Gesundheitsgefährdung auf den Schießständen der Berliner Polizei hat juristische Folgen

13. April 2016 at 23:31

Gesundheitsgefährdung hat FolgenWir berichteten bereits im vergangenen Herbst über die maroden Schießstände der Berliner Polizei, den stark eingeschränkten Schießbetrieb und die Gesundheitsgefahr für die trainierenden Polizisten und Schießtrainer.

Diese Angelegenheit hat nun ein juristisches Nachspiel, da die Ergebnisse der internen Revision vorliegen und das Ausmaß der Gesundheitsgefährdung erkennbar wird. Was eigentlich vor einigen Jahren bereits in Gutachten dargelegt wurde, dann aber auf wundersame Weise verschwand, kann nun offiziell nachgelesen werden.

Von den 73 Schießständen, die der Berliner Polizei eigentlich zur Verfügung stehen sollten, sind derzeit nur noch 30 geöffnet. Das Problem sind die Lüftungsanlagen, die es nicht schaffen, die beim Schießtraining entstehenden Gase bzw. die Feinstaubbelastung ausreichend aus der Umgebungsluft zu filtern.

Aber auch die noch geöffneten 30 Schießstände scheinen nicht alle tauglich für das Training zu sein. So musste erst kürzlich eine Trainingsgruppe der Direktion 4 das Training abbrechen, weil die Teilnehmer über Atembeschwerden und Kopfschmerzen klagten.

Dadurch, dass die Rauchgase nicht aus den Schießständen abgeleitet, teils sogar zu den Trainierenden zurück geblasen werden, entsteht eine hohe Vergiftungsgefahr, insbesondere für Schießtrainer und Spezialeinheiten.

Schadstoffe wie Blei, Antimon oder krebserregende Mineralfasern werden von den Polizisten eingeatmet und können bei ständig wiederholter oder dauerhafter Ablagerung im Körper schädlich für die Gesundheit sein.

Dies bestätigt auch der Bericht der internen Revision. Demnach erlitten mindestens 89 Schießtrainer, Polizisten der Spezialeinheiten und Präzisionsschützen nachweislich gesundheitliche Schädigungen. Insgesamt könnten 1.532 aktive und pensionierte Polizisten nicht näher bezeichnete Schäden davon getragen haben.

Bestätigt werden diese Angaben auch durch Untersuchungen von zwei Dutzend Beamten, die intensiv an ihren Waffen trainieren und sich auf eigene Kosten haben in der Charité untersuchen lassen. Es konnten Blei und ein 60fach erhöhter Wert an Antimon nachgewiesen werden. Mit Antimon wird das Blei in der Munition gehärtet und gehört zur gleichen Stoffgruppe wie Arsen. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist Antimon als krebserregend eingestuft.

Die Staatsanwaltschaft Berlin hat nun ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Hierbei geht es um den Verdacht des Verstoßes gegen das Chemikaliengesetz, schwere Körperverletzung und Körperverletzung im Amt.

Laut Bericht der internen Revision wird empfohlen, dass den über 17.000 Waffenträgern der Berliner Polizei eine Vorsorgeuntersuchung durch den Dienstherrn angeboten werden soll. Die Kosten für diese Untersuchung werden auf rund sechs Mio. Euro geschätzt.

Unberücksichtigt ist hierbei ein Personenkreis, der ebenfalls auf diesen Schießständen trainierte, aber noch nicht erfasst werden konnte: Personenschützer der USA, Israels und Frankreichs.

http://www.morgenpost.de/berlin/article207404065/Blei-im-Blut-17-000-Polizisten-sollen-zur-Untersuchung.html