Unmenschliche Aktion: Öffentliche Empörung über erhängte Polizeipuppe – Warum der Verein versagt hat

3. Februar 2016 at 17:16
Erhängte Polizeipuppe

Bildmaterial: Südtribüne Rostock

Am vergangenen Samstag fand im Ostseestadion in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) die Drittligabegegnung zwischen Hansa Rostock und dem VfL Osnabrück statt. Hierbei sollte auch durch eine ausgefeilte Choreografie das 50jährige Bestehen des Vereins aus Rostock gefeiert werden.

Zu dieser Choreografie gehörte offenbar auch eine unmenschliche Aktion, die nun für Wellen schlägt. Sogenannte “Fans” hängten eine Polizeipuppe am Hallendach auf, die mit Schutzweste und Schlagstock ausgestattet war und aus deren Hose ein erigierter Penis ragte.

Sicherheitsbeauftragte sorgten dann dafür, dass diese Puppe durch “Fans” im Block entfernt wurde.

Vom Verein hieß es dann am Montag: “Der FC Hansa Rostock drückt sein Bedauern über eine mehr als geschmacklose Aktion beim Heimspiel gegen den VfL Osnabrück aus. Der FC Hansa Rostock möchte sich bei allen entschuldigen, die sich durch diese geschmacklose Aktion verletzt fühlen und beleidigt wurden.”

Hierbei schränkte der Verein jedoch ein, dass dies eine Aktion Einzelner gewesen sei, die dem Ansehen des Vereins geschadet habe.

Der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommerns, Lorenz Caffier, war mit dieser öffentlichen Entschuldigung alleine nicht zufrieden, die seiner Meinung nach “weichgespült und mehrfach durch die Waschmaschine geschoben” worden sei.

Caffier sieht dann auch gleich einen doppelten Flurschaden, einmal für die Polizei und einmal für den Verein, der durch den DFB mit Saktionen rechnen müssen, von einer Geldstrafe bis hin zu einem Geisterspiel.

Diese öffentliche Empörung ist ja gut und schön, aber sie bringt nichts, denn der Schaden ist angerichtet. Aber soweit hätte es nicht kommen müssen.

Der Verein hat versagt, aus dreierlei Gründen:

  1. Die Fans werden beim Betreten des Stadions durch Sicherheitsmitarbeiter durchsucht. Hier ist es offenbar nicht aufgefallen, dass “Fans” diese Utensilien mitgebracht haben. Da die Sicherheitsmitarbeiter im Auftrag des Vereins tätig werden, muss dieser sich das Versagen bei den Einlasskontrollen zuschreiben lassen.
  2. Die “Fans” bekommen Räume innerhalb der Stadien zur Verfügung gestellt, um Choreografie und Banner vorzubereiten. Hier dürfte dann auch diese unsägliche Polizeipuppe fertig gestellt worden sein. Warum die “Fans” ohne die Kontrolle der Vereine immer wieder für Skandale sorgen können, Schlagwerkzeuge, Pyrotechnik und eben diese Polizeipuppe ins Stadion bringen können, muss sich ebenfalls der Verein zurechnen lassen. Er hat das Hausrecht und sollte es auch nutzen.
  3. Wie die “Fans” diese Puppe unter dem Hallendach in Schwindel erregender Höhe aufhängen konnten, ohne damit aufzufallen, bleibt ein Rätsel. Jedenfalls war dies nicht ohne weiteres und in Sekunden Schnelle möglich. Auch hier konnten die “Fans” schalten und walten wie sie wollten. Der dritte Hinweis darauf, dass der Verein versagt hat.

Da nutzt es auch nichts, wenn die Puppe abgehängt wird und man sich im Nachhinein distanziert. Warme Worte, ohne Substanz, ohne Verantwortung, ohne einen Hinweis darauf, wie man solche Aktionen zukünftig vermeiden möchte.

Und in den Fan- und Fußballportalen wird ebenfalls über das Spiel berichtet, den Spielverlauf und die tolle Choreo. Lediglich in einem Nebensatz wird dann die Aktion mit der Puppe erwähnt, ohne Distanzierung, ohne Botschaft an die Fans.

Auch hier wurde offenbar der Weichspüler benutzt. Aber halt, es geht hier ja “nur” um Polizisten, die jedes Wochenende ihren Arsch hinhalten, damit diese sogenannten “Fans” aus dem Stadion und der Stadt drumherum nicht völlig Kleinholz machen.