Gerichtsurteil: Nicht versuchter Mord, sondern gefährliche Körperverletzung

13. Juni 2016 at 14:10

Schraubenzieherattacke nur gefärhliche KörperverletzungIm vergangenen Dezember berichteten wir über einen Vorfall in Bruchsal (Baden-Württemberg), bei dem Polizisten einen Einbrecher stellten. Bei der Festnahme wehrte sich dieser und stach mit Schraubenziehern auf die Beamten ein, die nur deswegen keine schwereren Verletzungen davon trugen, weil ihre Schutzwesten diese verhinderten.

Trotz Prellungen, Hämatomen und Schnitt- bzw. Schürfwunden im Bereich der Arme und Beine, nahmen die beiden Polizisten im Alter von 31 und 21 Jahren die Verfolgung des flüchtenden Täters auf und nach Abgabe mehrerer Warnschüsse gelang ihnen zusammen mit Unterstützungskräften die Festnahme.

Die Polizisten mussten nach dem Einsatz den Dienst vorzeitig beenden.

Der Vorfall wurde vor dem Landgericht Karlsruhe verhandelt. Angeklagt wurde der Gewalttäter wegen versuchten Mordes und Diebstahls.

Das Gericht wertete sein Geständnis strafmildernd und konnte das Motiv der Tötungsabsicht nicht erkennen, vielmehr habe der Angeklagte in einer Kurzschlussreaktion auf die Polizisten eingestochen. Der Angeklagte äußerte vor Gericht, dass ihm das Geschehene leid tue und er niemanden habe verletzen wollen.

Das Urteil:

Der 31jährige Gewalttäter wurde wegen Diebstahls und gefährlicher Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Der SWR schreibt hierzu:

“Außerdem gab er zu, nicht nur in Bruchsal, sondern auch in Südbaden rund 40 Mal in Bäckereifilialen eingebrochen zu sein. Wegen dieser Serie erwartet ihn vor dem Freiburger Landgericht dann eine deutlich höhere Strafe.”

http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/karlsruhe/gestaendnis-zum-auftakt-versuchter-mord-vor-dem-landgericht-karlsruhe/-/id=1572/did=17518892/nid=1572/1g52n3v/index.html

Das Urteil ist eine Klatsche für die verletzten Kollegen. Hätten sie nicht die Schutzwesten getragen, wären die Verletzungen insbesondere im Brustbereich wesentlich schlimmer ausgefallen!

Wie hier Rechtfertigungsgründe zur Abwertung des angeklagten Delikts führen können bleibt fragwürdig, denn dem Täter dürfte es in dieser Situation ziemlich egal gewesen sein, ob die Kollegen “nur” verletzt oder sogar getötet werden.

Es bleibt abzuwarten, wie er für die zahlreichen Einbrüche verurteilt wird und ob ein Sachschaden höher bewertet wird als Leib und Leben von Polizisten.