Leserbrief: Wie soll ich mit den Bildern umgehen? (von Philipp)

5. März 2016 at 22:49

Wie soll ich mit den Bildern umgehen?

Ich bin Polizist mit Leib und Seele, aber auch Mensch. Ein Mensch der um seine Frau trauert, die am 20.01.2016 ihren Kampf gegen den Tod nach einem schweren Unfall verloren hat.

Mein Kollege und ich sind damals zu diesem Einsatz gerufen worden. Erst vor Ort erkannte ich, dass es sich um meine Frau handelt, die dort im Fahrzeug eingeklemmt war.

Es war der bisher schwerste Einsatz meines Lebens. Bin seit 4 Jahren bei der Polizei, habe in dieser Zeit einige Menschen sterben gesehen, aber nie war es so unerträglich wie bei diesem Einsatz. Eine Woche hat meine Frau ums überleben gekämpft und leider diesen Kampf verloren.

Ich weiß oft nicht wie ich mit den Bildern, die immer wieder in meinen Kopf schießen, umgehen soll. Durch die Therapie, die ich begonnen habe, werden die Bilder zwar weniger. Aber wenn ich sie sehe, dann heftiger als je zuvor.

Habe erneut Angst, dass mir das im Dienst passiert und ich dadurch Kollegen gefährden könnte. Meine Kollegen und Freunde unterstützen mich wo sie können. Aber diese Angst können Sie mir nicht nehmen.

Zwar ist diese Angst nicht täglich da, aber allein die Tatsache das sie unerwartet kommt, durch einen Song, einen Geruch oder durch andere Dinge einfach ausgelöst wird, lässt mich unsicher werden.

Fragen die ich mir täglich stelle sind:
Kann ich meine Arbeit noch richtig machen?
Sollte ich meinen Beruf aufgeben?

Das will ich eigentlich nicht, aber bevor Kollegen zu Schaden kommen, muss ich über diese Fragen nachdenken und eine Lösung suchen und finden.

Es gibt Tage, die sind gut und kann mich gut ablenken. Meine Freunde und Kollegen helfen mir sehr dabei. Der Dienst hilft mir auf der einen Seite sehr und dann gibt’s wieder Momente wo ich abschweife mit meinen Gedanken. Die Bilder wieder hochkommen. Das dürfte und sollte mir nicht passieren, nicht im Dienst.

Vielleicht gibt es Kollegen, die ähnliches erlebt haben und für sich einen Weg gefunden haben damit umzugehen. Ich weiß in manchen Momenten einfach nicht weiter.

Mein Freund und Kollege versucht mir zu helfen wo er kann… Sei es privat oder im Dienst. Aber oft stößt auch er an seine Grenzen und weiß nicht mehr weiter.

Ich will und muss meinen Dienst wieder machen können ohne eine Gefahr für meine Kollegen zu sein.

Unseren Bericht zum Tod von Philipps Ehefrau und den damaligen Leserbrief von Philipp zum Unfallgeschehen könnt jeweils dort verlinkt nachlesen.