Hat die Polizei Sachsen ein Problem?

16. Oktober 2016 at 18:08

Hat die Polizei Sachsen ein Problem?Unsere eindeutige Meinung: Jein. Diese Meinung wird sicher nicht jedem passen und unser Statement wird den ein oder anderen vielleicht sogar überraschen. Aber viel zu aufgeheizt ist derzeit die Stimmung und zu persönlich eingefärbt die Kommentare, die man allzu oft zu lesen bekommt. Sachlichkeit sucht man da oft vergebens.

Dies wollen wir an dieser Stelle ändern.

Wir alle kennen die Meldungen der vergangenen Wochen und Monate. Da wurde der Polizei Sachsen unterstellt, zu weit rechts zu sein. Sie soll die Nähe zu rechtem Gesinnungsgut suchen. Die Diskussion wurde insbesondere auch nach dem Vorfall in Clausnitz angefeuert, als ein Polizist einen Flüchtlingsjungen aus dem Bus zerrte.

Aber DIE Polizei ist nicht rechts! Es mag einzelne Kollegen geben, die – aus welchen Gründen auch immer – entsprechende Gedanken hegen. Das ändert aber nichts daran, dass sich viele Polizisten regelmäßig bei entsprechenden Veranstaltungen dem rechten Mob entgegen stellen und versuchen Rechtsstaatlichkeit zu waren. Das war auch in Clausnitz so und die Aufregung war völlig umsonst.

Vor einigen Wochen berichteten wird davon, dass ein Polizist in Leipzig nach einem Einsatz die Maschinenpistole verloren hatte. Natürlich darf so etwas nicht passieren, aber es ist passiert. Der Polizist, aber auch die Polizei Sachsen, wurde mit Häme überschüttet, das war schon nicht mehr feierlich.

Der Kollege muss sich nun dafür verantworten. Man überlegt, ihn die Waffe bezahlen zu lassen und ein Disziplinarverfahren wird wohl auch auf ihn warten. Das Schlimme aber ist, dass die Waffe immer noch nicht aufgetaucht ist und man nicht weiß, in wessen Händen sie sich befindet. Die Schuld alleine bei dem Kollegen zu suchen ist einfach, aber hat derjenige, der die Waffe an sich genommen hat und nicht mehr hergibt, richtig gehandelt? Wohl kaum!

Nun kommt noch ein verhinderter Terroranschlag hinzu. Der Verfassungsschutz hatte den Terroristen Albakr beobachtet und als seine Pläne, einen Sprengstoffanschlag vermutlich auf einen Berliner Flughafen zu verüben, kurz vor der Vollendung standen, zogen die Verfassungsschützer die Reißleine und weihten die Polizei in ihre Erkenntnisse ein.

Die Folge war ein Großeinsatz in Chemnitz, Albakr konnte vor den eingesetzten SEK-Beamten zunächst flüchten, wurde aber dann von Landsmännern in Leipzig, wo er Unterschlupf bekam, verraten.

Die Polizei griff zu und nahm den Terroristen fest. Aber anstatt froh darüber zu sein, dass eine potentielle Gefahr für viele Menschenleben erfolgreich abgewendet wurde, machen sich viele darüber lustig, wie Albakr der Polizei in Chemnitz entfliehen konnte. Mann kann es wirklich niemandem Recht machen.

Und jetzt wirds unappetitlich. Albakr wird von der Polizei an die Justiz übergeben und dort erhängt sich der Mann in der Zelle. Und schon wissen es alle wieder besser und schlagen verbal auf Polizei und Justiz ein.

Wir möchten hier nicht rechtfertigen, was bei der causa Albakr schief gelaufen ist. Dass Fehler unterlaufen sind, dass hat die Justiz in Sachsen mittlerweile selbst eingeräumt. Aber der Bruder der Terroristen macht die Polizei verantwortlich, in dem er verlautbaren lässt, die Polizei hätte seinen Bruder umgebracht. Bitte was?

Ein Selbstmordattentäter, der seine eigenes Leben in seiner eigenen Planung sowieso untergeordnet hat und bereit ist, es wegzuwerfen, nur um größtmöglichen Schaden anzurichten und “Ungläubige” zu ermorden, soll von der Polizei umgebracht worden sein? Wozu sollte das gut sein?

Zudem wird hierbei völlig vergessen, dass Albakr in Verantwortung der Justiz war, die völlig unabhängig von der Polizei funktioniert. In anderen Ländern mag das anders sein, da ist Polizei und Justizvollzug ein Teil des Militärs, da mag das passieren, insbesondere, wenn es sich um eine Diktatur handelt. Aber in Deutschland kann man so etwas wohl eher unter Verschwörungstheorie abheften.

Zu guter Letzt wird aktuell mal wieder verbal auf die Polizei Sachsen eingetreten. In Dresden findet eine Veranstaltung zum zweijährigen Bestehen der Pegida-Bewegung statt und während sich die Organisation selbst feiert, soll die Polizei verdeckte Videoaufnahmen angefertigt haben.

Die Polizeisprecher ließen über Twitter verlautbaren, dass man den Beamten abgezogen habe und die Sache nun prüfe. Verfehlung eines einzelnen Beamten? Mag sein, die Frage ist nur, von wem? Die Polizei Sachsen darf nur offen videografieren und auch nur in bestimmten Fällen. Zu jedem Einsatz wird von der Einsatzleitung ein Einsatzbefehl geschrieben, in dem die zu treffenden Maßnahmen angeordnet werden.

Würde also ein Polizist, der alleine zum Zwecke der Beweissicherung und Dokumentation eingesetzt ist, ohne Anordnung die Videokamera anwerfen? Dazu müsste man den Einsatzbefehl kennen. Aber wieder ist es DIE Polizei, die Mist gebaut hat.

Ein Gewerkschaftsvertreter hat sich kürzlich öffentlich über die unsachliche Kritik gegenüber der Polizei Sachsen beschwert. Er fand das “zum kotzen“. Nun, wir widersprechen nicht.

Hat die Polizei Sachsen also ein Problem?

Die Kollegen sind nicht rechts und das beweisen sie immer wieder, wie auch heute in Dresden, dass sie sich dem rechten (und linken) Mob entgegen stellen. Sie haben erfolgreich einen Terroranschlag verhindert und dafür gebührt ihnen Respekt. Denn es wäre der schwerste Terroranschlag der vergangenen Jahre auf deutschem Bodem seit RAF-Zeiten gewesen, wäre er erfolgreich verlaufen.

Was in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen werden darf, ist der Kampf der Polizei in Sachsen gegen die Gerüchtebildung in sozialen Medien, wenn es um das Thema Flüchtlinge geht. Allzu oft werden Unwahrheiten behauptet, Gerüchte gezielt gestreut oder einfach geglaubt, was jemand behauptet, der es gar nicht wissen kann. Hier verschwenden viele Polizisten unnötige Zeit mit Ermittlungen, um dann festzustellen, dass nichts an den Gerüchten dran war. Dabei hätten die Kollegen echt besseres zu tun.

Denn auch in Sachsen kämpfen die Kollegen mit fehlendem Personal und gute Bewerber sind schwer zu bekommen. Und ganz abgesehen von der alltäglichen Gewalt, der die Kollegen auch in Sachsen ausgesetzt sind, kämpfen sie auch noch an weiteren Fronten: Fußballeinsätze, Demos und die Terrorismusgefahr lassen die Uniformen nicht mehr die Körperwärme ablegen.

Bei all der Häme, bei all der Schadenfreude und den ungerechtfertigten (verbalen) Angriffen auf die Polizei Sachsen in letzter Zeit wird eines vergessen:

Viele Polizisten in Sachsen treten – wie auch anderswo – täglich ihren Dienst an um zu helfen, zu schützen und für Recht und Ordnung einzustehen. Und sie machen ihren Job verdammt gut!

Es würde nicht verwundern, wenn mancher dieser Kollegen sich denkt, warum er das überhaupt noch macht, wenn DIE Polizei in Sachsen sowieso nur noch durch den Kakao gezogen wird, von Medien, Privatpersonen, Politikern und besonders auch von Karikaturisten und Satirikern. Dennoch genießen all diese Leute auch weiterhin den Schutz derjenige, die täglich die Uniform anziehen und raus auf die Straße gehen.

Denkt mal drüber nach…