Leserbrief: Die beste Polizei ist die, die den Bürger hinter sich hat

20. Mai 2016 at 22:26

Die beste Polizei ist die, die den Bürger hinter sich hatVor einigen Tagen teilten wir einen Leserbrief aus einer Zeitung, in dem der Autor der Polizei vorwarf, verweichlicht zu sein. Dieser Leserbrief hat schnell für eine kontroverse Diskussion in den Kommentaren gesorgt. Die einen kritisierten den Autor, die anderen gaben ihm Recht.

Uns erreichten nun diese Zeilen eines Kollegen aus Bayern, der seine Sicht auf diesen Leserbrief, auf den dort genannten Vorwurf und allgemein auf den Zustand der Polizei darstellen möchte:

Verweichlichte Polizei oder nicht zufriedenzustellende Gesellschaft?

Mit großer Spannung habe ich den letztens von euch geposteten Leserbrief gelesen, in welchem über die heutige – angeblich verweichlichte – Polizei berichtet wird.

Die Reaktionen der User habe ich genau so erwartet. Die eine Hälfte pflichtet dem Herrn bei, die Andere stempelt ihn als verbittert ab.

Wie viel ist dran am Leserbrief? Sind wir wirklich verweichlicht?

Nun ja, ich bin ein jüngerer Kollege und wenn ich von den älteren Kollegen höre, wie man noch vor 30 Jahren mit dem polizeilichen Gegenüber umgegangen ist, mag durchaus der Eindruck entstehen, dass wir über die Zeit sanfter wurden. Das kann man meiner Meinung nach aber nicht pauschalisieren.

Während man in den 80ern in der breiten Öffentlichkeit noch allgemein einen rauheren Umgangston pflegte, ist man heute besessen von „political correctness“. Man will nirgends anecken und tut man es, sind alle „empört“ und „entsetzt“, obwohl sie selbst nicht besser sind. Das Bild des unfehlbaren Bürgers, der zu Recht alles und jeden kritisieren darf, hat sich leider gefestigt. Die Deutschen wurden zu notorischen Nörglern.

So, kommen wir auf das Thema zurück. Während man früher auf den Kriminellen sauer war, weil er diese und jene Tat begangen hat, konzentriert sich die Kritik heutzutage seltsamerweise auf jene, die sich eigentlich das Lebensziel gesetzt haben, Kriminalität zu bekämpfen:

Uns Polizeibeamte.

Jemand legt einen heftigen Widerstand hin, die Beamten müssen entsprechend mit unmittelbarem Zwang reagieren und jetzt dürft ihr drei Mal raten, wer am Ende der Buhmann ist. Natürlich, wir. Dass der Festgenommene zuvor vielleicht jemanden niedergestochen hat? Egal. Dass er Widerstand leistete, um sich spuckte und biss? Egal.

Der mündige Bürger (der in 80% der Fälle seiner “Tipps” zufolge wohl viel besser weiß was wir rechtlich dürfen als wir selbst) sieht nur, wie ein -natürlich unschuldiger- Mann mit Polizisten kämpft und am Ende von diesen unrechtmäßig am Boden fixiert wird.

Genau hier liegt der Hund begraben: Wie soll eine Polizei konsequent und manchmal auch „mit Druck“ gegen Störer vorgehen, wenn sie sofort in den Medien zerfleischt wird und den Beamten somit Stück für Stück die Motivation am Dienst genommen wird?

Ich sage euch eins: Die beste Polizei ist die, die den gesetzestreuen Bürger hinter sich hat.

Natürlich, unsere „Erzfeinde“ werden uns nie mögen. Das ist aber nicht schlimm, es ist die Entscheidung jedes Einzelnen, ob er kriminell wird oder nicht.

Aber solange nicht nur die „Erzfeinde“ bei jeder Möglichkeit auf uns einprügeln, sondern auch die Medien und die Bürger, die sofort alles Schlechte glauben, was über uns erzählt wird, so lange werden viele meiner Kollegen wohl das ein oder andere Mal eine Maßnahme nicht durchsetzen, sondern es sein lassen.

Warum?

Lest euch doch die Artikel über uns und die dazugehörigen Kommentare durch. Bestes Beispiel Ludwigshafen. Der Kollege wird von mehreren Kommentatoren als „Schießwütiger Rambo“ hingestellt, obwohl er das in meinen Augen einzig Richtige getan hat. Er hat auf tödliche Gewalt mit tödlicher Gewalt geantwortet, um seinen Kollegen zu retten.

Der unfehlbare Bürger jedoch weiß es besser. Man hätte den Angreifer ja entwaffnen können (leicht im Internet nachzusehen wie „gut“ das ausgeht), oder dem Herrn in die Beine schießen können…

Schuster bleib bei deinen Leisten!

Man hütet sich, einem Arzt zu erklären, wie der Körper funktioniert, bei uns hingegen meinen viele, mehr Ahnung von Einsatztaktik, stressbedingten motorischen Ausfällen und der Rechtslage zu haben.

Bis zum heutigen Tag weiß ich nicht, wo das herkommt, dass so mancher Bürger der Meinung ist, ohne entsprechende Ausbildung auch nur mitreden zu können, geschweige denn es sich anzumaßen, uns zu erklären, was wir angeblich alles nicht dürfen.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Sind wir verweichlicht? Oh nein!

Wer anders denkt, dem wünsche ich, dass er gesetzestreu bleibt, und nicht eines Tages doch noch zu spüren bekommen muss, dass wir immer noch zupacken können, weil wir es müssen.

Der Autor ist uns namentlich bekannt, er möchte jedoch anonym bleiben. Dieser Leserbrief gibt die persönliche Meinung des Autors wider.

Auf diesen Leserbrief nimmt der Autor Bezug.