Polizei zwischen den Fronten: im gleichen Einsatz Nazi und Ausländerfreund

7. Februar 2016 at 22:31
EPHK Milius

Bild: Krzizok via merkur.de

Polizeichef: “Welche Polizei wollt ihr?”

Die Polizei steht zwischen den Fronten, immer wieder und jeden Tag. Das wissen wir und das kann man nahezu täglich in den Nachrichten nachlesen. Doch der folgende Fall zeigt besonders deutlich, wie absurd und haltlos die reflexartigen Anschuldigungen gegenüber der Polizei sein können und wie sehr dies einem Polizeichef eine Art verzweifelte Zornesröte ins Gesicht treibt.

Am vergangenen Donnerstag fand in Dorfen (Bayern) die Altweiberfastnacht statt, dort Hemadlenzn genannt. Die Polizei verzeichnete insgesamt einen eher ruhigen Einsatzverlauf. Die üblichen Sachbeschädigungen und Rangeleien. Nichts ungewöhnliches?

Doch, ein Einsatz war sehr auffällig. Er hat mit jungen Frauen und Flüchtlingen zu tun. Viele denken jetzt unweigerlich an Köln, aber weit gefehlt. Was also war passiert?

Es “haben sich einige junge Frauen an eine Fußstreife der Polizei gewandt und angegeben, sie seien aus einer Gruppe junger Afrikaner heraus begrapscht worden”, so beginnt der Erste Polizeihauptkommissar Ulrich Milius (siehe Bild), Chef der Dorfener Wache, den Bericht zum Vorfall.

“Da mussten wir natürlich sofort handeln”, erklärt er weiter. Die Polizisten gingen zu der Gruppe Afrikaner und wollten lediglich ihre Personalien feststellen. Milius, der sich selbst vor Ort befand, konnte die folgenden Szenen beobachten und bezeichnet das was er sah und hörte, als “erschreckend”.

Die eingesetzten Polizisten wurden im Rahmen der Identitätsfeststellung von umherstehenden Passanten, die überhaupt nichts mit dem zu Grunde liegenden Vorfall zu tun hatten “massiv angefeindet”. “Die sind als Nazis, Rassisten und Bullenschweine bezeichnet worden”, und das seien noch die netteren Ausdrücke gewesen, erklärt Milius immer noch fassungslos.

Doch nicht nur das. Wie sich herausstellte, war es überhaupt nicht zu einem sexuellen Übergriff auf die jungen Mädchen gekommen. Die Mädchen wollten mit den Nordafrikern Selfies machen und so nahm man sich gegenseitig in den Arm. Das war alles.

Diesen Umstand nahm aber der Freund einer der Mädchen zum Anlass gegenüber den Neuankömmlingen aggressiv vorzugehen und ihnen Schläge anzudrohen.

Und so kam es zu der völlig absurden Situation, dass die Polizisten von den Passanten als Nazis bezeichnet wurden, weil sie die Afrikaner kontrollierten, und von dem Freund, dem die Polizei viel zu freundlich mit den angeblichen Grapschern umging, Ausländerfreundlichkeit vorgeworfen wurde.

Schützenhilfe bekommt die Polizei von Petra Kittel von der Flüchtlingshilfe, die den ganzen Tag mit den Nordafrikanern unterwegs war und ihnen den Brauchtum erklärte und auch übersetzte.

“Es ist zu keinem Vorfall gekommen. Das war eine Situation, die aus gar nichts entstanden ist”, erklärt Kittel, und weiter, “die Polizisten haben sich absolut korrekt verhalten.” Dies freut Polizeichef Milius zwar, aber es ändert nichts daran, wie sich manche gegenüber seinen Kollegen verhalten hatten.

Die Anfeindungen kamen von umstehenden Passanten, auch von älteren Mitbürgern, “die gar nicht gewusst haben, um was es geht”, so Milius. Als Beispiel nannte er einen Passanten, der sich einem ihm erteilten Platzverweis widersetzte, mit der Begründung, er müsse aufpassen, “dass die Polizei alles richtig macht” und deswegen müsse er “diese Willküraktion beobachten”.

Lars B. (Name geändert), war einer der Polizisten bei diesem Einsatz, der zwischen die Fronten geriet. Er fand diese Situation absolut frustrierend, “wenn man nur die Identität feststellen will, dass man dann von beiden Seiten beschimpft wird – von der einen Seite als Nazi und von der anderen Seite als Ausländerfreund, der gegen Deutsche ist”.

Milius tun die überwiegend jungen Beamten leid, die bei diesem Einsatz dermaßen angefeindet wurde. So sagt er: “Wir haben toll ausgebildete junge Beamte, und diese ungerechtfertigten Attacken wirken nicht unbedingt motivierend.” Außerdem stellte er klar, “dass alle Personen gleich behandelt werden, egal welche Hautfarbe sie haben”. Auf seiner Dienststelle werde er “keine auch nur annähernd rassistischen Äußerungen dulden”.

Polizeichef Milius sieht aber noch einen weiteren Schaden, der durch solcherlei Verhalten von Mitbürgern verursacht werde: “Was ist das für ein Signal, das diese Leute den Asylbewerbern geben? Die lernen, dass sie auch noch Rückhalt aus der Bevölkerung bekommen, wenn sie sich widersetzen. Das kann es nicht sein.”

Frustriert stellt sich Milius mittlerweile die Frage, “welche Polizei die Leute eigentlich wollen”?