Leserbrief: Aus eigener Erfahrung weiß ich, es ist nicht immer das Elternhaus schuld

16. August 2016 at 21:19

Leserbrief: Aus eigener Erfahrung weiß ich, es ist nicht immer das Elternhaus schuld

Hallo!

Ich habe gerade den Beitrag gelesen, dass die Wurzeln für gewisses Verhalten im Elternhaus gelegt werden. Ich möchte mich gerne kurz dazu äussern.

Ich widerspreche dem nicht zu 100%, kann aber auch nicht ganz zustimmen. Als Beispiel meine eigene Situation:

Ich arbeite als Staatsanwältin in der Schweiz, meine Schwester, knapp 2 Jahre jünger, steht auf der “anderen Seite”, ist drogenabhängig und kriminell. Wir wurden genau gleich erzogen, haben die gleichen Werte auf den Weg bekommen – und trotzdem können wir unterschiedlicher nicht sein.

Ich möchte einfach daran erinnern, dass das soziale Umfeld, insbesondere die Freunde, ab einem gewissen Alter erheblichen Einfluss ausüben und auch “gut” erzogene Menschen auf den schlechten Weg gebracht werden können. Da können noch so gute Wurzeln vorhanden sein.

Mein Lebenspartner arbeitet als Polizeibeamter und wir hören immer wieder aus unser beider Umfeld, dass für Handlungen von jungen Erwachsenen die Eltern verantwortlich gemacht werden.

Mein Partner hatte anfangs auch diese Ansicht. Durch meine eigene Situation weiss ich aber, dass es leider nicht immer so einfach ist, und auch gute Wurzeln durch den falschen Einfluss vergiftet werden können.

Ich halte sehr viel vom Pressesprecher der Münchner Polizei (zumal sein Auftritt anlässlich der Tat in München phänomenal war) und hoffe einfach, dass er auch solche Konstellationen wie die meine bei seiner nächsten Aussage bedenkt.

Ich denke, man kann sagen, dass die Grundierung im Elternhaus gelegt wird, vielleicht sogar eine Saat ausgestreut wird, aber was da wächst und wie es sich entwickelt hängt zum grössten Teil auch vom weiteren Umfeld und vom eigenen Charakter ab, den leider auch die Eltern nicht wirklich mitbestimmen können.

Ich hoffe, ich trete niemandem zu nahe, aber es erscheint mir wichtig, dass man auch diese Seite beachtet.

Zum Schluss herzlichen Dank für diese spannende Facebookseite und die guten Beiträge! Sie werden auch in der Schweiz mitverfolgt.

Und bei gewissen Beiträgen über Angehörige von Polizeibeamten, die jemanden verloren haben, bekomme ich Gänsehaut und hoffe, dass ich davon verschont bleibe!

Freundliche Grüsse aus der Schweiz

Die Autorin ist uns namentlich bekannt, möchte aber anonym bleiben. Der Leserbrief gibt die persönliche Meinung der Autorin wider.

Den Beitrag, auf den die Autorin Bezug nimmt, könnte ihr hier nachlesen.