Aufgrund eigener Erlebnisse sage ich: Es ist schön, dass es Euch gibt! (von Luci)

17. September 2016 at 22:14

Luci: Es ist schön, dass es Euch gibt!

Hallo liebes polizISTmensch-Team, hallo liebe Leser! 😀

Ich selber bin keine Polizistin, habe aber schon Erfahrungen mit der Polizei machen dürfen, die mich über Jahre hinweg immer wieder beschäftigt haben. Ich weiß, dass ihr definitiv keinen leichten Job habt. Das wird das folgende bestätigen.

Als ich elf Jahre alt war, haben sich meine beiden größeren Brüder (12 und 14) um die Fernbedienung und somit ums Programm gestritten. Sowas kommt sicherlich täglich in Tausenden Familien vor. Nichts Ungewöhnliches sollte man meinen.

Hätte der eine (14) dem anderen (12) nicht im Streit eine 9mm Waffe an den Kopf gehalten und damit gedroht abzudrücken, wenn der jüngere nicht endlich die Fernbedienung raus rückt. Meine Mutter, selber Beamtin, war heillos überfordert. Mit uns, meinem Bruder, der generellen Situation…

Bis heute weiß ich nicht wer damals die Polizei rief. Am Tag danach beim Spielen auf dem Hof mit anderen Kindern kam es zur Sprache: eines der Kinder muss es seinen Eltern erzählt haben die wohl daraufhin die Polizei informierten.

Abends dann, es war ein Mittwoch, habe ich mich total erschreckt. Es war wie ein lauter Knall – meine Zimmertür flog auf und ich selber blickte in den Lauf einer Waffe. Ich weiß bis heute nicht was mir der Polizist sagte, aber an den Schreck und die Erkenntnis in seinen Augen, dass ich ein Kind war, erinnere ich mich noch sehr gut. Die Polizei hatte unsere Wohnung gestürmt auf der Suche nach meinem größeren, vermutlich bewaffneten, Bruder.

Die ersten Tage, Wochen und Jahre danach war ich ziemlich sauer auf den Beamten, der mit gezogener Waffe meine Kinderzimmertür aufstieß. Wie konnte er nur? Ich war doch nicht mein Bruder und hatte ja nichts getan! Hätte er nicht wissen können, ja wissen müssen, dass mein Bruder sein Zimmer nebenan hatte? Immerhin war er Polizist und die wussten doch immer alles…

Mit den Jahren des Erwachsenwerdens kam die Erkenntnis und das Verständnis, dass der Beamte nur seinen Job machte. Und dass es für ihn sicher schlimmer war, mir seine Waffe entgegen zu richten, als für mich hineinzublicken.

Ich habe mich oft gefragt was aus dem Beamten wurde. Ob er (und seine Kollegen) den Einsatz gut überstanden und verarbeitet hat. Denn in 17 Jahren, die dieser Vorfall mittlerweile zurück liegt, habe ich erkannt, dass der Beamte ein Mensch ist, den der Einsatz sicher genauso beschäftigt hat, wie mich.

Ich würde ihm gern sagen: “Es geht mir gut! Danke, dass Du und Deine Kollegen meinen Bruder geholt habt! Wir haben danach einen dauerhaften Heimplatz bekommen und konnten den Rest unserer Kindheit sicher verbringen.”

Ich habe mich oft mit den Seiten des Polizeiberufs auseinander gesetzt. Eben auch aufgrund eigner Erlebnisse. Habe mich gefragt, was der/die Beamte/in schon alles erlebt und gesehen hat, der/die gerade vor mir steht und sich einen Schokoriegel kauft.

Wie viel Stärke ein jeder von Ihnen in sich tragen muss um jeden Tag erneut die Welt sicherer machen zu wollen und für jeden von uns wieder und wieder da zu sein.

Es ist schön, dass es euch gibt! DANKE!

Gruß Luci