Ermittlungen für die Katz: 110 Verfahren, 1 Verurteilung

9. Mai 2016 at 15:42

110 Verfahren, 1 VerurteilungDer Mann ist heute 27 Jahre alt, er ist der Staatsanwaltschaft Meißen (Sachsen) aber schon bekannt, als er noch gar nicht strafmündig war. Die Bilanz seiner Straftaten bis heute: 110 Verfahren, 1 Verurteilung. Die Gründe sind immer dieselben: entweder wurden sie als Bagatelldelikte eingestellt oder der Täter war infolge Alkohol- und/oder Drogenkonsums strafunfähig.

Die Tatbegehung ist manchmal sehr ungewöhnlich, so dass die Polizisten staunen müssen. An einem Februarmorgen im vergangenen Jahr hatte der 27jährige einen anderen Man an einer Tankstelle bewusstlos geschlagen und war dann geflüchtet. Die Polizei fahndete nach ihm.

Als Polizisten ihn fanden, war er am Kopf blutüberströmt. Aber nicht etwa, weil er verletzt wurde, er hatte sich selbst in den Finger gebissen und sich mit blutender Hand über den Kopf gestrichen. Auch soll er hierbei versucht haben seinen Personalausweis aufzuessen. “So was sieht man nicht alle Tage” sagte einer der Polizisten, die dabei waren.

Diese Tat konnte nicht aufgeklärt werden, weil der Geschädigte an partieller Amnesie leidet, er kann sich an nichts mehr erinnern.

Bei einer anderen Tat 2012, einem räuberischen Diebstahl (Verbrechenstatbestand mit Strafandrohung nicht unter einem Jahr Freiheitsstrafe) konnte der Mann nicht verurteilt werden, weil er unter Alkohol- und Drogeneinfluss stand. Das Meißner Amtsgericht ordnete aber den Entzug in einer geschlossenen Anstalt an, in der er bis April 2014 war.

Bei einer anderen Tat war er von einem Detektiv dabei erwischt worden, wie er einen Teil der Ware im Kaufhaus bezahlten, den anderen Teil aber in Hose und Jacke versteckte. Als der Detektiv ihn darauf ansprach, soll der Mann ihn übel beleidigt, um sich geschlagen und seinen Rucksack gewaltsam festgehalten haben.

Der Detektiv setzte sich zu Wehr, was aber von umstehenden Passanten als zu hart angesehen wurde. So blieb vom räuberischen Diebstahl nur eine Verurteilung wegen Körperverletzung, Diebstahls, Sachbeschädigung, Beleidigung und Hausfriedensbruchs zu einer Geldstrafe von 1.150 Euro übrig.

In seiner Urteilsbegründung sagte der Richter: “Das ist dennoch ziemlich günstig für Sie ausgegangen.” Und der Staatsanwalt resümiert: “Es ist Ihr großes Glück, dass sich Ihre Eltern so um sie kümmern, sonst wären Sie längst in der Gosse gelandet.”

http://www.sz-online.de/nachrichten/versucht-den-personalausweis-aufzuessen-3391156.html

Wenn man bedenkt, welcher Ermittlungsaufwand für diese 110 Verfahren betrieben wurde und was am Ende dabei heraus kam, kann man nur den Kopf schütteln. Die Taten müssen aufgeklärt, Ermittlungen getätigt, Vernehmungen durchgeführt, Beweise gesichert und ausgewertet, und das alles schriftliche nachvollziehbar festgehalten werden…und dann wird das Verfahren eingestellt.

Ermittlungen für die Katz mit Frustgarantiefaktor bei den Kollegen.