Leserbrief eines Polizisten: Zum Unfall gerufen werden und erkennen, da sitzt dein Schatz drin

18. Januar 2016 at 21:40

Leserbrief Polizist

Es ist unfassbar schwer für Polizisten, Feuerwehr und Rettungskräfte zu einem Einsatz gerufen zu werden und dann zu sehen es betrifft einen der Liebsten. In diesem Moment denkt man nichts mehr, man will nur noch dorthin, aber der Job hat Vorrang.

Man muss die Unfallstelle absichern, den Verkehr regeln und dafür sorgen, dass die anderen Kräfte ihren Job in Ruhe machen können. Aber ich hatte Gott sei Dank Kollegen, die mir sagten: “Bleib bei ihr, wir machen das.”

Danke auch nochmal an meinen Chef, der mich sofort freigestellt hatte, dass ich mit ins Krankenhaus fahren konnte. Aber eigentlich konnte ich nur zuschauen wie die Feuerwehr meine eingeklemmte Frau aus dem Wagen holt.

Schon öfter hab ich gesehen wie die Feuerwehr mit schwerem Gerät Eingeklemmte bergen musste. Aber noch nie hatte ich so ein beklemmendes Gefühl dabei wie an diesem Tag. Klar gibt es Unfälle oder andere Einsätze die man nicht vergisst und die einem lange in Erinnerung bleiben.

Aber ich hatte nie Tränen in den Augen, das war das erste mal seit langer Zeit, dass ich die Tränen nicht zurückhalten konnte und auch nicht wollte.

Ohne die so schnell dagewesenen Rettungskräfte der Feuerwehr und des Roten Kreuzes wäre meine Frau nicht mehr am Leben. Das wird mir von Minute zu Minute mehr bewußt und lässt mich fast ersticken.

Aber jetzt bin ich gerade einfach nur glücklich, dass es meiner Frau besser geht, aber ich weiß auch, dass es ein langer Weg wird, bis sie wieder gesund wird, dafür waren oder vielmehr sind die Verletzungen zu schwer.

Ich möchte mich ganz herzlich bei den eingesetzten Kräften bedanken, dass ihr tagtäglich für uns da seit und immer alles Menschen mögliche tut um zu helfen. Natürlich werde ich mich noch persönlich bei den entsprechenden Einsatzkräften bedanken gehen, denn sie haben hervorragende Arbeit geleistet.

In letzter Zeit hab ich mehr funktioniert und nicht mehr wirklich gelebt. Durch dieses Ereignis ist mir wieder vieles klar geworden.

Dass wir jeden Tag mit unseren Liebsten, sei es der Partner, Eltern, Geschwister, im allgemeinen Familie und ganz wichtig Freunde genießen sollten, denn es könnte der letzte Tag sein den man mit ihm verbringt.

Es sollte keine Zeit für Streit usw geben. Klar weiß ich auch, dass es immer wieder dazu kommen wird, aber wichtig ist, dass man nie im Streit auseinander geht.

Die letzten Worte die man hören oder sagen sollte, sollten schöne Worte sein, gerade von Menschen die wir lieben.

Wir alle sollten wieder mehr lernen andere so zu respektieren wie sie sind, mit all ihren Fehlern, Schwächen und Vorzügen.

Jeder Mensch ist auf seine Weise etwas ganz Besonderes.
Gerade in diesen Zeiten sollten wir vielmehr zusammenhalten!

Der Autor ist uns namentlich bekannt und möchte aus nachvollziehbaren Gründen anonym bleiben.

Wir wünschen der Frau des Kollegen alles erdenklich Gute auf dem Weg der Genesung und hoffen mit den beiden auf eine vollständige Wiederherstellung.

Euch beiden die notwendige Kraft und umfängliche Unterstützung auf dem Weg dort hin!