Rückzugsort für traumatisierte Beamte an Gewerkschaft übergeben

28. Mai 2016 at 17:55

Ein Rückzugsort, wo Beamte nach einer traumatisierenden Erfahrung zur Ruhe kommen und Hilfe erfahren können, ist eine wichtige Einrichtung. Denn es gibt Erlebnisse, die die Psyche überfordern und bei denen man auf Unterstützung angewiesen ist. Manchmal ist es dann besser, wenn man aus seinem gewohnten Umfeld heraus kommt.

Eine solche Einrichtung befindet sich zum Beispiel im bayerischen Lenggries. Dort unterhält die Deutsche Polizeigewerkschaft über ihre Stiftung seit 1999 auf einem 3.000 Quadratmeter großen Areal eine Anlage mit sieben Appartements, wo sich nicht nur Polizisten, sondern auch Beamte des Zoll, der Feuerwehr oder Justiz nach einer Traumatisierung zurück ziehen können.

Auf Wunsch müssen die Hilfesuchenden hier allerdings nicht alleine leben, sie können auch Angehörige mitbringen.

So wie Polizeihauptkommissar Peter Gerlach, der irgendwann nicht mehr konnte, was er allerdings erst selbst erkennen musste. Gerlach war am 17. September 2009 beim Amoklauf am Gymnasium Carolinum in Ansbach eingesetzt. Der 18jährige Täter hatte damals mit einem Beil und Molotowcocktails mehrere Schüler und Lehrer teils lebensgefährlich verletzt.

Kollege Gerlach ging hinein, traf den Täter an und streckte ihn mit Schüssen aus seiner Dienstwaffe nieder. Nach diesem Einsatz war für ihn nichts mehr, wie es war. Er war traumatisiert. “Es war ein schwieriger Schritt zu erkennen, dass etwas mit mir nicht stimmt”, erinnert sich Gerlach im Nachhinein.

Er litt an Kopfschmerzen, Albträumen und Unruhezuständen. Er suchte sich Hilfe und zog vorübergehend in diese Ferienanlage in Lenggries, wo er Zeit für sich hatte und an der Verarbeitung dieses schweren Einsatzes arbeiten konnte.

Damit die Stiftung der Gewerkschaft in die Anlage investieren kann, wurde nun vom Land Bayern die Miete in ein Erbbaurecht umgewandelt und Markus Söder als Finanz- und Heimatminister übernahm die politische Patenschaft.

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/wolfratshausen/traumatisierte-polizisten-auszeit-nach-dem-albtraum-1.2931103