Demonstration in Mainz – Polizisten als “Hassableiter”

22. Januar 2016 at 1:47
Polizisten als Hassableiter

Bild: Sascha Kopp via allgemeine-zeitung.de

“Im Blick des Demonstranten mischt sich Eifer mit Zorn. „Ist doch völlig egal, dass die Polizisten hier in Regen und Kälte stehen müssen“, sagt er. Gestik und Tonfall sagen noch etwas Anderes: Wie kann jemand so dumm sein, die Sache aus Sicht der Polizisten zu sehen?

Sabina J. kennt das: Sie und ihre Kollegen werden regelmäßig abschätzig angeschaut, beschimpft und angegriffen. Das gesellschaftliche Ansehen von Polizisten schwindet, die Gewalt gegen sie nimmt zu. Der Staat tut wenig dagegen.”

So beginnt ein Bericht in der Allgemeinen Zeitung. In diesem Artikel berichtet Journalist Jonas Hermann, wie eine Polizistin aus ihrer Sicht diese Demo in Mainz (Rheinland-Pfalz) erlebt hat.

Die Beamtin ist Sabina J., 25 Jahre alt, eingesetzt als Bereitschaftspolizistin, die hochgerüstet in Schutzausstattung eine AfD-Veranstaltung zum Wahlkampfauftakt vor den Demonstranten schützen muss. “Innerlich bin ich schon etwas angespannt”, gesteht sie. Mit ruhigem Blick schaut sie in die verregnete Nacht.

Das Anliegen der Demonstranten interessiert sie nicht. Sie steht keiner Seite nahe, in der Zeitung interessiert sie sich eher für den Sportteil, als für die Politik. Und so steht sie als Teil einer menschlichen Schutzmauer dort. Die Stunden vergehen und so lange nichts passiert, machen Sabina und ihre Kollegen nichts anders. Dort stehen und aufpassen.

Die Stimmung unter den Demonstranten ist mittlerweile aufgeheizt. Ein großes Transparent, welches sie aufgespannt haben, soll weg. Per Lautsprecher wird die Menge aufgefordert das Transparent zu entfernen. “Wir sehen nicht, was dahinter passiert”, erklärt Sabina den Grund für die Aufforderung. Aber nichts passiert.

Nach einem kurzen Handgemenge, bei dem die Polizisten einschreiten mussten, baut sich vor einem Kollegen von Sabina ein Demonstrant auf und ruft: “Warum stehen Sie hier? Antworten Sie mir, antworten Sie bitte! Sie können nur mit dem Schlagstock antworten! Ich hab’ Abitur, und du stehst hier!”

Natürlich bekommt der Demonstrant keine Antwort, würde dies doch nur in einer ermüdenden Diskussion enden, bei der die Argumente des Polizisten nicht zählen würden. Aber darauf wurden die Beamten in ihrer Ausbildung vorbereitet. Deswegen geht der Blick des Polizisten etwas angestrengt an dem Demonstranten vorbei.

Das Transparent? Ist immer noch da. Einsatzleiter Achim Zahn möchte die Lage nicht eskalieren lassen wegen eines Transparentes: “Das wäre es nicht wert.”

Journalist Hermann kommentiert dies wie folgt:

“Die Szene steht für das Dilemma der deutschen Polizei. Hält sie sich zurück, heißt es: Die Polizei hat nur zugeschaut. Ist sie offensiv, dauert es nur Sekunden, bis von Polizeigewalt gesprochen wird.”

Und so schließt der Bericht wie folgt:

“Obwohl es oft bestritten wird, nimmt die Gewalt gegen Polizisten messbar zu, der Respekt vor ihrer Arbeit schwindet. Es ist schon etwas länger her, da hat jemand Sabina den Mittelfinger gezeigt. Der Mann wurde identifiziert und angezeigt. Er kam ohne Strafe davon. Polizisten erleben so etwas ständig, viele sind deshalb frustriert. Ihr Vorwurf: Mühsam ermittelte Täter werden von der Justiz verschont oder milde behandelt, Attacken auf Polizisten zu lasch geahndet.

Polizisten schützen den Staat. Aber schützt der Staat auch die Polizisten?”

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/die-hassableiter-was-eine-junge-polizistin-auf-einer-demonstration-in-mainz-erlebt_16567704.htm

Danke an Björn für den Link.