“Die Polizei – dein Freund und Helfer!” zu DDR-Zeiten

3. Oktober 2016 at 13:19

"Die Polizei - dein Freund und Helfer!" zu DDR-ZeitenFür die “Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit” war allgemein die Deutsche Volkspolizei zuständig. Sie sollten Ordnungswidrigkeiten, Verfehlungen und Straftaten vorbeugen, aufdecken, untersuchen und aufklären. Der politische Auftrag bestand im Dienst “zur allseitigen Stärkung und zum zuverlässigen Schutz der Arbeiter- und Bauernmacht”.

Die Polizei hatte nach dem Willen der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) als “Polizei des Volkes” zu erscheinen. Deswegen förderte man einerseits die Mitwirkung von Polizeiangehörigen in allen gesellschaftlichen Bereichen und andererseits versuchte man so möglichst viele DDR-Bürger zum aktiven Mitwirken für Ordnung, Sicherheit und Disziplin zu bewegen.

Hierbei spielten die “Abschnittsbevollmächtigten” (ABV), die 1952/53 eingeführt wurde, eine Schlüsselrolle. Sie waren ständig im Dienst, indem sie allumfassend zuständig für ihr “Revier” erklärt wurden. Sie waren die erste Ansprechpartner für die Bürger und hatten die Kontrollen der Hausbücher vorzunehmen. In den Hausbüchern wurden Bewohner einer Wohnung (und Besucher für länger als drei Tage bzw. ausländische Besucher immer) mitsamt persönlicher Daten und Beruf vermerkt.

Sie kannten natürlich auch alle “Pappenheimer” recht gut und in der Regel auch die meisten Bürger. Seit 1952 gab es noch zusätzlich die “Freiwillige Helfer der DVP” (FH), die den ABV unterstützten und deren Zahl immer größer wurde, sodass sich 1989 circa 177.500 Polizeihelfer im aktiven Einsatz befanden.

1989 zählten zusätzlich zu den etwa 80.000 Polizeiangehörigen, ca. 8.000 Transportpolizisten und 15.000 Angehörigen des Betriebsschutzes. Viele Bürger wurden auch in die anderen Bereiche der Polizeiarbeit der DDR einbezogen, wie z.B. 467.000 Kameraden bei der Freiwilligen Feuerwehr , 284.000 Menschen waren Mitglied gesellschaftlicher “Kollektive für Verkehrssicherheit” in Betrieben und Einrichtungen, die “Ordnungsgruppen der FDJ” hatten 64.000 Mitglieder, 39.110 Jugendliche wirkten als “Junge Brandschutzhelfer”, 9.288 Menschen waren als Schülerlotsen tätig, und die AG “Junger Verkehrshelfer” hatte 44.783 Mitglieder; außerdem waren 2.061.900 DDR-Bürger als Beauftragte der DVP zur Führung des Hausbuches tätig.

Zum Staatsicherheitsdienst bestand eine enge Verbindung bei ihrer täglichen Arbeit, ganz besonders auch zur Abteilung der Kripo K1, die im rechtlich Bereich mit geheimdienstlichen Methoden ermittelte. Deswegen basierte auch die in den 80er-Jahren verwendeten Fahndungs- und Überwachungstechniken der DVP auf hochentwickelten Technologien.

Die “Freiwillige Helfer der DVP” trugen Armbänder mit der Aufschrift: “Helfer der Volkspolizei”, so wie sie auf dem Bild zu sehen sind, damit sie von den Bürgen erkannt werden konnten.

Durch die Vielzahl der Polizeihelfer entstand mit Sicherheit ein enger Bürgerbezug und man konnte sicher nicht über einen Mangel von Polizisten reden. Ob man sie aus heutiger Sicht als “Freund und Helfer” bezeichnen kann, das bleibt im Ermessen des Lesers.

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