Ich, der Polizist – Das notwendige Übel

6. Januar 2016 at 0:53

Ich, der PolizistAus aktuellem Anlass teilen wir einen älteren Beitrag von uns aus dem Jahr 2014:

Ich, der Polizist – Das notwendige Übel

Lieber Herr Steuerzahler, Sie kennen mich, Sie lassen schließlich kaum eine Gelegenheit aus, mir zu erklären, dass mein Gehalt von Ihren Steuern bezahlt wird und meine Familie und ich damit unmittelbar von Ihrer Gnade abhängen!

Ich passe sauber in die Schublade, in die Sie mich gerne stecken. Ich bin immer gleich und immer typisch. Unglücklicherweise kann ich das von Ihnen nicht behaupten – ich weiß nie, wer Sie sind.

Von Geburt lehren Sie Ihre Kinder, dass ich der Buhmann bin und sind dann schockiert, wenn ich mit meinem traditionellen Feind, dem Kriminellen, verglichen werde. Sie unterstellen mir, dass ich Jugendliche viel zu sanft anfasse, bis ich einmal Ihr Kind auflese.

Sie regen sich auf, wenn Ihnen im Verkehr jemand den Weg abschneidet, fühlen sich aber ungerecht behandelt, wenn ich Sie bei demselben Verstoß ertappe. sie kennen alle Verkehrsregeln, häufig besser als ich, Strafzettel gegen Sie sind aber grundsätzlich unberechtigt und reine Willkür.

Sie beklagen sich, wenn ich mit hoher Geschwindigkeit zu einem Tatort fahre, beschweren sich aber, wenn es mehr als zehn Sekunden dauert, an Ihren Tatort zu kommen. Sie sehen es als Teil meiner Arbeit, dass ich geschlagen werde; muss ich hingegen Gewalt anwenden, nennen Sie es Polizeibrutalität.

Ich gönne Ihnen Ihre Mittagspause und die anderen Pausen, die sie fest zu Ihrem Arbeitstag zählen – Sie aber bezichtigen mich der Faulheit, wenn ich mich während eines 12-Stunden-Dienstes mal hinsetze. Sie sind stolz auf Ihre Manieren, denken sich aber nichts dabei, meine Mahlzeit mit Ihren Problemen zu unterbrechen.

Ihnen würde niemals in den Sinn kommen, Ihrem Zahnarzt zu erklären, wie man einen Zahn zieht oder ihrem Mechaniker zu sagen, wie er den Motor Ihres Autos ausbauen muss. Sie sind aber gerne bereit, mir meinen Beruf zu erklären und mir ein paar rechtliche Tipps zu geben. Sie reden mit mir in einer Weise, die Ihnen in jeder anderen Lage eine blutige Nase einbringen würde, erwarten aber, dass ich dies ohne Reaktion hinnehme. Sie schreien “Es muss etwas gegen die Kriminalität unternommen werden!”, wollen aber selbst nicht einschreiten oder belästigt werden.

Sie haben keine gute Meinung von mir, finden es aber vollkommen in Ordnung, wenn ich Ihrer Frau helfe, einen Reifen zu wechseln oder ihr auf dem Weg ins Krankenhaus bei der Entbindung helfe, wenn ich Ihrem Sohn mit Mund-zu-Mund-Beatmung das Leben rette oder wenn ich Überstunden mache, um nach Ihrer entlaufenen Tochter zu suchen.

Sie mögen mich nicht, rufen seltsamerweise nach noch mehr Polizisten.

Lieber Herr Steuerzahler, stehen Sie auch weiterhin auf Ihrem hohen Podest und beschweren Sie sich über die Art, wie ich meine Arbeit mache, geben Sie mir weiterhin Schimpfnamen und schütteln Sie den Kopf, wenn ich für meine Arbeit auch noch bezahlt werden möchte. Vergessen Sie aber nie, dass Ihr Eigentum, Ihre Gesundheit und vielleicht auch Ihr Leben einmal von mir oder einem meiner Kollegen abhängen könnte.

Polizisten sind auch Menschen mit Familie und Kindern, die ihren Vater, ihre Mutter, ihren Sohn, ihre Tochter, ihren Ehemann, ihre Ehefrau nach einer Schicht gerne wieder in ihre Arme nehmen wollen.

Gehen Sie in sich und denken Sie einmal darüber nach, bevor Sie wieder auf einen Polizisten treffen.

Ich, der Polizist – das notwendige Übel