Personalmangel, Geldmangel, Arbeitsdruck: Acht von zehn Polizisten überlegen zu kündigen

18. August 2016 at 18:03

Nein, diese Meldung stammt nicht aus Deutschland oder einem anderen Land im deutschsprachigen Raum, aber aus einem europäischen Land, nämlich aus Schweden. Und falls jemand im folgenden Bericht Parallelen hierzulande feststellen sollte, sind diese natürlich rein zufällig.

Erica Bäckius war Verkehrspolizistin in Schweden, mit Betonung auf “war”. Denn sie hat, wie viele ihrer Kollegen, gekündigt. 13 Jahre lang hat sie ihrem Staat und den Bürgern gedient, aber dann war Schluss.

“Es wurde nicht besser, wie ich eigentlich gehofft hatte. Es wurde schlechter und schlechter die ganze Zeit. Und das liegt besonders daran, dass nicht genug Leute da sind”, erklärt Bäckius.

Acht von zehn der 20.000 schwedischen Polizisten denken laut einer aktuellen Umfrage über eine Kündigung nach. 240 Polizisten haben alleine dieses Jahr bereits die Kündigung eingereicht und das sind bereits 60 Prozent mehr als im selben Vorjahreszeitraum.

So wie Bäckius, die über zu wenig Gehalt, zu wenig Personal und steigenden Arbeitsdruck klagte. Bei letzterem spielen die vermehrten Grenzkontrollen und die steigende Bandenkriminalität eine große Rolle.

Kritik kommt aber nicht nur aus den Reihen der Polizei, auch die Politik hat teilweise die Probleme erkannt. So kritisierte Ex-Justizministerin Beatrice Ask die Tatenlosigkeit der schwedischen Regierung:

“Bisher hat Innenminister Ygeman darauf gesetzt, dass die Polizei mit all dem fertig wird. Aber offensichtlich funktioniert das nicht. Wir sehen, dass immer mehr Polizisten aufhören, wir wissen, dass es Unzufriedenheit gibt und wir haben Gegenden, in denen die Polizei stärker sein muss, als sie es heute ist.”

Und das zeigt sich im dienstlichen Alltag. In Schweden gibt es etwa 50 No-Go-Areas, wo sich kein Streifenpolizist mehr blicken lassen kann. Entsprechend hoch ist dort die Kriminalitätsrate. Dann binden die Grenzkontrollen viele Polizeikräfte und wegen der steigenden Bandenkriminalität brennen jede Nacht Fahrzeug und immer wieder geschehen brutale Morde.

Die aktuelle rot-grüne Regierung fühlt sich allerdings nicht zuständig und verweist darauf, dass sie Polizeihaushalt und -stärke vom Vorgänger übernommen habe. Zwar erkennt Innenminister Anders Ygeman die Problematik und stellt für den Herbsthaushalt Besserung in Sicht. Ob diese aber tatsächlich kommt und in welchem Umfang wird sich erst zeigen müssen.