Software zum Erkennen gefälschter Pässe nicht unterstützt

27. September 2016 at 22:16

Software zum Erkennen gefälschter Pässe nicht unterstütztMan stelle sich folgenden Fall vor: Jemand erstellt gefälschte Pässe, mit unterschiedlichen Namen, aber immer mit demselben Passbild. Die Pässe wirken auf den ersten Blick echt, sind es aber nicht und man erkennt dies nur mit der notwendigen Sachkunde.

Nun nehmen wir weiter an, dass diese Pässe – vermutlich für eine entsprechende Gegenleistung – Abnehmer finden und diese Abnehmer dann in verschiedenen Städten auffallen. Hierbei gäbe es mehrere Probleme: Zunächst einmal muss man überhaupt erst erkennen, dass es sich bei den Pässen um Fälschungen handelt und dann muss man die Informationen zusammen führen können, wenn die eine Person in Berlin und die andere in Hamburg auffällt.

Kein alltäglicher Fall? Doch, tatsächlich so geschehen. Auf 52 verschiedenen Pässen war das Bild des Rumänen Corin M. zu sehen, immer mit einem anderen Namen.

Um die oben dargestellten Probleme lösen zu können entwickelte Hauptkommissar Wolfgang Volland vom Landeskriminalamt (LKA) Berlin eine Software, die nicht nur die gefälschten Pässe erkennen kann, sondern auch die Informationen bundesweit zusammen führen könnte. So können Mehrfachidentitäten schneller erkannt werden und die Polizei weiß in Hamburg, dass ein gleichgelagerter Fall in Berlin existiert.

Eigentlich eine gute Idee. Das fand auch der Polizeipräsident von Berlin, Klaus Kandt, und verlieh 2013 Volland den Präventionspreis. Denn bisherige Computersysteme der Polizei können das nicht.

2014 stellte Volland sein System dem Bundesinnenministerium vor, um zu prüfen, ob eine bundesweite Einführung möglich sei. Doch das Ministerium lehnte ab, aus datenschutzrechtlichen Gründen. Auch die Tatsache, dass das Fraunhofer-Institut die Software geprüft hatte und ihr lediglich eine 0,1-prozentige Fehlerquote bescheinigte, änderte daran nichts.

Auf Grund dieser Recherche hatte der rbb im Innenministerium nachgefragt. Nun heißt es dort, dass man “gesprächsbereit” sei. Für Volland mittlerweile zwei verlorene Jahre, in denen sein System bereits aktiv die Polizeiarbeit hätte unterstützen können. Und “gesprächsbereit” bedeutet nicht zwangsläufig, dass Vollands Software tatsächlich eingeführt wird.

http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2016/09/system-zur-erkennung-gefaelschter-paesse.html