Sind Polizisten wegen ihrer Uniform keine Menschen?

6. September 2016 at 21:45

Sind Polizisten wegen ihrer Uniform keine Menschen?Immer öfters kommt es vor, dass Menschen in Bezug auf Polizeibeamte kein Mitgefühl haben oder zeigen, ihnen respektlos und mit Gewalt begegnen. Menschen, die nach Hilfe gerufen haben, richten sich plötzlich gegen die Beamten.

Irgendwie passt das alles nicht mehr in das Bild, dass zum Pro-Mensch sein gehört, zu einem Miteinander und der Menschlichkeit gehört. Es sei denn der Mensch in der Uniform wird vergessen, er wird auf die Uniform und die Institution reduziert.

Wenn man keinen Mensch mehr in der Uniform sieht, hat man auch kein schlechtes Gewissen mehr und kann bedenkenlos mit verschieden Formen von Gewalt agieren. So ist etwa ein geworfener Brandsatz auf einen Polizisten vom Gefühl her nur eine Sache, die man beschädigt hat, und nicht einen Menschen dem man Brandwunden oder schlimmeres zugeführt hat und in Kauf genommen hat, dass diese dabei ihr Leben verlieren können.

Also hat man ja gar nichts Schlimmes getan und geht nach Hause, ist „wieder“ nett und anständig gegenüber seiner Familie und den Mitmenschen im eigenen Umfeld. Dass er oder sie gerade versucht hat einen Menschen zu töten ist dieser sich überhaupt nicht bewusst.

Man könnte glauben, dass es sich dabei einfach „nur“ um kriminelle Menschen handelt oder eben um welche, die nicht über die nötige Intelligenz verfügen, doch dies ist eher weniger der Fall. Es sind Bürger, die eine aggressive Grundstimmung gegenüber der Polizei haben und die bereit sind, diese nicht als Menschen zu sehen und ihnen jegliche Rechte darauf – die für ihn selbst und andere selbstverständlich gelten – absprechen.

Es scheint ein Problem der Gesellschaft geworden zu sein, dass Menschen in oder ohne Uniform in eine Schublade gesteckt werden. Egal, ob sie als Roboter einer Institution gesehen werden oder ob sie von den „Normen“ abweichen.

Doch wer fängt all diese Menschen auf und was spielt es in dieser Gesellschaft für eine Rolle?

Es spielt eine sehr große Rolle, denn niemand nimmt ihre Gefühle ernst und versucht zu helfen. Das Absprechen des Mensch-seins in einer Uniform seitens vieler Bürger belastet die Seele. Hinzu kommen die vielen Überstunden und der Schichtdienst, ständige Gefahren. Das Ergebnis sind zerrüttete Familien, Depressionen, Alkoholismus, Suizid und Burnout. Sie kommen unter Polizeibeamten häufiger vor.

Wenn jeder einmal selbst nachdenken würde, was es bei ihm auslöst, in solch einem Umfeld, wo einem die Persönlichkeit und die Gefühle abgesprochen werden, zu arbeiten. Wo der Mensch und die Menschlichkeit nicht existiert und er als Roboter gesehen wird, als gefühlloser Vertreter einer Institution. Die Grundbedürfnisse eines jeden, nämlich in der Gesellschaft angenommen zu werden, werden diesen versagt.

Dann wird sich aber über Unfreundlichkeit und eine gewisse „Aggression“ gegenüber dem Bürger aufgeregt, oder er wird getadelt, wenn er sich nicht als Vorbild verhält, oder das, was man als Vorbildfunktion von anderen erwartet (meist nicht einmal von sich selbst).

Jeder Polizeibeamte muss als Mensch mit all diesem klar kommen. Man kann nicht alles was im Dienst geschieht professionell nehmen, besonders wenn man einer Tätigkeit nachgeht, die einen immer wieder vor neue Situationen stellt, die man nicht voraussehen kann.

Also ist der Beruf eine knallharte emotionale Herausforderung, und der Mensch der ihn ausübt, verdient definitiv Anerkennung und Verständnis, oder?