziergang hat?

Warum fährt eine Familienmutter betrunken Auto, wenn sie weiß, dass das gefährlich ist und ihre Liebenden zu Hause auf sie warten? Und diese sie HEILE wieder sehen möchten?

Warum gefährdet man sich und andere, nur weil man nicht auf Alkohol verzichten möchte?

„Ich werde schon nicht erwischt.“ – Das ist wohl der Grundsatz vieler Leute, die betrunken fahren.

Aber um das Erwischen geht es nicht!

Wir von der Polizei möchten Sie und andere vor sich selbst schützen. Alkohol am Steuer ist kein Spaß, sondern ein ernst zu nehmendes Thema, was leider viel zu selten behandelt wird.

Mehr als Kopfschütteln ist da nicht drin. Ich – und ich bin mir sicher ich spreche für viele meiner Kollegen und Angehörigen von Verletzten und Toten von Verkehrsunfällen, die aufgrund von Alkohol passiert sind – habe keinerlei Verständnis für solch eine Dummheit. Und ich habe kein Mitleid, wenn solche Personen ihren Führerschein verlieren.

Denkt nächstes Mal bitte zweimal darüber nach, ob ihr euch betrunken hinter das Steuer setzt. Ihr habt sicherlich keine Lust, auf dem Boden zu liegen, nur weil ihr in eurem Rausch nicht merkt, was ihr redet und tut.

Die Autorin ist uns bekannt, möchte aber anonym bleiben.