Kriminalpolizist erzählt aus seinem Dienstleben

7. August 2016 at 20:07

“Das Schlimmste ist nicht die Konfrontation mit dem Tod, sondern den Angehörigen die Nachricht zu überbringen”

Rainer Lange ist Kriminalpolizist, und das schon ziemlich lange. Der zur Polizei Chemnitz (Sachsen) gehörende Beamte trat den Polizeidienst 1979 noch in der damaligen DDR an und wird bald mit etwas über 60 Jahren seinen Ruhestand antreten.

Lange hat aus seinem Dienstleben viel zu erzählen. Berufsbedingt sind es allerdings Dinge, die nicht so schön sind. Denn Lange ist Sachsens dienstältester Sachbearbeiter für nichtnatürliche Todesfälle. Er kommt also, wenn es für alle anderen zu spät ist.

“Leichensachbearbeiter” nennt er sich selbst, oder scherzhaft “Sachbearbeiter im Kommissariat Not und Elend”, auch wenn es in seinem dienstlichen Alltag nichts zu lachen gibt. Aber es ist wichtig, persönlichen Abstand zu den dienstlichen Erlebnissen zu haben, ansonsten könnte man diese Arbeit überhaupt nicht machen.

So erzählt Kripomann Lange von einem Fall, den er bearbeiten musste. Die Eltern eines siebenjährigen Kindes hatten dieses zur Oma gegeben. Die Oma hatte Badewasser eingelassen, das Badezimmerfenster stand offen, davor ein Stuhl. Als der Enkel ein Feuerwehrauto hörte, steigt er auf den Stuhl und fällt hinunter. Für ihn kam jede Hilfe zu spät.

Vier Wochen später musste Lange dieselbe Wohnung noch einmal aufsuchen: “Da hatte sich die Oma das Leben genommen: Weil sie den Tod des Enkels nicht verkraften konnte.”

Oder der Fall eines jungen Mannes, der mit seinem Fahrrad tödlich verunglückte, an seinem Geburtstag. Die Angehörigen hatten bereits für die Party gerichtet und warteten auf das Geburtstagskind. Als Lange vor der Tür stand, dachten alle an einen Überraschungsgast. “Ich setzte mich an die Stirnseite des Tisches, wo eigentlich der Jubilar Platz nehmen sollte, und musste der versammelten Gesellschaft sagen, was passiert war. Das sind solche Momente gewesen, wo ich am liebsten hingeschmissen hätte”, erzählt Lange.

“Das Schlimmste ist nicht die Konfrontation mit dem Tod, sondern den Angehörigen die Nachricht zu überbringen”, zieht Kollege Lange Bilanz nach über 30 Jahren im Dienst.

Er berichtet gegenüber FreiePresse noch weitere Geschichten aus seinem Dienstleben. Es ist fast eine Art Resümee, denn er hat sich nun dafür entschieden in den Ruhestand zu gehen und sich um seine eigenen Enkel zu kümmern.

Und das aus gutem Grund, denn auch hier kann er wieder aus Erfahrung sprechen: “Ich habe Kollegen erlebt, die haben für das Rentnerdasein große Pläne geschmiedet. Dann waren sie plötzlich tot.”

Den vollständigen Bericht könnte ihr hier nachlesen:

http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/TOP-THEMA/Ein-Leben-mit-dem-Tod-artikel9590728.php