Bewegtes Dienstleben: Polizeichef von Mittenwald feiert heute 60. Geburtstag

10. September 2016 at 20:08

Erster Polizeihauptkommissar Michael Weber, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Mittenwald (Bayern), feiert heute seinen 60. Geburtstag und er schaut bereits etwas wehmütig zurück, denn in zehn Monaten wird er in Pension gehen und dieses Wochenende das letzte Mal in Uniform den Schafabtrieb erleben.

Als Sohn einer Schreinerfamilie wurde er in Schweinfurt am 10. September 1956 geboren, er hat noch neun weitere Geschwister. Als Kind zeichnete sich bereits ab, was er mal werden würde: “Wir spielten schließlich schon als Kinder Räuber und Gendarm”, erzählt Weber.

Die Gendarmen- bzw. Polizeiuniform sollte er dann später auch tatsächlich anziehen. Zunächst absolvierte er 1973 ein Praktikum bei der Polizei in Schwarzforst und nur ein Jahr später begann er die Polizeiausbildung im mittleren Dienst bei der Polizei in Würzburg.

Nach erfolgreicher Ausbildung verschlug es Weber als Passkontrollbeamter an der Grenze bei Scharnitz. “Ich kannte Mittenwald bereits, mein Bruder war bei den Gebirgsjägern”, erinnert er sich. In den 1980ern nahm er an einer Weiterbildung in Fürstenfeldbruck teil und stieg so in den gehobenen Polizeidienst auf.

Als dann wegen des Schengener Abkommens die Grenzkontrollen wegfielen, ging er zu Schleierfahndung nach Murnau. 2000 übernahm er die stellvertretende Leitung der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen um nur fünf Jahre später die Leitung der PI Mittenwald zu übernehmen, wo er bis heute seinen Dienst verrichtet.

Für Weber war es wie ein Nach-Hause-Kommen, denn bereits in den 1970ern hatte er sich in die Karwendelgemeinde verliebt, war fasziniert von Brauchtum und malerischer Bergwelt.

Rückblickend kritisiert Weber die wachsende Bürokratie: “Die Arbeit am Schreibtisch nimmt immer mehr Raum ein.” Zeit, die den Polizisten draußen auf der Straße fehlt. Ansonsten schätzt er den überwiegend respektvollen Umgang miteinander in Mittenwald: “Ich glaube, die groben Beleidigungen und Übergriffe beschränken sich auf den städtischen Bereich.”

Die Welt scheint in Mittenwalder Dienstbezirk noch in Ordnung zu sein, was auch die Kriminalstatistik belegt. Zur aktuellen Flüchtlingskrise und stärkeren Grenzkontrollen befragt sagt der ehemalige Grenzer, dass er sich als Dienststellenleiter zurück halten müsse. Aber er erinnert sich noch an die 1990er Jahre, als nach dem Jugoslawien-Krieg ebenfalls zahlreiche Flüchtlinge nach Bayern und Deutschland kamen. “Damals hatte es aber bei weiten nicht die Ausmaße wie heute”, berichtet Weber.

Eigentlich wäre Weber nun in den Ruhestand getreten, aber eine Dienstvorschrift hat das Rentenalter nach oben gesetzt und so muss er noch zehn Monate Dienst verrichten.

Wenn er dann im Juli 2017 in den Ruhestand geht, will er sich mehr um seine Hobbies kümmern: Bergsteigen und Fahrradfahren. Vielleicht legt er sich auch einen VW Bus zu, um einer weiteren Leidenschaft mehr Zeit zu schenken, dem Campen.

Dass er nun den Schafabtrieb oder den Isartaler Almherbst zum letzten Mal in Uniform erlebt, macht Weber schon etwas wehmütig. “Das wird mir jetzt erst so richtig klar”, sagt er.

http://www.merkur.de/lokales/garmisch-partenkirchen/mittenwald/michael-weber-polizeichef-mittenwald-feiert-geburtstag-6733670.html

Wir wünschen Kollege Michael Weber alles Gute zum runden Geburtstag und dass er gesund bleibt, damit er ab nächstem Jahr seine Pension hoffentlich lange genießen kann.