Ekelhaft, unmenschlich und unverantwortlich: Einsatzkräfte sollten zwischen Blut, Sperma und Erbrochenem nächtigen

25. April 2016 at 22:07

In Hannover (Niedersachsen) sind aus Anlass des Besuchs des amerikanischen Präsidenten Barack Obama viele Polizisten aus fast allen Bundesländern und von der Bundespolizei im Einsatz. Die Verantwortlichen sprechen vom größten Einsatz der vergangenen Jahre, da der Präsident als gefährdete Person gilt. Die Anzahl der eingesetzte Kräfte wird freilich nicht vor Einsatzende bekannt gegeben, aber es dürften einige Tausend sein.

Dieser Großeinsatz fordert eine gute Planung und eine Menge logistisches Geschick. Dass da mal etwas unrund läuft und optimiert werden könnte bleibt einfach nicht aus. Aber grundsätzlich sollten die wichtigsten Dinge wie Verpflegung, Unterkunft, Information und Ablösung der Einsatzkräfte vernünftig durchgeplant sein und verlässlich laufen.

Nicht so in Hannover, wo es zum Eklat kam. Drei Einsatzhundertschaften aus dem benachbarten Nordrhein-Westfalen sollten für die Dauer des Einsatzes die ehemalige Linsingen Kaserne in Hameln beziehen, die jeder Beschreibung spottet.

Nicht nur die sanitären Anlagen waren völlig verdreckt, auch in den Schlafbereichen befanden sich Reste von Urin, Kot, Sperma und Erbrochenem. Hier sollten sich die Einsatzkräfte “erholen” und sich auf den heutigen 16-Stunden-Einsatz vorbereiten.

Die Hundertschaften legten Protest bei der Einsatzplanung ein und weigerte sich völlig zurecht dieses Quartier zu beziehen. Erst nach einer Intervention bei der Einsatzplanung, bei der sich lobenswerter Weise beide Polizeigewerkschaften einstimmig hervor taten, konnten die Polizisten am späten Abend eine Jugendherberge beziehen.

Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Kollegen nahezu sieben Stunden auf eine Entscheidung warten mussten und für sie der Einsatz am heutigen Morgen bereits um 05:30 Uhr wieder begann.

So manchem öffentlichen Vertreter hat die Beschwerde der Polizisten nicht gefallen. Es kann nur als heuchlerisch bezeichnet werden, wenn die stellvertretende Pressesprecherin des Landkreises, Nikola Stasko, sich darüber echauffiert, dass die “Vorgehensweise einiger Polizisten, die offensichtlich mit einer massiv verzerrten öffentlichen Darstellung ihrem Unmut freien Lauf ließen”.

Wenn man sich die Bilder anschaut, gibt es nichts zu beschönigen. Oder hatte man nur vergessen Frau Stasko eines der verdreckten Zimmer freundlicher Weise zu überlassen, damit sie die Verzerrung hautnah erleben kann?

Wahrscheinlich wird es für diese Zustände keinen Verantwortlichen geben, wie immer… Aber die Frage muss erlaubt sein, wie es sein kann, dass Polizisten, die für die Sicherheit der wichtigsten Personen der Weltpolitik verantwortlich sind, ungeprüft in eine solch verdreckte Unterkunft untergebracht werden sollen?!

Oder hat es am Ende gar am Geld gelegen? Bei den Gesamtkosten für diesen Großeinsatz, der in die Millionen gehen wird, dürfte eine geprüft saubere und vernünftige (wenn auch einfache) Unterkunft kein Problem gewesen sein.

Niemand von uns Polizisten erwartet ein Hotel mit 5 Sternen. Wir verbringen sowieso die meiste Zeit im Einsatz (16 Stunden plus An- und Abfahrt) und wollen uns in der Unterkunft nur erfrischen und unsere Ruhe haben. Dazu gehört auch ein Minimum an Wohlfühlfaktor und der ist meist schon erreicht, wenn es einfach sauber und aufgeräumt ist.

Das zu erreichen kann doch nicht so schwer und sollte selbstverständlich sein!

Eine solche Unterkunft ist einfach unMENSCHlich und da spielt es keine Rolle, ob der Mensch eine Uniform trägt oder nicht!