Diese beiden Polizisten stoppten den Messerstecher von Grafing

16. Mai 2016 at 14:07

Vergangene Woche berichteten wir über die schreckliche Bluttat von Grafing bei München. Ein Messerstecher hatte mehrere Menschen auf offener Straße angegriffen. Drei Schwerverletzte und ein Toter waren zu beklagen. Der Gewalttäter konnte durch eine Streife festgenommen werden.

Nun hat die Süddeutsche Zeitung die beiden Kollegen vorgestellt, die den Messerstecher stoppten. Der Kenner, der sich die beiden auf dem Bild anschaut, wird bemerken, dass sie noch recht jung wirken. Und tatsächlich muss man anerkennen, dass diese beiden Polizisten der Polizeiinspektion Ebersberg für ihr junges Alter hervorragende Arbeit geleistet haben und sich die Dramatik der Situation erst durch ihre Schilderung ergibt:

Polizeiobermeister Silvan Kusian (27) und Polizeioberwachtmeister Thomas Buschmeyer (18, Praktikant seit dem 1. Mai) waren morgens gegen 5 Uhr als erste Streife am Tatort. Als sie ausgestiegen waren, kam ihnen der Fahrdienstleiter entgegen gerannt. Er berichtete von einem Mann, einem Messer, und dass dieser geflüchtet sei.

Ein Verletzter lag auf dem Boden. Die beiden Polizisten sprachen sich mit dem Fahrdienstleiter ab, der bei dem Verletzten bleiben sollte, bis der alarmierte Rettungswagen eingetroffen war. Dann nahmen die Beamten die Verfolgung auf.

Als sie gerade um die Ecke gebogen waren, kam ein Funkspruch, dass der Messerstecher an den Tatort zurück gekehrt sei. Die beiden wendeten und als sie dort angekommen und ausgestiegen waren, sahen sie Paul H., den Täter. Kusian berichtet, dass er mit dem Täter Blickkontakt suchte. “Der Mann wirkte ganz ruhig und sah uns an”, erzählt er.

Kusian schrie den Messerstecher an, er solle sich auf den Boden lagen. Dieser antwortete nur mit “Ja” und legte sich auf die Straße. Dann schritten die beiden Polizisten zur Tat und nahmen den Täter widerstandslos fest. Erst nach der Festnahmen sahen die beiden das blutige Messer, welches der Täter in einem Holster an der Hosen stecken hatte.

Dann fuhren sie den Täter zur Wache, stellten seine Kleidung sicher und steckten ihn in eine Arrestzelle. Die Fahrt zur Wache sei ruhig verlaufen. Praktikant Buschmeyer saß hinten neben dem Täter. “Schon ein bissl ein mulmiges Gefühl” hatte er, da ihm so langsam die Gefährlichkeit der Situation bewusst wurde.

Auf der Wache verfolgten die beiden Beamten dann die Schreckensnachrichten von den Kollegen am Tatort. Als sie den Täter zur Wache verbrachten, wussten die beiden nur von einem Verletzten. Jetzt waren es plötzlich drei Verletzte und ein Toter.

Den beiden gingen nun Fragen durch den Kopf. Was wäre passiert, wenn der Täter das Messer gezogen hätte? Hatten sie einfach nur Glück oder war ihr Vorgehen richtig? Stimmte die Eigensicherung? Buschmeyer erinnert sich: “Ich fand es komisch, dass er alles so mitgemacht hat. Man wartet, dass da noch was kommt, aber es ging alles so schnell.”

Nach diesem schwierigen Dienst hatten die beiden Polizisten gemäß Dienstplan zwei freie Tage. Die brauchten sie auch, um etwas Abstand zu gewinnen und zur Ruhe zu kommen. Währenddessen ist ihr Chef Hendrik Polte froh, dass den beiden nichts passierte. Und voller Stolz sagt er: “Es ist alles wie nach Lehrbuch gelaufen.”

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/an-s-bahn-station-die-messerattacke-in-grafing-aus-sicht-der-polizisten-1.2991409

Saubere Arbeit, Jungs! Auch wenn Euch die ganze Tragik der Tat zum Zeitpunkt der Festnahme nicht bewusst war habt Ihr einfach euren Job erledigt. Für zwei junge Kollegen, davon einem Praktikanten, habt Ihr allen Respekt für euren Einsatz verdient! 👍