Plädoyer: Die Bürger möchten ihren Schutzmann wieder haben

8. August 2016 at 22:32

“Her mit der Polizei! Die Sehnsucht der Bevölkerung nach einer starken Polizei ist so groß wie seit Jahren nicht mehr. Der „Schutzmann“ soll uns Sicherheit geben. Gefährdet aber sind vor allem die Polizisten selbst.”

Bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ist ein sehr lesenswerter Artikel erschienen, der mit dem obigen Zitat beginnt. Die Autorin Karin Truscheit berichtet unter Bezugnahme auf die Vorfälle in Bayern im Juli dieses Jahres, dass die Angst vor dem Terror gestiegen sei.

Als in München zunächst von einem Terrorangriff ausgegangen wurde und dadurch alles, was Bayern, die Nachbarbundesländer, der Bund und auch das benachbarte Österreich an Polizisten aufzubieten hatte, alarmiert wurde und auf die Straßen Münchens geschickt. “Vor den Augen der Welt, tadellos funktionierend”, so Truscheit.

Aber letzten Endes brauche es Lebensgefahr, Polizisten und Spezialeinheiten mit der Waffe im Anschlag auf unseren Straßen, um den Menschen vor Augen zu führen, dass die Polizei da ist, wenn man sie braucht.

Und nach den Nächten von Würzburg, Ansbach und München “ist nun der Polizist, der eigentlich doch ‘Freund und Helfer’ sein sollte, wieder zum ‘Schutzmann’ im Wortsinne geworden, zum Schutzmann der gesamten Nation jedoch. Eine Rolle, die so deutlich noch nie zuvor von ihm verlangt wurde.”

So seien die Erwartungen an die Polizei gestiegen und die Erwartungen der Polizei gegenüber ihrer Schutzausrüstung ebenfalls. Manche Bundesländer rüsten auf, besorgen neue Schutzausstattung, teils sogar andere Waffen und Munition.

Wie sich die Zeiten gewandelt hätten, zeigten alleine schon die Änderungen der persönlichen Ausrüstung der Polizisten. Wo früher die Waffe, ein Gummischlagstock und die Handschellen reichten, kämen nun ein Teleskopschlagstock, Pfefferspray, Taschenlampe, Kombinationswerkzeug und Latex-Handschuhe hinzu. Und viele packten sich zu den eh vorhandenen Handschellen noch zusätzliche Plastikschließen an den Gürtel.

Truscheit berichtet auch von der Gewalt gegen Polizisten: “So wurden im Jahr 2015 33.773 versuchte und vollendete Fälle von Gewalttaten gegen Polizisten registriert. Darunter Delikte wie Mord (11 Fälle), Totschlag (37) oder Körperverletzungen und Bedrohungen (insgesamt rund 13.000 Fälle).”

Hierbei nähmen die Widerstandsdelikte mit über 20.000 Fällen im vergangen Jahr die größte Gruppe ein.

Auch berichtet Karin Truscheit von herab gesenkten Einstellungsvoraussetzungen bei der Polizei. Zwar werde offiziell dementiert, dass die Bewerberzahlen zurück gingen. Wenn aber die Bundespolizei erstmals die Mindestgröße aufhebe, über erlaubte Tattoos im sichtbaren Bereich diskutiert werde, oder in Schleswig-Holstein beim Prüfungsdiktat keine Rechtschreibfehler mehr zählten, zeige das eine andere Situation.

Traumjob Polizist? Für viele offenbar nicht mehr, dabei möchten die Bürger wegen gestiegener Gefahren ihren “Schutzmann” wieder haben.

Ausführlich, aber sehr lesenswert! Bitte hier weiter lesen:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/die-sehnsucht-nach-starker-polizei-ist-so-gross-wie-lange-nicht-14375022.html

Vielen Dank an Martin für den Link!