Als die Flüchtlinge kamen: Ein Polizist erzählt

1. September 2016 at 23:31

Leutnant Manfred Schreiner von der Polizeiinspektion Nickelsdorf (Österreich), direkt an der ungarischen Grenze gelegen, ist schon seit 24 Jahren Polizist. Er hat schon einiges gesehen und erlebt. Aber was er Anfang September 2015 erlebte, stellte alles dagewesene in den Schatten.

Als er am 4. September 2015 gegen 17 Uhr seine Schicht als stellvertretender Schichtleiter antritt, erwartet er eigentlich eine ruhige Schicht. Doch dann kam gegen Mitternacht ein Anruf von der Einsatzleitung in Wien: Die Flüchtlinge, die zuvor am Budapester Bahnhof festsaßen und die der ungarische Premier Victor Orbán nun Richtung Österreich, Richtung Deutschland, schickte, machten sich auf den Weg.

Zu Fuß und mit Bussen bewegen sich die Menschen Richtung Grenze, etwa 3.000 sollen es alleine in dieser Nacht sein (bekannt geworden als der “March of Hope”) und Leutnant Schreiner soll sich mit seinen Kollegen um sie kümmern. Gegen 3 Uhr nachts kommen die ersten an.

“Es hat in Strömen geregnet, es war wie in einem schlechten Film. Die Menschen waren sehr erschöpft. Apathisch. Den einen war kalt, die anderen hatten Hunger”, erinnert sich Schreiner.

“Wann immer man rausgesehen hat, morgens, mittags oder abends, da waren so viele Menschen. Es war wie ein Standbild”, sind seine Eindrücke von der längsten Schicht seines Dienstlebens. Nach 24 Stunden wird erst wieder nach Hause fahren können

Noch heute lassen ihn die Bilder und Eindrücke dieser und der Dienste in den folgenden Wochen nicht los.

Unter dem Eindruck des Erlebten und der anfänglich hohen Hilfsbereitschaft von Organisationen und Bürgern sagt er: “Rückblickend würde ich sagen, dass die Hilfsbereitschaft groß war und durch alle Schichten gegangen ist. Doch irgendwann kam die Gesellschaft an einen Erschöpfungszustand.”

Den ganzen Bericht könnt ihr hier nachlesen:

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-08/grenze-oesterreich-ungarn-fluechtlinge-polizei-fluechtlingspolitik