Blogvorstellung: CopKopp – “Wie, DU willst zur Polizei?”

17. Mai 2016 at 19:33

Blogvorstellung CopKoppWer unsere Berichte aufmerksam verfolgt, der fragt sich eventuell, warum es überhaupt noch Interessenten für diesen oft schwierigen Beruf gibt. Entsprechende Kommentare lesen wir immer wieder.

Aber ja, es gibt sie, die jungen Leute, die sich tatsächlich nicht nur für die Polizei interessieren, sondern sich überhaupt nichts anderes vorstellen können, als Polizist/in zu werden.

Zufällig sind wir auf diesen neuen Blog gestoßen, in dem ein junger Mensch seine Gedanken und Erlebnisse auf dem Weg zum Polizisten niederschreibt. “CopKopp” nennt sich der Blog, gerade zwei Einträge jung, und von dem wir mit freundlicher Genehmigung den Ersteintrag hier wiedergeben dürfen:

„Wie, DU willst zur Polizei?“

Beginnen wir diesen Blog ganz einfach damit, womit ich auch begonnen habe, nachdem mir mein Berufswunsch klar wurde – Das Umfeld davon zu informieren.

An sich ist das Gespräch über die Zukunftsplanung keine große Schwierigkeit. Irgendwann kommt das Thema immer darauf, egal mit wem man redet, und wenn man dann noch weiß, wie man das Gespräch ein wenig in diese Richtung schubsen kann, ist man umso besser dran.

Und meistens läuft der Dialog dazu sehr ähnlich ab, unabhängig vom Gesprächspartner.

„Ach, übrigens! Weißt du eigentlich schon, was du später mal machen willst?“

Sehr beliebt als Einstieg. Mit diesem Satz hat mich bisher noch keiner enttäuscht. Man redet über Gott und die Welt, eigene Zukunftspläne, die Pläne der Kinder. Es bleibt nicht aus, wenn man in der Oberstufe ist.

Meine bisherige Reaktion auf diesen Satz der Sätze war ebenfalls so gut wie immer gleich: Nach einer Sekunde, in der mir erst mal das Herz in die Hose gerutscht ist und das Gehirn angefangen hat, alle möglichen Antworten runterzurattern, kam doch immer dasselbe raus.

„Ja. Ich will zur Polizei. In Köln.“

Kurz, knapp und trocken. Die Reaktionen darauf waren bisher extrem breit gefächert… und meistens höchst amüsant.

Es sei dazugesagt:

Vom Äußerlichen her betrachtet bin ich eher der Typ Mensch, den man nicht in deren Reihen, sondern eher auf die Gegenseite der Polizei stellen würde. Ich bin Metaller und ich trage das mit langem schwarzem Mantel, bunt gefärbten Dreadlocks und Springerstiefeln auch sehr gut zur Schau.
Da verstehe ich es, wenn man mich auf den ersten Blick nicht als zukünftigen Polizisten sehen kann. Oder auf den zweiten. Oder den dritten. Ich sehe ja wirklich den Leuten ähnlicher, mit denen die Polizei tagtäglich Stress hat.

ABER: Mein momentaner Kleidungsstil ändert nichts an meinem Berufswunsch oder an meiner Einstellung gegenüber der Polizei. Um es mal ganz klischeehaft zu sagen: Auf die inneren Werte kommt es an. Man kann den Menschen ja nur vor die Stirn schauen.

Kommen wir jetzt (endlich) zu den verschiedenen Reaktionen, die ich auf den Satz „Ich will zur Polizei“ bekommen hab. Auf den Zusatz „In Köln“ komme ich später noch mal zu sprechen, der ist nämlich ein Thema für sich.

An sich lässt sich bei den meisten Reaktionen ein Muster erkennen, deshalb kann man die verschiedenen Menschen auch ganz gut in Kategorien unterteilen.

► DIE ELTERN.

Eltern sind eine eigene Kategorie, und die erste, weil sie zumindest bei mir die ersten Menschen waren, die von meinem Berufswunsch erfuhren. Eigentlich hätte man die Kategorie auch „Die Neutralos“ nennen können, denn so waren beide Reaktionen: Absolut neutral.

Hochgezogene Augenbrauen und ein „Klingt gut“, aber mehr im Sinne von Oh, mein Kind hat Zukunftspläne als Oh, Polizei. Der Fairness halber sei aber dazugesagt: Mein Vater ist seitdem extrem interessiert daran, wie es mit der Bewerbung vorangeht, und hilft mir sehr bei der Organisation. Eben hat er mir zum Beispiel ein Stück Kuchen vorbeigebracht, das ist, wie allgemein bekannt ist, essentiell für die Konzentration.

► DIE SCHOCKIERTEN.

Bisher nur in einem Fall aufgetreten: Der Vater einer meiner besten Freundinnen, selbst Ex-Straftäter. In seinem Fall verstehe ich den leichten Schock sogar. Er hat versucht, durch interessiertes Nachfragen seine Überraschung zu verbergen, was aber nur bedingt funktioniert hat. Trotzdem ist er einer der wenigen Leute, mit denen ich mich wirklich lange über die Anforderungen der Ausbildung unterhalten habe.

► DIE, DIE NUR NEBENBEI DAVON ERFAHREN.

Dazu zählt besagte Freundin. Eine Geschichte, die ich immer gerne erzähle. Ein Samstagnachmittag, wir waren in der Stadt, Geburtstagseinkäufe tätigen, und wären um ein Haar mitten in eine Pegida-Demo gerasselt. Ich sofort hin: Es stand eine gesamte Hundertschaft zum Abriegeln in Sichtweite, 14 Polizei-Bullys konnte ich zählen, mehrere Zivilfahrzeuge.

Und dann kam uns ein Teil der Hundertschaft entgegengerannt und verjagte und verfolgte ein paar Randalierer, die auf unserer Seite der Absperrung pöbelten. Um es kurz zu machen: Ich war so fasziniert vom Einsatz, dass ich weggezogen werden musste, um überhaupt weiterzulaufen.

Berechtigterweise kam die Frage: „Warum interessiert dich das alles so sehr?!“ Nach etwas Gestammel kam dann zögerlich „Berufswunsch.“ Seitdem haben wir nicht mehr darüber geredet.

► DIE UNGLÄUBIGEN.

Eigentlich ist der Name viel zu schön formuliert für diesen Typ Mensch. Das heftigste Beispiel hierfür ist wohl die Leiterin meiner ehemaligen Musikschule – Der erste und hoffentlich einzige Mensch, der vor Lachen fast auf dem Boden lag, als ich erwähnte, ich wolle nach dem Abitur zur Polizei. Und sie wollte gar nicht mehr aufhören zu lachen.

Ich hab mich dann ziemlich schnell verabschiedet… Ich denke, sie glaubt mir bis heute nicht, dass ich das ernst meinte und besonders nicht, dass ich das überhaupt schaffe. Und ich freue mich jetzt schon auf den Tag, an dem ich in Uniform vor ihr stehe und ihr ins Gesicht lache.

► DIE SUPPORTER.

Meine Lieblingskategorie und glücklicherweise auch die, die am vollsten besetzt ist. Das sind die Menschen, die mir ernsthaft interessiert bei meinen Ausführungen zuhören, Fragen stellen und mich einfach von Grund auf unterstützen. Es gibt leider wenig zu dieser Kategorie zu sagen, aber ihr könnt euch sicher sein, dass ich euch allen unglaublich dankbar bin. Ihr wiegelt die wenigen Ungläubigen so sehr wieder auf, dass die zur Nebensache werden. Danke!

► DIE ÜBERRASCHENDEN SUPPORTER.

Eine Unterkategorie der gewöhnlichen Supporter: Die, bei denen ich eigentlich gar nicht mit Unterstützung gerechnet habe, die sich im Endeffekt aber genauso zeigen wie die Supporter. Mein ehemaliger Musiklehrer zählt dazu, mein Deutschlehrer auch. „Ach, zur Polizei willst du? Das ist ja cool!“ Und überraschte Blicke gab es dann von beiden Seiten.

► DIE, DIE DAVON WISSEN, OBWOHL ICH NICHTS ERZÄHLT HABE.

Größtenteils Verwandtschaft, da ist das legitim. Leider zählt aber auch die gesamte Gesellschaft, mit der ich Silvester verbringen durfte, zu dieser Kategorie. Das war die Zeit, wo bisher nur meine Eltern von meinem Berufswunsch Kenntnis hatten und ich ihnen noch extra eingetrichtert hatte, nur bitte den Rand zu halten, weil ich mich damals erst noch besser über Anforderungen etc. informieren wollte, bevor ich den Plan an die große Glocke hänge.

Und dann kam einer der Gäste auf mich zu und erzählte mir, wie anstrengend doch so eine Polizeiausbildung war, und eigentlich saß ich nur in Schockstarre daneben. Trotzdem ist diese Kategorie nichts negatives. So sprach mich letztens die Mutter einer sehr guten Freundin überraschend darauf an und wir haben bestimmt eine Stunde geredet.

► DIE, DIE NOCH GAR NICHTS DAVON WISSEN.

Ja, eigentlich gehört diese Kategorie nicht zu den Reaktionen – von ihnen habe ich nämlich noch gar keine Reaktion bekommen. Das ist die Gruppe Mensch, bei denen ich seit Monaten zögere. Einerseits aus Angst, dass sie zu den „Ungläubigen“ zählen, andererseits aus Angst davor, dass sie den Kontakt abbrechen. Und das ist keine überspitzte Reaktion – ich bin mit einigen Punks befreundet, bei denen ich nicht ausschließen kann, dass sie mich krankenhausreif kloppen, wenn ich gestehe, dass ich in Zukunft den „Feind“ unterstützen will.

So viel zu den verschiedenen Reaktionen, die ich bisher auf meinen Berufswunsch bekommen habe. Im Nachhinein sind die Ungläubigen übrigens eine meiner Lieblingskategorien, über sie kann man sich nämlich herrlich amüsieren, sobald die erste Wut verraucht ist…

Über den Zusatz „In Köln“ lasse ich mich im nächsten Beitrag aus, die Kommentare dazu sind nämlich, wie gesagt, wirklich ein Thema für sich.

Wir wünschen Dir viel Erfolg auf dem Weg zum Polizisten. Noch bevor es soweit ist, scheint die Sache schon interessant zu werden 😉 Wir sind auf deine weiteren Blogeinträge gespannt.

Wer CopKopp folgen möchte, kann dies gerne tun:

Blog: https://copkopp.wordpress.com/
Twitter: https://twitter.com/copkopp