Leserbrief zu unserem Beitrag: “Mit der Falschen angelegt”

18. März 2016 at 21:06

Nein ist NeinGestern berichteten wir über den Vorfall in Köln, als ein Mann eine Frau bedrängte und ihr dann auch noch an den Busen fasste. Da er sich mit einer Polizistin angelegt hatte, was er vorher allerdings nicht wusste, folgte daraufhin die Festnahme.

Zu diesem Beitrag erhielten wir folgenden Leserbrief. Vermutlich haben sich viele Frauen beim Lesen des Artikels dieselben Gedanken gemacht und werden sich in diesen Zeilen wiederfinden:

Jeder, der mich kennt weiß, dass ich absolut Pro-Polizei bin. Ich habe den Artikel gestern gelesen und fahre mit meinen Emotionen immer noch Achterbahn. Mich haben mehrere Dinge diesbezüglich berührt:

Ich kann verstehen, dass es alle toll finden, dass der Täter an “die Richtige” geraten ist. Fakt ist aber mal eins: Sie ist Polizeibeamtin und hat aufgrund ihrer Ausbildung und ihres eigentlich immer im Dienst sein, schon mal den Vorteil, den 95% der Frauen in unserem Land nicht haben.

Ich denke, wir wissen alle, das dem Täter sowieso nichts passieren wird, weil wir nun mal in einem Land der Flauschi- und Kuscheljustiz leben.

Aber jetzt drehen wir das doch mal um auf “Otto Normalfrau”. Wie viele tausend Frauen müssen das, was Eure Kollegin erlebt hat, im Alltag erleben. Die können aber eben mal nicht so “zuhauen” oder den Täter zum Paket verschnüren, vom Fixieren mal ganz zu schweigen.

Und jetzt wird es für mich spannend: Ich persönlich fühle mich seit Monaten als Freiwild und zum Abschuss freigegeben. Ich stehe mittlerweile vor dem Kleiderschrank und suche mir den Fummel Marke “Mach mich häßlich” raus, weil ich mit der Kleidung, die mir gefällt mittlerweile überlegen muss, ob ich den Männern ein Signal senden könnte, das zum Befummeln animiert.

Soweit bin ich persönlich und ich finde das traurig. Selbst wenn ich halbnackt mit Highheels und mit 100-Euro-Scheinen beklebt irgendwo draußen stehen würde, hat mich niemand anzufassen. Egal wer, egal welcher Herkunft. Nein ist Nein.

Ich für mich habe es mit Erschrecken festgestellt und ich bin froh, dass es mir aufgefallen ist. Und mein “Hauptproblem” sind nicht die Männer ausländischer Herkunft, sondern meine eigenen Landsmänner. Um es noch klarer zu machen: ich bin Deutsche.

Wenn ich mich früher gewehrt habe, hatte es noch Abschreckungscharakter und war in der Regel verbal zu lösen. Heute, wenn ich auf “wehren” setze, dann muss ich damit rechnen, dass mein Gegner vielleicht ein Messer auf der Tasche zieht, eine Knarre zieht oder noch andere Kumpels mit anrücken.

Für mich war es noch nie so schwierig, in einer solchen Situation das Richtige zu tun denn beides kann falsch. Ich kann mit wehren das Signal senden: “Hey, die Alte wehrt sich, da legen wir noch mal nach”, aber auch genau so die Botschaft: “Cool, die wehrt sich ja gar nicht, mit der können wir es machen.”

Und ich fand es zu keiner Zeit so anstrengend, einfach Frau zu sein. Ich erwarte nicht, dass man mir den Hintern pudert, wenn ich auf Männer stoße.

Aber ich erwarte einfach Respekt und Achtung vor meiner eigenen Person. Dass mein Nein akzeptiert wird.

Ich nicht an Stellen angefasst werde, an denen ich es nicht will. Dass meine Grenze akzeptiert wird, an der ich sie festlege und ich über meinen eigenen Körper bestimmte.

Ich kann ja wohl nicht nur einfach mal die Arschkarte haben, nur weil ich Frau bin und nicht Polizistin als Beruf gewählt habe.

Ein Nein ist ein Nein und muss ein Nein bleiben.

Die Autorin ist uns namentlich bekannt. Der Leserbrief gibt die Meinung der Autorin wider.

Die Zeilen der Autorin wurden durch das Urteil bzgl. des im ursprünglichen Beitrag geschilderten Vorfalles überholt: Der Täter wurde zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen je 5 Euro (400 Euro insgesamt) verurteilt.