Leserbrief: Tränen laufen über mein Gesicht…

28. Februar 2016 at 20:20

Tränen laufen über mein GesichtProfessionelle Distanz lässt uns viele Vorfälle, die wir Polizisten im Dienst erleben (müssen), besser verarbeiten und schützt uns davor, unseren Job irgendwann nicht mehr ausüben zu können.

Doch manche Dingen gehen uns nicht mehr aus dem Kopf. Wir nehmen sie nicht nur nach Dienstschluss mit nach Hause, sie begleiten uns eine Weile, manchmal ein Leben lang.

Das ist nur allzu menschlich und zeigt, dass unter der Uniform ein Herz schlägt, dem die emotionale Situation in manchen Fällen nahe geht. Wie auch in diesem Leserbrief, den wir von einem Kollegen erhalten haben:

Draußen ist es dunkel, die Stadt schläft längst, doch ich liege wach. Die Straßenlaternen werfen Schatten an die Decke über meinem Bett. Es ist still, ich höre mein Herz schlagen. Plötzlich laufen Tränen über mein Gesicht.

Ein paar Worte waren es, die die Bilder zurückholten. Plötzlich waren sie wieder da. Ich bin wieder an dem Ort, wo dieser junge Mensch am Boden liegt. Es war sein Wille, er hat es selbst getan. So oft ich mir das auch verdeutliche, es bleibt unbegreiflich.

Noch nicht erwachsen, das Leben noch vor sich und doch schon hinter sich. Die Höhe ließ kaum Platz für Hoffnung, doch der junge Körper kämpfte. Er war bei Bewusstsein, reagierte. Rasselnd ging sein Atem, ließ die unsichtbare Schwere der Verletzungen erahnen.

Wieder und wieder gab das junge Herz in den nächsten Stunden auf. Doch es gelang ein ums andere Mal es zurückzuholen – bis schließlich die Kerze dieses jungen Lebens für immer erlosch. Tage vergehen in denen die Bilder des Einsatzes zwischen jeder Menge Alltag gut verpackt waren.

An diesem Abend war es still, die Gedanken nahmen ihren Lauf. Um mich herum schläft die Stadt. Es ist still, Tränen laufen über mein Gesicht…

Der Autor ist uns namentlich bekannt, er möchte anonym bleiben.