Tiefer, breiter, lauter, schneller -> cooler??

19. Januar 2016 at 18:44

TuningSchon seit vielen Jahren ist es so, wenn man den Führerschein neu hat: Man möchte cool sein, vielleicht Frauen imponieren, vielleicht auch die Kumpels – weil man meint besser oder schneller fahren zu können. Wenn man sich aber die Straßen und die Berichte in den Medien ansieht, stellt man fest, dass es immer wieder zu schweren Unfällen kommt, bei denen vor allem junge Männer beteiligt sind.

Oftmals sind die Autos „getunt“, also individualisiert. Nicht immer, aber oft.

Um ein paar der Fragen und Mythen zu beantworten die immer auf der Straße „herumgeistern“, geht es hier. Aber nicht nur um die Aufklärung. Sondern auch um einen Appell, einfach mal ein bisschen „auf die Bremse zu treten“ – im wahrsten Sinne des Wortes.

Und um die Bitte, mal ein bisschen nachzudenken, bevor „hirnlos“ und ohne Sicherheit getunt wird.

Man kann sein Auto durchaus individuell gestalten – und das auch sicher.

Wenn einen das nicht interessiert, KANN es zu fatalen Folgen kommen, bei denen als geringster Verlust das Auto anzusehen ist. Leider ist auch die Verletzung oder gar Tötung von Menschen immer wieder als Folge von abenteuerlichen „Schrauberkünsten“ zu sehen.

👉 Frage: Was kann mir passieren wenn ich mein Auto „nicht konform“ getunt habe?

Antwort: Es gibt mehrere Möglichkeiten. Angefangen bei einer Mängelkarte, für geringe Mängel, deren Behebung nicht unmittelbar sicherheitsrelevant ist und deshalb nicht
sofort erfolgen muss.
(Es gibt übrigens keinen Anspruch darauf, NUR eine Mängelkarte zu erhalten!)

Ein Datenermittlungsbeleg („Ticket“) ist eine der üblichen Folgen eines Verstoßes gegen technische Vorschriften. Das fängt bei „unsachgemäßem“ Tuning bei € 50.- an und hört bei € 135.- und einem Punkt auf. (Wobei die Verfolgungsbehörde mit dem
Unterstellen von Vorsatz das Bußgeld auch verdoppeln kann!)

„Normale“ technische Mängel, die durch Verschleiß, etc. entstehen, kosten in der Regel nicht mehr als € 25.-.
Übrigens: Der Halter (wenn Mutter oder Vater Halter sind) ist mit im Boot, denn „Der Halter ist verantwortlich für den Betrieb des Fahrzeuges“:
Ganz sicher werden die Eltern begeistert sein, eventuell einen Punkt in Flensburg zu kassieren.

Wenn man Pech hat und es erforderlich ist, bleibt das Auto stehen und die Fahrt ist beendet. Das kann aus mehreren Gründen der Fall sein:

– Ein erheblicher technischer Mangel (Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit) liegt vor und kann nicht an Ort und Stelle behoben werden.

– Das Auto muss zur Verhinderung der Weiterfahrt oder zur Beweissicherung sichergestellt werden. (Hierbei kommen dann noch die Kosten für das Abschleppen und/oder die Kosten für die Begutachtung zum „Ticket“ hinzu.

So eine Kontrolle kann mit den Folgen schnell mal mehrere Hundert Euro kosten, die Kosten für die konforme „Rückrüstung“ des Fahrzeuges, die evtl. notwendige Wiederzulassung, die Fahrt(en) mit dem Taxi nach Hause oder auch mit einem notwendigen Leihwagen für mehrere Tage sind dabei noch nicht eingerechnet!

Das teuerste dürfte aber der „Gesichtsverlust“ sein, denn (zumeist) am späten Abend auf der Fahrt in die Disco plötzlich seinen fahrbaren Untersatz zu verlieren, ist sowas von „uncool“!

👉 Frage: Zahlt meine Versicherung, wenn ich einen Unfall habe?

Antwort: Die Versicherung KANN die Zahlung bis zu einem gewissen Betrag verweigern. Das heißt: Wenn die Ursache mit dem Unfall in Zusammenhang steht und kausal ist, liegt ggf. eine „Verletzung der Obliegenheitspflicht“ vor und dann kann die Versicherung die Leistung verweigern oder einschränken.

Wenn kein kausaler Zusammenhang zwischen dem „unkonformen“ Bauteil und dem Unfall besteht, wird die Versicherung in aller Regel in Leistung treten.
Üblicherweise leistet die Versicherung und nimmt den Versicherungsnehmer dann in Regress.

👉 Frage: Was darf ich und was nicht?

Antwort: Für detailliertere Fragen zur Technik und erlaubten oder auch nicht erlaubten technischen Veränderungen steht Euch gerne jede Prüforganisation mit ihren Mitarbeitern Rede und Antwort.
Zudem gibt es noch die Kampagne „Tune it! Safe“ (http://www.tune-it-safe.de), die mit den Prüforganisationen und dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur zusammenarbeitet.

Wir empfehlen Euch, Euch NICHT auf alle möglichen Ratschläge aus den hunderten Tuning-Foren zu verlassen, denn da ist viel „gefährliches Halbwissen“ am Start. Und im Falle des Falles rettet Euch weder Eure Unwissenheit noch derjenige, der Euch falsche Informationen gegeben hat.