Attentat von Würzburg: “Eine deutlichere Notwehr-Situation kann man sich nach meiner Ansicht gar nicht vorstellen.”

22. Juli 2016 at 17:50

Attentat von WürzburgNach dem Attentat von Würzburg, bei dem vier Zugpassagiere und eine Fußgängerin mit einem Messer und einer Axt schwer verletzt wurden, sind Ermittlungen aufgenommen worden, um den Fall aufzuklären. Die Ermittlungen erstrecken sich hierbei in zwei Richtungen: Warum hat der 17jährige Afghane diese Tat begangen und war der Schusswaffengebrauch durch die Polizei gerechtfertigt, bei dem der Gewalttäter sein Leben verlor?

Der Leitende Oberstaatsanwalt Bardo Backert hat sich nun dazu geäußert. Er erzählt die dramatischen Minuten von der Tat bis zum zum Rettungsschuss durch die Beamten des Spezialeinsatzkommandos (SEK).

Gegen 21:15 Uhr war der Notruf eingegangen, dass ein Mann in einem Zug Menschen attackiere. Die Notbremse wurde betätigt und der Täter konnte in Richtung Main flüchten. Auf seiner Flucht attackierte er noch eine Fußgängerin.

Dann versteckte er sich im Dickicht. Wie Backert bestätigt, konnten die Polizisten den flüchtigen Täter nicht sehen, bis er die Polizisten angriff. In Zweiergruppen seien die Beamten auf der Suche nach dem Flüchtigen gewesen und hätten hierbei “Stopp! Polizei!” gerufen. Es muss dem Täter also klar gewesen sein, dass die Polizei nach ihm sucht.

Plötzlich sei der Gewalttäter aus dem Gebüsch gesprungen und mit erhobener Axt auf die Polizisten des SEK zugerannt. Diese hätten sofort das Feuer eröffnet und trafen bei fünf abgegebenen Schüssen vier mal den Attentäter. Dieser war nur noch drei Armlängen von den Polizisten entfernt.

Laut Backert habe es für die Polizisten keine andere Möglichkeit mehr gegeben, als zu schießen. Hierbei machte er deutlich: “Kein Polizeibeamter, der nicht eigens für solche schwierigen Situationen geschult ist, hätte so reagieren können.”

Deswegen nannte er es auch einen Glücksfall, dass das SEK aus Nürnberg zu einer verdeckten Operation gerade in Würzburg eingesetzt war und deshalb so schnell vor Ort sein konnte. Wäre der Attentäter auf diese Weise auf Streifenpolizisten gestoßen, hätte die Sache schlimmer ausgehen können, schlimmstensfalls mit Toten auf beiden Seiten.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Bardo Backert kommt daher zu dem Entschluss:

“Eine deutlichere Notwehr-Situation kann man sich nach meiner Ansicht gar nicht vorstellen.”

So war die Gefahr, nach Absetzen des Notrufs gegen 21:15 Uhr, bereits gegen 21:55 Uhr gebannt.

Aus diesem Grunde wurden die SEK-Beamten auch als Zeugen und nicht als Beschuldigte vernommen. Sie befinden sich weiterhin im Dienst.

http://www.sueddeutsche.de/bayern/staatsanwaltschaft-eine-deutlichere-notwehr-situation-kann-man-sich-gar-nicht-vorstellen-1.3088286

Wir sind erleichtert über diesen Entschluss der Staatsanwaltschaft.

In Gedanken sind wir bei den Kollegen, die diesen Einsatz noch verkraften müssen. Aber auch bei den Opfern dieser Gewalttat sind unsere Gedanken, die teils noch immer schwer verletzt in Lebensgefahr schweben. Wir wünschen ihnen möglichst schnelle und baldige Genesung!