Die Motorradstreife

18. März 2016 at 21:15

MotorradstreifeZu den üblichen Transport- und Einsatzmitteln der Polizei gehören nicht nur Streifenwagen und Mannschaftstransporter, auch die Motorradstaffel der Polizei wird oft eingesetzt und immer zieht sie die Blicke auf sich. Mancher private Bikerkollege hat mit der Motorradstaffel das Hobby zum Beruf gemacht. So wie Bettina Stippich, aber dazu später mehr.

Die meisten Polizeien haben BMW-Motorräder als Dienstfahrzeuge und die werden von BMW in einer Behördenversion weltweit verkauft. Diese Behördenmotorräder tauchen freilich in keinem Katalog für Privatkunden auf, denn teilweise werden besondere Wünsche, was die Ausstattung betrifft, von BMW erfüllt.

Kam früher noch die BMW K75 (noch in Grün) zum Einsatz, sind es heute die Sondermodelle R900RT oder R1200RT. Zur Behördenausstattung dieser Sondermodelle gehören beispielsweise ein kurz übersetzter erster Gang (für Eskorten wichtig), elektrisch verstellbares Windschild, Behördenkoffer hinten, Sirene (Martinshorn) mit eingebautem Außenlautsprecher, LED-Blaulichtblitzer vorne und eine Rundumleuchte hinten, Bedienungselemente für Blaulicht und Funk an den Lenkergriffen.

Auch wenn man privat im Besitz eines Motorradführerscheines ist, muss man für das Fahren eines Dienst-Krades einen separaten Führerschein machen und ein Fahrsicherheitstraining, welches von der Polizei für die eigenen Kräfte angeboten wird, ist auch anzuraten. Hier werden dem Fahrer dann die typischen Gefahren bei Einsatzfahrten – und bei Dienst-Krädern das Fahren in der Eskorte – aufgezeigt und alles Notwendige beigebracht, um die Gefahren zu minimieren.

Polizeioberkommissare Bettina Stippich, die ihren Dienst bei der Polizeistation Wolfhagen in Nordhessen verrichtet, ist eine der wenigen uniformierten Kradfahrerinnen bei der hessischen Polizei. Sie erfüllte sich sowohl mit dem Polizeiberuf, als auch als Mitglied der Motorradstaffel, einen Kindheitstraum.

Die Polizei hatte ihrer Familie einmal geholfen, da war Bettina erst 10 Jahre alt. Aber mit diesem Einsatz der netten Kollegen war der Grundstein für ihre weitere berufliche Entwicklung gelegt. Den verfolgte sie konsequent und wurde dabei auch von ihren Eltern unterstützt, wofür sie ihnen bis heute dankbar ist.

Bettina arbeitet in Wolfhagen im Schichtdienst, das bedeutet 12 Stunden Tagdienst und am nächsten Tag 12 Stunden Nachtdienst. Danach hat sie in der Regel drei Tage frei, wenn nicht eine Umstellung des Dienstplanes oder ein Einsatz dazwischen kommt. “Man fährt nach Hause, isst etwas, legt sich hin, macht sich frisch und fährt wieder zum Dienst. Da kann sich jeder ausrechnen, wie viel Zeit zum Schlafen bleibt”, erklärt Bettina.

Bettina ist gerne Polizistin und sie freut sich immer, wenn sie sich auf das Krad schwingen darf. Sie sagt, dass es nicht so viele Heizer gibt. Die meisten Motorradfahrer, die sie kontrolliert, sind Tourenfahrer oder es sind Gruppen, bei denen es oft wenig zu beanstanden gibt.

“Damit der Tross schön zusammen bleibt, sperren einzelne Motorradfahrer aus der Gruppe bei Einmündungen und Querstraßen, aber auch bei Ampelkreuzungen, den Verkehr ab. Dabei passiert es immer wieder, dass die letzten Fahrer bei Rot voll über die Kreuzung brettern. Diese Fahrbahnsperrung ist ein regelnder Eingriff in den fließenden Verkehr, der ausschließlich der Polizei vorbehalten ist und bei Anzeige strafrechtlich verfolgt wird”, berichtet Bettina aus ihrer Praxis.

Ansonsten achtet sie bei ihren Kontrolle auf die Fahrtüchtigkeit der Zweiräder. Da sie privat ebenfalls Motorrad (eine Suzuki Bandit) fährt, weiß sie genau, worauf es ankommt und kann damit so manchen Biker, der nach mehrjährige Pause wieder mit dem Biken anfängt, mit ihrem Fachwissen verblüffen.

Und auch die Jugendlichen mit ihren Mofas, Mopeds und Mokicks hat sie im Blick. Bettina weiß, dass die meisten dieser Zweiräder getunt sind. Die Tuningteile sind leicht über das Internet bestellbar und den Einbau kann man selbst machen, oder man kennt jemand, der es kann.

Aber die Folgen, wenn man erwischt wird, können weh tun. Zunächst wird das Bike sichergestellt, um ein Gutachten erstellen zu lassen. Dann kommt das Strafverfahren hinzu, wenn man für die Geschwindigkeit, die das Bike getunt fahren kann, eigentlich einen Führerschein bräuchte. Das alles kostet Geld.

Und dann kann auch noch der Führerschein, den man erst machen möchte, in Gefahr sein. Wer sich nach so einem Verfahren für das begleitende Fahren mit 17 anmelden möchte, bekommt dann eher eine Absage von der Führerscheinstelle.

Einmal im Jahr trifft sich Kollegin Bettina mit anderen Motorradfahrerkollegen für eine mehrtägige Ausfahrt. Man genießt die freie Fahrt und plaudert über Privates und tauscht sich über Dienstliches aus.

http://www.winni-scheibe.com/ta_portraits/bettina_stippich.htm