Sprayer dreht den Spieß um: “Love the Police”

27. Mai 2016 at 17:49

Dass die Polizei in Reihen der Sprayer und der Linken kaum (eigentlich gar keine?) Unterstützer hat und auch nicht gut angesehen ist, ist kein Geheimnis. In so ziemlich jedem Land kann man entsprechende Zeugnisse negativer Einstellung gegenüber der “Ordnungsmacht” an Gebäudewänden und anderen Gegenständen zu sehen bekommen.

So auch im Koch-Areal in Zürich (Schweiz), welches durch Hausbesetzer – toleriert von der Stadt – angeeignet wurde. Dort liest man nicht nur die üblichen Beleidigungen wie “ACAB” oder “Fuck the Police”, dort kann auch ohne weiteres der Aufruf zum Mord an Polizisten stehen bleiben.

Entsprechender Schriftzug “Kill Cops” steht in in großen schwarzen Lettern, frei für jeden sichtbar, der durch die Rautistr. geht. Schulterzuckende Kenntnisnahme beim Bürger, kein Politiker der sich aufregt, die Stadt lässt diesen Aufruf einfach stehen.

Doch ein Sprayer hat nun dafür gesorgt, dass die Polizei auch Unterstützung aus dieser Szene bekommt. Er oder sie (das ist unbekannt) hat mit blauer Farbe Sprüche wie “Love the Police” gesprayt, oder das negativ behaftete “ACAB” in “All Cops Are Beautiful” abgeändert.

In der Neuen Zürcher Zeitung hat Jan Hudec in seiner Glosse folgende Meinung dazu:

“Mit diesem ironischen Spiel entlarvt er die Borniertheit der Graffiti-Szene in ihrem nur vermeintlich rebellischen Gestus gegen eine Polizei, die ja hierzulande alles andere ist als der repressive Arm einer Macht, die jeden Andersdenkenden mit Gewalt unterdrückt.

Ja, er entpuppt sich mit seinen polizeifreundlichen Botschaften als der eigentliche Rebell unter einer Horde von Schafen, die munter das Mantra der bösen Polizei blöken. Mag sein, dass der besagte Sprayer gar nicht so weit gedacht hat und mit der Aktion einfach ein paar Freunde hat ärgern wollen.

Diese wirkt aber so oder so als Denkanstoss, und zwar nicht nur bei jenen, die gerne zur Spraydose greifen, sondern auch bei allen anderen, denen es ziemlich wurst ist, wenn öffentlich eine ganze Berufsgruppe diffamiert wird.”

http://www.nzz.ch/zuerich/aktuell/polizeifreundliche-graffiti-der-rebell-unter-den-sprayern-ld.84468

Danke an den unbekannten Sprayer und danke an die NZZ, die darüber berichtet hat.

Hier wird wieder klar, dass Verallgemeinerungen niemanden wirklich gerecht werden. Selbst in der Sprayerszene gibt es offenbar Leute, die die Polizei doch nicht so schlimm finden, wie sie oft dargestellt wird.

Wir danken Toby und Martin für den Hinweis.