Auf ein Wort: “Was bedrückt sie, Herr Kommissar?”

31. Juli 2016 at 20:39

Was bedrückt sie, Herr Kommissar?

Karikatur by Tomicek

Wir bekommen immer wieder Kritik zu hören oder zu lesen. Meist kommt diese Kritik von Menschen, die keine gute Meinung von der Polizei oder auch von uns Polizisten haben, oder die uns schlichtweg hassen. Damit können wir umgehen, denn wir können es nicht jedem Recht machen. Das bringt der Dienst einfach mit sich und das wissen wir auch.

Kritik kommt aber auch teils aus den eigenen Reihen, wobei wir hierbei feststellen, dass von der Basis durchweg Lob und Anerkennung weitaus überwiegen. Das freut uns und motiviert, wohingegen vorgenannte Kritik dann doch zu Denken gibt. Klar machen wir auch mal Fehler, das gehört zum Menschsein dazu.

Um es klar benannt zu haben: Diese Seite beschäftigt sich mit der Organisation Polizei, wie auch mit dem Polizist-Sein; positiv wie negativ gehören hier eng zusammen. Zahlreiche Leserbriefe, die Alben “Die positive Geschichte”/”Fanpost”/”Die Polizei im Bild”, aufmunternde Worte und Bilder von Kollegen und Bürgern, die Respekt und Anerkennung aussprechen, zeigen ganz eindeutig, dass der Dienst als Polizist nicht immer negativ ist und auch schöne Seiten hat.

Es gibt aber auch die andere Seite, angegriffene, verletzte und getötete Kollegen, fehlender Respekt, offener Hass uns gegenüber, werden hier ebenso genannt. Unsere Seite will all das darstellen, positiv wie negativ. Genauso, wie der tägliche Dienst nun mal ist. Da kommt man von einem netten oder lustigen Einsatz ganz schnell zu einem schwierigen Sachverhalt, der gedanklich hängen bleibt oder sogar auf der Seele brennt.

Daher sind wir der Meinung, dass auch Kritik und eine eigene Meinung von unserer Seite aus möglich und erlaubt sein muss.

Wenn wir denn kritisch berichten oder kommentieren, geht es uns nicht darum, jemanden anzugreifen, um des Angriffs willen. Es geht uns darum, positive wie negative Dinge zu benennen, darauf hinzuweisen, was uns Polizisten beschäftigt, damit man sich an geeigneter Stelle Gedanken darüber machen kann, wie man diese evtl. mildern oder abstellen kann. Natürlich nur, wenn dort auch der Wille dazu da ist.

Der Polizeiberuf ist in hohem Maße von der Politik “abhängig”. Das liegt in der Natur der Sache, denn der höchste Dienstherr ist immer ein Politiker, nämlich der jeweilige Innenminister. Die Innenminister sind demokratisch gewählt worden und versehen ihren Job im Auftrag des Volkes, so wie wir Polizisten unseren Dienst am Bürger leisten.

Politiker wie Polizisten stehen unter einem hohen öffentlichen Druck, denn alles, was sie tun, wird öffentlich berichtet, kritisiert, diskutiert, zuweilen auch angegriffen, verhöhnt, verspottet. Da ist es manchmal nicht leicht, mit dem, was da (teils krass) formuliert wird, umzugehen (Stichwort: Hatespeech).

Wenn wir in den Kommentaren Dinge lesen wie “Merkel muss weg”, “die Politik ist schuld” oder “die Politiker kannst du vergessen, die stehen nicht hinter euch”, wird das der Sache ebenso wenig gerecht, wie die folgenden Verallgemeinerungen: “ACAB”, “Polizist sind unfreundlich und selbstgerecht, denen geschieht das zurecht” oder “alle Polizisten sind Schweine”.

Schublade auf, Schublade zu, ganz einfach; und gefährlich dazu, weil es keine andere Meinung zulässt.

Da es nun mal so ist, wie es ist, die Politik Einfluss auf Ausstattung, Personal und rechtliche Rahmenbedingungen der Polizei hat und wir Polizisten angesichts der aktuellen Lage nicht unbedingt damit zufrieden sein müssen (da wir in entsprechende Meinungsfindungsprozesse oft gar nicht eingebunden sind), stellt Kritik unsererseits nicht die politischen Entscheider komplett in Frage, weist aber sehr wohl auf Probleme hin, die benannt werden sollen und müssen; eigene Meinung inklusive.

Nein, es ist nicht alles schlecht im Leben eines Polizisten und wir sind auch nicht Prügelknabe der Nation – auch wenn es sich manchmal so anfühlt.

Es sei uns nur gestattet, wenn die Justiz subjektiv etwas Unterstützung “im Namen des Volkes” missen lässt, Politiker tatsächlich mal eine Fehlentscheidung getroffen haben (was in jedem Beruf vorkommt, auch bei uns), Kritik am polizeilichen Vorgehen (egal von wem) die notwendige Sachlichkeit nicht erkennen lässt, dies auch zu formulieren. Natürlich immer aus unserer persönlichen Sicht.

Das wird nicht jedem gefallen, muss es auch nicht. Wir Polizisten agieren hier in eigener Sache und so wie der Dienst eben ist, liegen Lob und Tadel, Freud und Leid, eng beieinander.

Daher danken wir jedem, der uns sachlich Lob oder Kritik zukommen lässt, der Respekt und Anerkennung formuliert, Zuspruch und Beistand leistet, Unterstützung anbietet!

Und so, wie es auf der angehängten Karikatur zu sehen ist, gibt es tatsächlich momentan einiges, wo bei uns der Schuh drückt. Manches wäre nice to have, bei anderen Dingen kann unser Leben davon abhängen. Und was wäre wertvoller als das eigene Leben?

Danke für die Aufmerksamkeit!

Karikatur by Tomicek​, dem wir persönlich für seine oft treffende Darstellung von Polizeithemen Dank aussprechen möchten 👍