Betrug im großen Stil: Polizisten wollen mit Elterngeld bundesweit abkassieren

19. Mai 2016 at 19:45

Betrug im großen StilBei dem folgenden Fall gehört eine Menge krimineller Energie dazu, wie es so schön im Beamtendeutsch heißt. Hinzu kommt die Tatsache, dass man offenbar den Hals nicht voll genug bekommen konnte. Und da Polizisten auch Menschen sind, kommt es hin und wieder vor, dass sich genau dort diese Eigenschaften zusammen gefunden haben.

Einer Sachbearbeiterin der Elterngeldstelle in Celle ist ein groß angelegter Millionenbetrug aufgefallen. Dank ihrer Intervention konnte ein größerer Schaden verhindert werden.

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft nach aktuellem Ermittlungsstand einem aktiven und einem ehemaligen Polizisten aus Hessen vor, bundesweit bei 200 Kommunen Elterngeld beantragt zu haben. Hierzu benutzen die beiden falsche Identitäten, gefälschte Geburtsurkunden und Einkommensnachweise.

Die Staatsanwaltschaft bescheinigt den beiden Polizisten professionelles Vorgehen und einen hohen Aufwand, um nicht entdeckt zu werden, was zum Glück nicht viel brachte. So mieteten die beiden Täter eine Briefkastenadresse in Chemnitz an, um mit gefälschten französischen Identitätskarten bei 58 Banken in Deutschland Konten zu eröffnen.

Mit gefälschten Papieren über nicht existierende Kinder beantragten sie dann ab April 2015 das Elterngeld in 200 Kommunen. Wären die Täter damit durchgekommen, wäre ein Schaden von 4,9 Mio. Euro entstanden.

Der Sachbearbeiterin in Celle waren jedoch Fehler aufgefallen, die sie aufhorchen ließen. So fand sie heraus, dass in dem Antrag eine nicht existierende Adresse verwendet wurde. Sie informierte das Sozialministerium, welches seinerseits die Staatsanwaltschaft und das Bundessozialministerium einschaltete.

Durch die rechtzeitige Information und die Vernetzung der Elterngeldstellen konnte der Schaden begrenzt werden. Alleine für das Land Niedersachsen, in dem bei 72 der 85 Kommunen Elterngeld beantragt wurde, blieb der Schaden bei 600 Euro, die mittlerweile wieder zurück geflossen sind.

Nachdem Staatsanwaltschaft und Polizei ein Jahr lang in diesem Fall ermittelt hatten, klickten nun die Handschellen. Die beiden Polizisten wurden festgenommen, während 60 ihrer Kollegen gleichzeitig mehrere Wohnung nach Beweismitteln durchsuchten.

http://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Uebersicht/Sachbearbeiterin-verhindert-Millionen-Betrug-bei-Elterngeld

Wenn dies das Ende der Karriere des aktiven Polizisten sein sollte, wäre das wohl gerechtfertigt. Es gehört zwar zu unserem Job, eine gewissen kriminelle Energie zu besitzen, um sich in einen Täter hinein denken zu können, jedoch sollte diese niemals zum Eigennutz missbraucht werden!

Die Täter sind hier mehr als einen Schritt zu weit gegangen und sollten nun die Konsequenzen tragen. Auch wenn die Kollegen in Hessen im bundesweiten Vergleich nicht so viel verdienen wie in anderen Bundesländern (wie wir zuvor berichteten), kann das wohl schlecht als Rechtfertigung herhalten.

Solche Polizisten braucht es nicht in unseren Reihen…