Urteil zur getöteten Polizistin in Luxemburg

30. Januar 2016 at 19:21
Urteil Luxemburg

Bildmaterial: Pierre Matgé via wort.lu

Haftstrafe, Fahrverbot und Schadensersatz

Am 5. Juni 2015 berichteten wir über eine Verkehrskontrolle in Luxemburg, bei der die 39jährige Polizistin Yasmine G. von einem betrunkenen Autofahrer umgefahren wurde. Sie verstarb später im Krankenhaus und hinterließ ihren Lebensgefährten und zwei kleine Kinder.

Hierzu fand nun vor der 13. Strafkammer die Verhandlung statt, bei der vergangene Woche das Urteil gesprochen wurde.

Wie das Gericht feststellte, war Pascal T., der 36jährige Unfallfahrer, Wiederholungstäter und stand wegen einer vorangegangenen Tat unter Bewährung.

Der Angeklagte sagte zur Tat nur so viel: “Et huet geknuppt, an direkt dono weess ech näischt méi” (Übersetzung: “Es hat geknallt, und direkt danach weiß ich nichts mehr”). Er habe sich jedoch nicht betrunken gefühlt. Beim Untersuchungsrichter hatte Pascal T. noch ausgesagt, dass er den Polizisten, der ihn anhalten wollte, nicht gesehen habe, beim Gutachter behauptete er das Gegenteil. Auch hierfür hatte der Angeklagte keine Erklärung.

Im Rahmen der Verhandlung kam auch der Vertreter der Unfallversicherung, Me François Schiltz, als Nebenkläger zu Wort. Er hielt die getötete Polizistin für zivilrechtlich mitverantwortlich, da sie bei der Kontrolle eines anderen Autofahrers zum Unfallzeitpunkt auf der Straße und nicht auf dem Gehweg stand.

Dagegen wehrte sich der Anwalt der Hinterbliebenen, Me Pol Urbany, vehement. “Polizisten seien ausgerüstet und berechtigt, sich auf der Straße zu bewegen, um ihre Pflicht zu tun, deshalb sei eine Aufteilung der zivilen Verantwortung, wie sie Me François Schiltz forderte, eine Zumutung, der er sich widersetze”, so heißt es.

Der Ankläger Guy Breistroff beantragte angesichts der vorliegenden und unwidersprochenen Fakten eine vierjährige Haftstrafe und hohen Schadensersatz und betonte dabei, dass es nicht darum gehe ein Exempel zu statuieren, aber der Angeklagte habe großes Leid über die Familie gebracht.

Das Urteil:

Der Unfallfahrer, der seit der Tat in Untersuchungshaft saß, wurde zu vier Jahren Haft, davon 24 Monate zur Bewährung ausgesetzt, verurteilt. Zudem erhielt er eine 90-monatiges Fahrverbot.

Hinzu kommen eine Geldstrafe in Höhe von 2.000 Euro und ein Schadensersatz in der Gesamthöhe von 500.000 Euro, wobei den beiden Kindern jeweils 50.000 Euro zugesprochen wurden.

Der vorsitzende Richter stellte im Hinblick auf den Unfallfahrer und sein Vorstrafenregister fest: “Dir hutt näischt doraus geléiert!” (Übersetzung: “Sie haben nichts daraus gelernt!”).

http://www.tageblatt.lu/nachrichten/story/22543261

http://www.wort.lu/de/lokales/urteil-im-prozess-um-getoetete-polizistin-vier-jahre-haft-90-monate-fahrverbot-569f607f0da165c55dc518ba#

Ob dieses Urteil als gerecht empfunden werden kann, sei dahin gestellt. Kein Urteil der Welt könnte einen geliebten Menschen und zudem die Mutter zweier kleiner Kinder ersetzen. Aber dieses Urteil kann die Folgen etwas lindern und der Familie helfen, nicht auch noch durch Geldnot vom Schicksal doppelt bestraft zu werden.

Wir wünschen der Familie von Kollegin Yasmine G. alles Gute für die Zukunft. Yasmine wird unvergessen bleiben und immer ein Teil der Polizeifamilie sein!