Sie hatte ihre Kollegen heimlich für TV-Sender gefilmt: Polizistin soll entlassen werden

9. August 2016 at 21:10

Heimlich die Kollegen gefilmtIn Köln (Nordrhein-Westfalen) ist eine Polizistin zusammen mit einer Journalistin und einem Kameramann aufgeflogen, als sie heimlich bei einem Einsatz Polizisten filmten. Für alle Beteiligten wird dies rechtliche Konsequenzen haben.

Die Polizei Köln führte vergangene Woche am Hauptbahnhof und auf der Domplatte Präsenzmaßnahmen durch, als Polizisten ein Mann auffiel, der sich auffällig verhielt. Der 29jährige wurde kontrolliert und bei ihm in der Tasche fanden die Beamten eine laufende Kamera.

Bei Ermittlungen direkt vor Ort stellte sich heraus, dass der Kameramann Kontakt zu einer 26jährigen Polizistin hat, die ebenfalls dort eingesetzt war. Auch bei der Bereitschaftspolizistin fanden die Ermittler ein Bild- und Tonaufnahmegerät. Polizistin und Kameramann fertigten offenbar im Auftrag einer Produktionsfirma für investigativen Journalismus heimlich Aufnahmen an.

Es wurden sogleich Ermittlungen wegen Verletzung von Privatgeheimnissen bzw. Beihilfe/Anstiftung hierzu aufgenommen. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungsführung dem Polizeipräsidium Düsseldorf übertragen.

Zudem wurde die Polizistin suspendiert. Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies erklärte hierzu: “Das für mich, meine Behörde und insbesondere auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter notwendige Vertrauen gegenüber dieser Beamtin ist unwiderruflich zerrüttet. Gegen die bereits Suspendierte habe ich heute das Entlassungsverfahren eingeleitet!”

Zwischenzeitlich hat der TV-Sender RTL zugegeben, dass die Aufnahmen in ihrem Auftrag angefertigt wurden und hat das bis dahin entstandene Videomaterial der Staatsanwaltschaft übergeben.

Auch wenn sich RTL insgesamt bedeckt hält, für welches Sendeformat die Aufnahmen angefertigt wurden, gab man dort zu, “im Zuge einer investigativen Recherche über die Arbeitsbedingungen bei der Polizei auch mit einer Polizistin zusammengearbeitet zu haben.”

Als Ziel gab RTL an, “Einblicke in die Arbeitsabläufe des Polizeialltags zu bekommen, um zu dokumentieren, welchen Bedingungen Polizisten ausgesetzt sind. Wir haben in diesem Zusammenhang diverse Hinweise von Insidern, u.a. über erheblichen Arbeitsdruck und Stress in der Belegschaft sowie z.T. Übergriffe und Respektlosigkeiten gegenüber Polizisten im Einsatz, erhalten.”

Die Journalistin soll laut RTL bis zum vergangenen Jahr für die Sendung “Team Wallraff” gearbeitet haben. Bei den heimlichen Aufnahmen sei es angeblich nicht um diese Sendung gegangen.

Die in der Wohnung der Bereitschaftspolizistin sichergestellten Beweismittel sollen ebenso wie die von RTL übergebenen Filmaufnahme nun ausgewertet werden.

Links zum Thema:

http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/12415/3396694

http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/12415/3398832

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/koelner-polizistin-soll-kollegen-heimlich-gefilmt-haben-a-1106303.html

http://www.dwdl.de/nachrichten/57132/staatsanwaltschaft_koeln_ermittelt_offenbar_gegen_rtl/

Eine folgerichtige Entscheidung, die Kollegin aus dem Verkehr zu ziehen. Jeder Beamte kennt seine Pflichten und sie hat hier eindeutig gegen ihre verstoßen und das Vertrauen der eigenen Kollegen zerstört. Der Kollegin aber alleine die Schuld in die Schuhe zu schieben greift zu kurz, denn hier hat auch der Sensationsjournalismus einen gehörigen Teil dazu beigetragen.