Leserbrief: Wieder mal ein Video im Internet, das Polizisten bei einem „problematischen“ Einsatz zeigt

28. April 2016 at 21:29

Wieder mal ein VideoViele haben sich das Video angeschaut, es handelt sich dabei um einen Vorfall der sich in Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) abspielte. Auch ich habe mir das Video angeschaut und dazu alle verfügbaren Informationen gesammelt und gelesen.

Für alle die das Video nicht gesehen haben und was hier bewusst nicht verlinken möchte, mal ein kurze Schilderung des Vorfalls.

Die Polizeiliche Meldung dazu lautet:

Am Donnerstagabend wurde die Stadt Kaiserslautern durch die Polizei in einer Unterbringungsangelegenheit im Rahmen der Amts- und Vollzugshilfe unterstützt. Die zuständige Stelle der Stadt Kaiserslautern wollte einen 12-jährigen Jungen in Otterbach in Obhut nehmen. Dieser weigerte sich und leistete massiv Widerstand, sodass er mit Zwang aus der Wohnung verbracht werden musste. In diesem Zusammenhang wurden Strafverfahren eingeleitet; die Ermittlungen dauern an.

Angeblich wurde das Video von der Polizei gelöscht, das die Tante mit ihrem Smartphone während des Einsatzes angefertigt hatte. Nun hat es auf einmal die Mutter gefilmt und das Video musste wieder hergestellt werden. Wie dem auch sei, es ist im Umlauf. Zu sehen darin sind viele Füße, viele Worte und Schreierei und all das was man hinein interpretieren will. So sollen die Polizisten den Jungen getreten und „misshandelt“ haben.

Die Mutter erklärte dazu in einer Stellungnahme, dass die Durchführung dieser Maßnahme nach einem Gerichtsbeschluss erfolgte, es sich hierbei um eine Schulproblematik handele und um vermehrte Fehltage. Sie bat seit längerer Zeit das Jugendamt um Hilfe, nachdem Lerndefizite bei dem Jungen festgestellt wurden und es auch ein ärztliches Gutachten gäbe, dass der Junge dringend förderungsbedürftig sei. Eine Förderung sei aber abgelehnt worden und stattdessen habe das Jugendamt beschlossen, dass der Junge aus der Familie muss.

Diese Aussage lasse ich mal so dahin gestellt.

In dem Video ist zunächst zu sehen und zu hören, wie sich der Zwölfjährige weigert, die Wohnung zu verlassen und mit den Mitarbeitern des Jugendamtes, die vor dem Haus warteten, mit zu gehen. Doch der Junge schreit hinter einer verschlossenen Tür immer wieder verzweifelt: “Mama, mach doch was!” Seine Mutter antwortet ebenso verzweifelt: “Ich kann nichts machen.” Der Gerichtsvollzieher weist mehrmals daraufhin, dass er kein Interesse hat, die wartenden Polizisten hinzu zu ziehen.

Nach einiger Zeit hat sich der Junge scheinbar irgendwo fest gebunden und die Beamten kommen nun doch hinzu. Er wehrt sich massiv und beschimpft sie. Immer wieder ist zu hören, dass er nicht mitgeht. Die Polizisten versuchen beruhigend auf ihn einzureden, doch dann greifen sie zu. Vielleicht weil Gefahr droht?

So ganz kann man es nicht definieren, jedenfalls eskaliert die Situation. Offenbar beißt der Junge jetzt zu, der Polizist wehrt sich dagegen. Angeblich wird der Junge auch danach getreten, doch klar ersichtlich ist das nicht. Der Junge schreit auch, er bekomme keine Luft, er habe Asthma. Als die Polizisten nach dem Spray fragen, ist zu hören, dass es wahrscheinlich in seinem Zimmer sei.

Die Mutter schaut diesen ganzen Handlungen zu, nur ein einziges Mal redet sie auf ihren Sohn ein. Das Video dauert 16 Minuten.

Mir stellen sich dabei ernsthafte Fragen: War die Mutter nicht in der Lage, ihren Sohn zu beruhigen und zu besänftigen oder war es ihr egal? Hätte sie sich nicht vorab darum zu kümmern müssen, dass ihr Sohn mitgeht, damit diese Situation nicht eskalierte? War man von Beginn an darauf bedacht und hat bewusst diese Situation in Kauf genommen, nur um einen Vorfall zu zeigen, der auch „so“ enden kann?

Also ich hätte bestimmt besseres zu tun wie zuzuschauen und vor allem zu filmen, einfach nur dabei zu stehen und zu zuschauen. Den letzten Satz diese Videos gibt zusätzlich zu denken: “Wir müssen die verdammten Verbrecher dingfest machen”, womit sie die Polizisten meinte.

Bei der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern ging nun eine Strafanzeige gegen die Polizeibeamten ein. Die Anzeige wurde von einer nicht beteiligten Person erstattet, die auf das Gefilmte Bezug nimmt. Dort wurde das Video und der Polizeiberichte ausgewertet und geprüft.

Nach dem aktuellen Stand von heute wird nicht gegen die Polizisten ermittelt. Die Staatsanwaltschaft teilte nach Prüfung des Films mit:

„man sehe aufgrund der vorliegenden Informationen keine Anhaltspunkte, die die Aufnahme von strafrechtlichen Ermittlungen gegen die Polizeibeamten wegen der Art und Weise ihrer Vollzugshilfe rechtfertigen”.

Auch auf den Vorwurf, dass einer der Beamten nach dem Jungen getreten hätte, nimmt sie Bezug. Diese auf dem Video zu sehende Bewegung kam dadurch zustande, dass der Polizist versuchte, den Jungen, der das Bein des Beamten umklammerte, abzuschütteln. Dies wurde auch durch die Aussage des anwesendes Gerichtsvollziehers bestätigt.

Wie auch schon vermutet befand sich der Junge in Gefahr, als die Beamten zum Einsatz kamen. Er hatte sich einen Rollladengurt um Hals und Arm gewickelte und sich damit selbst gefährdet.

Es ist für beide Seiten kein einfaches „Erlebnis“ gewesen. Die Polizei hatte den Auftrag – auch mit Zwang – diesen Einsatz zu beenden, der sich auf eine richterliche Anordnung bezog. Es war ein Mosaikstein aus einer längeren Vorgeschichte.

Viele haben mal wieder nur das Video gesehen und die Polizisten verurteilt. Der Mutter bzw. der Familie wurde einfach geglaubt, dabei hätte gerade die Mutter einiges dafür tun können, dass es nicht soweit kommt!

Ich werde das Gefühl nicht los, dass sie diese Situation irgendwo bewusst herbeigeführt hat, um auch mal in der Öffentlichkeit beachtet zu werden, ohne dabei zu bedenken, dass dies auf Kosten ihres eigenen Jungens und der Polizei geschieht.

Wieder einmal hat sich gezeigt, dass man nicht vorschnell urteilen und die Ermittlungen abwarten sollte. Man zu schnell jemanden verurteilt. Hier muss ich ganz deutlich sagen, dass die Mitnahme des Junges wohl angebracht erscheint, wenn eine Mutter das alles nur mit ansah und die Konsequenzen mit einplante.

Die Polizisten haben richtig gehandelt und das schlimmste verhindert. Von so manchem Kommentator, der gegen die Polizisten gehetzt hat, wäre eine Entschuldigung angebracht. Doch dazu müsste man seinen eigenen Fehler eingestehen, was sicher nicht passieren wird.

Solche Videos im Internet werden immer unter ein- und demselben Vorsatz angefertigt: Um der Polizei bzw. den einzelnen Polizisten zu schaden und nicht, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

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Der Autor ist uns namentlich bekannt, möchte aber anonym bleiben. Der Leserbrief gibt die persönliche Meinung des Autors wider.

Wir möchten Euch bitten sachlich zu argumentieren.