Aktuelle Diskussion: Pfefferspray oder CS-Gas, Taser oder Elektroschocker?

16. Januar 2016 at 22:27

Aktuelle DiskussionWir haben in den vergangenen Tagen öfter die Frage gestellt bekommen, wie man sich (als Frau und auch als Mann) in einer Menschenmenge wehren kann. Gleichzeitig wird die Frage gestellt, ob man zu CS-Gas oder Pfefferspray greifen sollte und auch darf, oder Taser erlaubt sind.

Wir können, dürfen und wollen euch NICHT zu dem ein oder anderen raten.

Die private Selbstbewaffnung wird von uns Polizisten mit Sorge betrachtet, nicht nur wegen des Pfeffersprays, auch wegen immer mehr Anfragen zu kleinen Waffenscheinen und Schreckschusspistolen in privatem Besitz.

Deswegen ist dieser Beitrag eine Information und KEINE Aufforderung zum Kauf!

Wir möchten an dieser Stelle auf die aktuelle Gesetzeslage, die Folgen und die Gefahren hinweisen. Inhaltlich geben wir hierbei das Waffengesetz, das Versammlungsgesetz und die Broschüre des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg wider (Links siehe unten).

VERSAMMLUNGEN

Das Mitführen jeglicher Waffen, und dazu zählen auch die folgend genannten Geräte, ist grundsätzlich VERBOTEN! Dies ergibt sich sowohl aus dem Versammlungsgesetz, als auch aus dem Grundgesetz, in dem es in Artikel 8 heißt: “Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.”
Wer dennoch Waffen mitführt und über keine Genehmigung verfügt, macht sich strafbar.

TASER (Elektroimpulsgeräte)

Taser oder auch Elektroimpulsgeräte als Distanzwaffe, sind pistolenähnliche Geräte, bei denen vorne eine Kartusche mit den Kontakten angebracht ist, die pfeilschnell herausschießen und sich im gegenüber festhaken. Sie sind in Deutschland VERBOTEN. Sie unterliegen dem Waffengesetz und Erwerb, Besitz und das Führen stellen einen Verstoß gegen das Waffengesetz dar. Die Geräte dürfen, wenn Polizisten sie bei euch finden, eingezogen werden.

ELEKTROSCHOCKER

Elektroschocker unterscheiden sich von den Tasern dadurch, dass vorne keine Kontakte herausschießen, sondern ein direkter Kontakt zwischen dem Gerät und der Person, gegen die es eingesetzt wird, hergestellt werden muss. Es ist also keine Distanzwaffe.

Es sind nur die Elektroschocker erlaubt, die über das Prüfzeichen der PTB (Physikalisch-Technische Bundesanstalt) im Trapez verfügen, womit die gesundheitliche Unbedenklichkeit bestätigt wird. Alle Geräte ohne dieses Zeichen sind nicht erlaubt und stellen einen Verstoß gegen das Waffengesetz dar.

Zugelassene Elektroschocker dürfen von Personen ab 18 Jahren erworben, besessen und geführt werden.

CS-GAS und PFEFFERSPRAY

CS-Gas Spray wurde früher auch bei der Polizei eingesetzt. Da das CS-Gas aber schwere gesundheitliche Beeinträchtigung zur Folge haben kann, so z.B. schwere Augen- oder Lungenschäden, wurde es durch das wesentlich weniger gefährliche Pfefferspray ersetzt.

Pfefferspray ist vom Einsatz her ungefährlicher als CS-Gas, da die gesundheitlichen Folgen wesentlich geringer sind (sofern es sich um zugelassene Sprays und damit um eine ungefährliche Konzentration des Wirkstoffes handelt) und man allein durch reichhaltiges Spülen mit reinem Wasser die Beeinträchtigungen wieder beseitigen kann.

Pfefferspray und CS-Gas Spray sind laut Waffengesetz erlaubt, wenn es über ein Prüfzeichen der PTB im Trapez verfügt. Erwerb, Besitz und Führen sind bereits ab 14 Jahren erlaubt. Ohne Prüfzeichen sind diese Geräte verboten.

TIERABWEHRSPRAY

Bei Tierabwehrspray handelt es sich üblicherweise um Pfefferspray, welches jedoch zur Abwehr von Tieren geeignet und bestimmt ist. Ein entsprechender Aufdruck weist auf dem Tierabwehrspray explizit darauf hin und warnt vor dem Einsatz gegen Menschen.

Tierabwehrspray darf ohne Altersbeschränkung erworben, besessen und geführt werden.

FOLGEN

Bei allem, was bisher geschrieben wurde, ist folgendes DRINGEND zu beachten:

Der Einsatz von den vorgenannten Waffen gegen Menschen, egal ob erlaubt oder nicht, stellt grundsätzlich einen Straftatbestand dar. Man macht sich also grundsätzlich der Körperverletzung oder gefährlichen Körperverletzung STRAFBAR.

Ausnahme: Erfolgt der Einsatz der Geräte aus Gründen der NOTWEHR (oder Nothilfe beim Schutz Dritter), KANN dies straffrei bleiben. Dies ist jedoch immer eine Einzelfallentscheidung und kann nicht generell betrachtet werden.

GEFAHREN

Auch wenn diese Waffen dem ein oder anderen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln (sollen), sind hiermit Gefahren verbunden. Diese Waffen müssen richtig angewendet werden, ansonsten können Unbeteiligte zu Schaden kommen, oder man verletzt sich sogar selbst. Auch kann durch das Halten einer solchen Waffe eine Situation überhaupt erst eskalieren, da sie auf das Gegenüber bedrohlich wirken kann.

Also überlegt euch gut, ob ihr euch erlaubte Waffen zulegt und diese im Fall der Fälle auch einsetzen möchtet. Ihr könntet euch dadurch strafbar machen oder einer zusätzlichen Gefahr aussetzen. Ein Selbstverteidigungskurs wäre da ratsamer.

Wir hoffen, mit dieser Informationen einige Fragen beantwortet zu haben. In Gefahrensituationen oder Notfällen bitte immer den NOTRUF wählen!

http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/pfefferspray-reizgas-und-elektroschocker-polizei-sieht-abwehrsprays-kritisch/-/id=1622/did=16774578/nid=1622/1a6uvj4/