Die Todesnachricht überbringen: das häufig Schlimmste im Polizeiberuf

3. März 2016 at 21:43

Die Todesnachricht überbringenDer Beruf der Polizei ist sehr vielfältig – es gibt schöne Momente und es gibt sehr schwierige Momente, die mit Gefahren verbunden sind und auch den ein oder anderen Kollegen an die Grenze bringen.

Doch das mitunter Schlimmste in dem Beruf ist das Überbringen der Todesnachricht an die Angehörigen eines Verstorbenen.
Es gibt keine wirkliche Musterlösung, an die man sich wenden kann, denn jeder Fall ist anders.

Es geht um den Partner, die Eltern, Geschwister oder im schlimmsten Fall sogar um die Kinder.

Zum Haus des Betroffenen fahren, klingeln, der Puls steigt – was erwartet mich?

Die furchtbare Nachricht zu überbringen und die Reaktionen zu sehen, die so vielfältig sein können, ist schrecklich: Manche sind ruhig, manche verstehen das Gesagte nicht oder können es nicht verarbeiten. Manche schreien und manche schlagen sogar auf den Überbringer der schlimmen Nachricht ein. Das muss man aushalten können, die Gefühlsausbrüche hinnehmen und auf diese reagieren können ohne über zu reagieren: Zuhören, reden lassen und vielleicht auch einfach da sein.

Versuchen einen Angehörigen zu erreichen, Freunde oder auch Nachbarn, die sich nun um den Hinterbliebenen kümmern können. Solange bei der Person bleiben und einfach Unterstützung geben, reden lassen, versuchen mit Worten zu trösten – aber niemals zu viel sagen.

Eine zum Teil bedrückende Situation – ein wenig Hilflosigkeit und auch eigene Trauer.

Nach dem Überbringen der Nachricht geht es weiter, der nächste Einsatz ruft, doch das Erlebte von eben bleibt erst einmal im Kopf – habe ich alles richtig gemacht? Meine Worte werden evtl. ewig in den Köpfen der Angehörigen bleiben, habe ich ihnen damit ein Stück weit geholfen? Viele Fragen, die danach auftauchen.

Es gibt keine optimale Lösung – es gibt nur ein empathisches Verhalten auf eine plötzliche unvorhersehbare Reaktion.

Doch irgendwie geht es weiter und man versucht das Ganze nicht zu nah an sich ran zu lassen. Manchmal gelingt es, doch in einigen Fällen geht einem diese Situation oder auch eine gewisse Reaktion nicht mehr aus dem Kopf.

Viele haben ihre eigene Art entwickelt damit zurecht zu kommen: mit dem Streifenpartner reden, Sport treiben, Erlebtes aufschreiben oder auch mit der Familie sprechen.

Dann geht es weiter – die nächste Schicht, der nächste Einsatz mit oftmals schönen Dingen, manchmal schlimmen Sachen und doch versucht man alles so gut wie möglich zu meistern.

In der letzten Zeit hat sich die polizeiliche Aufgabe und die Wahrnehmung dieser Situationen etwas erweitert: Heutzutage wird bei solchen “Aufgaben” zumeist und gerade bei schlimmeren Umständen, wie schweren Unfällen oder Katastrophen, unmittelbar ein Seelsorger mit verständigt oder zumindest kurzfristig nachgeführt. (Was allerdings auch wieder länderabhängig ist, denn die Handhabungen sind doch oft sehr unterschiedlich).

Diese Seelsorger verschiedener Organisationen sind für eben diese speziellen, schlimmen Situationen (noch) besser geschult als es für die Polizei aufgrund der Vielzahl ihrer Aufgaben möglich ist.

Zudem sind diese zeitlich flexibler, so dass eine längerfristige persönliche Betreuung, auch bei den zu bewältigenden Aufgaben, die mit dem Tod einer nahestehenden Person in Zusammenhang stehen, eine Unterstützung möglich ist.

Doch in den ersten Momenten stehen die Polizisten oftmals alleine vor dieser Aufgabe und müssen diese mit der nötigen Empathie bewältigen – eine sehr emotionale und schwierige Aufgabe, die niemanden kalt lässt.