Nach Gewaltexzess gegen Polizisten in Düren – Untersuchungshaft: Nein! Doch! Ohh!

17. November 2016 at 0:02

Nach Gewaltexzess gegen Polizisten in Düren - Untersuchungshaft: Nein! Doch! Ohh!Vergangenen Sonntag mussten wir über einen Gewaltexzess gegen Polizisten in Düren (Nordrhein-Westfalen) berichten. Nach einem Parkverstoß, den ein Mitarbeiter des Ordnungsbehörde verfolgen wollte und der vom Halter bedroht wurde, verübten der Halter und dessen Angehörige schwere Gewalttaten gegen die eingesetzten Polizisten.

Insgesamt zehn zum Teil schwer verletzte Beamte forderte der Gewaltexzess. Ein Polizist wurde in den Schwitzkasten genommen und mit einem Radmutterschlüssel gezielt ins Gesichts geschlagen, so die Staatsanwaltschaft. Wie die Polizei Düren mitteilte, erlitt dieser Beamte mehrere Brüche im Gesicht und werde nun monatelang dienstunfähig sein.

Zwei der insgesamt fünf Täter wurden noch während des Einsatzes festgenommen, ein weiterer am späten Abend durch das SEK im Rahmen einer Durchsuchungsmaßnahme. Zwei weitere Mittäter werden noch mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Die Festgenommenen wurden allerdings wieder auf freien Fuß gesetzt, da ein Antrag der Staatsanwaltschaft auf Untersuchungshaft beim Amtsgericht Aachen noch abschlägig beschieden wurde. Damit war die Staatsanwaltschaft jedoch nicht einverstanden und konnte im Beschwerdeverfahren einen Haftbefehl für zwei der Festgenommenen durchsetzen.

Wie Oberstaatsanwalt Wilhelm Muckel erklärte, habe er bei seiner Beschwerde die “massive staatsfeindliche Gesinnung des Angriffs am Samstag” hervor gehoben, was eine Untersuchungshaft rechtfertige. Dem schloss sich das Amtsgericht nun an.

Allerdings gilt der Haftbefehl für den Gewaltexzess vom Samstag offenbar nur für den 46-jährigen Familienvater. Sein 22-jähriger Sohn erhielt wegen eines Überfalls auf einen Fußballplatz in Jülich-Welldorf, ebenfalls am Wochenende, den Haftbefehl, bei dem etwa 30 Angreifer gezielt Spieler libanesischer Herkunft beim Bezirksligaspiel attackierten.

Nach den 28 und 27 Jahre alten Söhnen des Familienvaters wird noch gefahndet und es wird nicht ausgeschlossen, dass die beiden sich bereits ins Ausland abgesetzt haben könnten. Als fünfter im Bundes gilt auch der 15-jährige Sohn als tatverdächtig.

Gegen die fünf Familienmitglieder wird wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt.

https://www.aachener-zeitung.de/lokales/region/haftbefehle-nach-gewaltattacke-gegen-polizisten-in-dueren-1.1492230

Angesichts dessen, dass keine neuen Ermittlungsergebnisse zur Anordnung der Untersuchungshaft führten, sondern lediglich die Intervention der Staatsanwaltschaft eine Neubewertung brachte, stellt sich die Frage, wann für ein Gericht eine “massive staatsfeindliche Gesinnung des Angriffs” vorliegt? Doch schon bei schwersten Verletzungen bei Polizisten (als Vertreter des Staates), oder doch eher, wenn ein Kollege tot am Boden liegt?

Die zunächst abgelehnte Untersuchungshaft führte zu ungläubigem Kopfschütteln innerhalb der Polizeifamilie und Unverständnis auch bei Bürgern. Bei dem bisherigen Verfahrensverlauf könnte man unweigerlich an einen Dialog aus dem Film “Hasch mich, ich bin der Mörder” mit Louis de Funès denken, der mittlerweile zum Klassiker wurde: “Nein! Doch! Ohh!”